Landesgartenschau

Der Verkehr bereitet am meisten Sorge

BAD HONNEF. Utopien, aber auch praktikable Denkanstöße: Die erste Bürgerbeteiligung zur Bewerbung Bad Honnefs um die Landesgartenschau 2020 bot von allem etwas.

Während bei Vorschlägen wie jenen, die lästige Bahntrasse unter einem "Deckel" verschwinden zu lassen, Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen, fanden Ansätze wie die Aufwertung des Altarms, die Einbeziehung von "Hot-Spots" wie Hagerhof und Menzenberg, Schokoladen-Manufaktur in Rottbitze und Bad Honnefs Quellen allgemeine Zustimmung. Gut 130 Bürger brachten am Mittwoch ihre Vorstellungen und Bedenken ein. Bürgermeister Otto Neuhoffs Fazit nach zweieinhalb Stunden: "In Bad Honnef wurde zu viel zerredet in der Vergangenheit. Unser Konzept für heute Abend ist aufgegangen. Das ist ein guter Startpunkt für unser Projekt."

  • Gutachten: Mitarbeiter vom Landschaftsarchitekturbüro RMP Stefan Lenzen (Bonn) und Experten der "ift Freizeit- und Tourismusberatung" (Köln) stellten die Voruntersuchungen vor. Wie berichtet, waren unter anderem die Insel Grafenwerth, das Rheinufer, der tote Rheinarm, die städtischen Parks und das Selhofer Feld untersucht worden. Eine erste Konzeptidee: Möglich sei ein "Fünf-Finger-System", bei dem Bachläufe und City die Verbindung bildeten zwischen Siebengebirge und Rhein. Wichtig sei die Einbeziehung der Innenstadt, "schließlich wollen wir auch die Kaufkraft stärken", so Annette Gerardi von RMP und Christian Rast von ift. Es seien nur Voruntersuchungen; zu Natur- und Artenschutz brauche es im Fortgang weitere Erhebungen. Hindernisse hätten sich bislang nicht ergeben; alle beteiligten Behörden begleiteten das Thema positiv. Neben eintrittspflichtigen Hauptflächen - besonders im Fokus ist die Insel Grafenwerth - sei es wichtig, "alle Ortsteile einzubinden", so Rast. Das gelte auch für Aegidienberg, wo es mit Verbesserungen etwa am Aegidiusplatz ebenso wie im Tal städtebauliche Ansätze gäbe.
  • World-Café: Für die Ideensammlung genutzt wurde das World-Café, eine in den USA entwickelte Workshop-Methode. In Gruppen aufgeteilt, gingen die Teilnehmer auf eine Reise durch Honnef, gaben im Wechsel Anregungen für Stadtmitte/Insel Grafenwerth, Rhöndorf/Rheinpromenade, Selhof/Honnef-Süd und Aegidienberg/Siebengebirge. Die Ergebnisse werden nun von Verwaltung und Gutachtern ausgewertet. Ende April oder Anfang Mai findet die nächste Bürgerbeteiligung statt.
  • Anregungen und Bedenken: Nicht verwunderlich: Die größten Bauchschmerzen bereiten Fragen des Verkehrs. Ein Verkehrsinfarkt, so hieß es, müsse vermieden werden. Hierzu brauche es Parkraum, ein Parkleitsystem, Shuttle-Lösungen vom Busshuttle ab Aegidienberg bis zum "Wassertaxi" sowie generell eine Überarbeitung der Infrastruktur für Autos, Räder, Fußgänger. Sorge bereitet auch die Frage zeitweiser Sperrung von Flächen. Wünsche waren unter anderem die Reaktivierung des Leinpfads am Rhein, Bäche-Freilegung, repräsentative Stadtportale in Aegidienberg, Rhöndorf und Selhof, Rad- und Fußwege an den Landesstraßen und eine Aufwertung von Fußgängerzone und Markt zum "echten City-Herzen". Auch die Barrierefreiheit an den Bahnhöfen, ein Dauerthema, war den Teilnehmern wichtig. Vielfach ein Ansatzpunkt war es, Stadt und Rhein zu verbinden. Die Gutachter nannten als Idee eine neue Brücke von der Girardetallee aus.
  • Nachhaltigkeit: Ein wichtiges Ziel einer Laga, so die Gutachter: Nachhaltigkeit, nicht zuletzt über städtebauliche Fördermittel. "Honnef darf keine Insel mehr sein, an der alle Fördermittel vorbeigehen. Die Laga ist weit mehr als eine Blümchenschau. Sie ist ein Instrument der Stadtentwicklung. Das ist eine Riesenchance", so Neuhoff. Neben Beispielen einer besseren Infrastruktur war ein Punkt der Immissionsschutz - denn Lärm gibt es mit B 42, DB und S-Bahn genug. Grüne Barrieren und intelligentes Bauen bei Beibehaltung und Aufwertung der Parks wurden genannt. Bad Honnef könne dabei eventuell sogar "Vorbildregion" werden, hieß es. Inhaltlicher Art waren auch diese Wünsche: Bad Honnef müsse attraktiver werden für junge Menschen. Und Berg und Tal müssten näher zusammenrücken.

