Haus Mayer-Kuckuk in Bad Honnef

Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt Sanierung

Ungewöhnliche Architektur: Andrea Köhler und Hartmut Witte kennen die Schwachstellen des Hauses Mayer-Kuckuk. Staunässe hat dem Holz der äußeren Tragkonstruktion zugesetzt.

BAD HONNEF. Bad Honnef ist reich an erhaltenswerten, schönen Gebäuden. Dass Architektur-Studenten zu Besuch kommen, um ein Haus als Studienobjekt in Augenschein zu nehmen, dürfte allerdings auf die wenigsten zutreffen. Anders beim Haus Mayer-Kuckuk an der Böckingstraße.

Das 1967 errichtete Wohnhaus gehört nicht umsonst zu den am meisten dokumentierten Bauobjekten der Nachkriegsgeschichte. Zu Besuch waren nun auch Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Im Gepäck hatten sie einen Fördervertrag über 55.000 Euro. Mit dem Geld unterstützt die DSD die um ein Vielfaches teurere, dringende Sanierung der tragenden Holzkonstruktion.

Benannt ist das Gebäude nach seinem Bauherren, dem Atomphysiker Theo Mayer-Kuckuk, der es auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung der Uni Bonn errichten ließ. Geistiger "Vater" des Hauses ist der renommierte Architekt und Architektur-Professor Wolfgang Döring.

Eigentlich sollte das Fertighaus mit einem Tragwerk aus Leimholzbalken, das bereits durch sein eigenwilliges Äußeres besticht und seinen Bewohnern zufolge schon Beinamen bekam wie "das Kraftwerk", in Serie gehen. Dazu kam es nicht. Das Haus, dessen Aufbau auf dem Fundament nur wenige Tage in Anspruch nahm, blieb viel beachtetes Unikat. 2007 wurde es als Baudenkmal unter Schutz gestellt und unter der Nummer "A 280" in die Denkmalliste der Stadt Bad Honnef eingetragen.

Beachtung in Fachkreisen gefunden hatte das Haus schon lange zuvor, berichten Andrea Köhler, die das Gebäude 1988 erworben hat, und ihr Mann Hartmut Witte. 1992, ein Vierteljahrhundert nach dem Bau, war dem Gebäude ein Artikel im Fachblatt der DSD gewidmet. Ein "architektur- und gesellschaftshistorisches Zeugnis der 1960er Jahre" sei das Haus, so Fachleute, eine "utopische technoide Innovation".

Die Bauweise war dem Gedanken gewidmet, das Heim als eine Art "Gebrauchsartikel" zu begreifen. Die Idee: ein bezahlbares Haus, das in wenigen Wochen liefer- und aufbaubar und durch Module jederzeit erweiterbar ist. Mehr als 80 000 Euro, so war Mayer-Kuckuks Devise an den Architekten 1965, durfte es nicht kosten.

Aber auch ein so ungewöhnliches Denkmal kommt in die Jahre. Und so ging und geht es bei Sanierungen um weit größere Summen als beim Bau. Um mit Witte zu sprechen: Wirtschaftlich sei der Erhalt eigentlich "Unsinn". Die Bauweise sieht nicht nur ungewöhnlich aus, sie ist es: Der Bau besteht im Wesentlichen aus einem außerhalb der Wände angeordneten Tragskelett mit Doppelzangenträgern, das mit Sandwichplatten aus Eternit, Glaswolle und Spanplatten "gefüllt" ist.

Das Ganze ruht auf dünnen Stahlstiften im Betonfundament, die zusammen gerade die Fläche eines Ziegelsteines ausfüllen. Gerade diese Bauweise ist es, die besondere Anforderungen auch an die Sanierung stellt. 1990 ließ die Eigentümerin das Haus sanieren, "aber es fand sich niemand, der sich an die Balken rantraute".

Köhler suchte und fand Hilfe bei der DSD. Seit ihrem ersten Hilferuf vor fünf Jahren, "haben sich viele Experten den Kopf zerbrochen, wie man es machen kann", so Witte. Sprich: Wie man künftig dafür sorgen kann, dass das außen liegende Holz von Staunässe verschont bleibt, die dem Tragwerk zugesetzt hat. Witte: "Wenn Sie so wollen: Wir brauchen Spezialisten für etwas, das es nicht gibt."

Klar ist: Es wird eine Großbaustelle. "Wir müssen das ganze Haus räumen, alle Wände müssen aufgemacht werden, weil da ja die Stützen drin stehen", so Köhler. Freud' und Leid mit dem Denkmal? "Schon", so die Eigentümerin: Dem besonderen Wohngefühl stehe der, auch finanzielle, Aufwand des Erhalts gegenüber - ein "Schicksal", das sie mit anderen Eigentümern von Denkmälern teilt. Aber: "Das Haus ist erhaltenswert", darin sieht sie eben auch Verpflichtung.

Für die Unterstützung der DSD, die Gisela Henze, Ortskuratorin Bonn/Rhein-Sieg, und Michael Vangelow, Leiter des Ortskuratoriums, sowie Anja Schmitz von West-Lotto überbrachten, sei sie sehr dankbar. Das Haus gehört nun zu über 330 Projekten in NRW, die die DSD dank Spenden und Mitteln der Glücksspirale-Rentenlotterie von Lotto fördern konnte. Losgehen soll es im Frühjahr. Der Architekt gehe von drei Monaten Sanierungszeit aus, "wir eher von sechs", so Witte. Und danach? Dann ist das Zeugnis der 60er Jahre gewappnet für die kommenden Jahrzehnte.