 

Die Landesgartenschau

Seit 1984 hat es in Nordrhein-Westfalen 16 Landesgartenschauen gegeben. Die Landesgartenschau 2014 in Zülpich endete im Oktober. Das Land NRW hat aktuell die Landesgartenschauen 2020 und 2023 ausgeschrieben. Für 2020 endet die Bewerbungsfrist am 1. September 2015. Geprüft werden die Bewerbungen - Voraussetzung ist eine Machbarkeitsstudie - von einer Fachkommission, die dem Land Vergabevorschläge macht.

Ist die Vergabe durch das Landes-Umweltministerium an eine Kommune erfolgt, wird zur Durchführung eine GmbH gegründet; im Falle Zülpichs wählte man die Form einer gemeinnützigen GmbH. Trägerin einer Landesgartenschau ist jeweils die ausrichtende Stadt, die auch Mehrheitsgesellschafter in der GmbH ist mit in der Regel 74 Prozent. Zweiter Gesellschafter (26 Prozent) ist die Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landschaftspflege (LAGL), so sieht es das Land vor. Das Land gibt für die eigentliche Schau fünf Millionen Euro. Zudem sind Fördermittel aus dem Städtebauetat möglich.

Zülpich zieht eine positive Laga-Bilanz: Stadt erhielt zwölf Millionen Euro

Geht es um die Bilanz der Landesgartenschau 2014, gerät Zülpichs Bürgermeister Albert Bergmann ins Schwärmen. "Der Prinz Landesgartenschau hat das Dornröschen Zülpich wachgeküsst", ließ der Verwaltungschef im Herbst in seiner Abschlussbilanz verlauten. Exakt 544 644 Besucher lockte die Schau von April bis Oktober in die "Jahrtausendgärten" der 20 000-Einwohner-Stadt, darunter 7470 Kinder im "grünen Klassenzimmer" und 32 305 Teilnehmer an Gruppenprogrammen. Zahlen wie diese sind nur die eine Seite der Medaille. Auch finanziell erklärten die Stadt, Mehrheitsgesellschafterin in der gemeinnützigen Laga-GmbH, und die Durchführungs-GmbH die Laga noch vor deren Ende zu einem Erfolg.

Die Gesamtkosten der Laga 2014 bezifferten Stadt und GmbH seinerzeit mit 23,6 Millionen Euro. Die Durchführungskosten beliefen sich auf 6,3 Millionen Euro. Hinzu gekommen seien wesentliche Investitionen. Laut Stadt Zülpich wurden insgesamt 17 Millionen Euro investiert. Zwölf Millionen Euro habe Zülpich dabei als Fördermittel generiert, die unter anderem in Stadtentwicklung und Infrastruktur wie in die Sanierung des Marktplatzes geflossen seien; 600 000 Euro kamen von privaten Investoren, der größere Teil aus öffentlichen Fördertöpfen. 5,7 Millionen Euro investierte die Stadt Zülpich selbst, kaufte etwa das Ex-Braunkohletagebaugebiet samt See, eine der Hauptflächen der Laga und fortan Freizeitgebiet mit Seebühne. Dieser Seepark wird voraussichtlich zu Ostern wieder geöffnet.