Im neuen Heimatmuseum in Rhöndorf

Demnächst soll es um die Geschichte von Penaten gehen

RHÖNDORF. Gut geschmiert. Der süße Wonneproppen liegt auf dem Bauch. Auf den Popo bekommt er einen dicken Klacks Salbe. "Penaten - der Schutzfilm gegen Wundsein" verheißt der Schriftzug unter dem Super-Model. "Das bin ich", erzählt Alfred Nolden lachend. Der Urenkel von Penaten-Gründer Max Riese landete 1949 auf einem der ersten Werbeaufsteller des Unternehmens.

Und auch dieses hübsche Zeitdokument wird ein Bestandteil der Ausstellung über das Rhöndorfer Weltunternehmen im neuen Heimatmuseum, das noch in diesem Jahr eröffnet werden soll, sein.

"Wir sind glücklich über die Sammlung Penaten", sagt Jörg Erich Haselier, der Vorsitzende des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf. "Der Exportschlager Penaten ist eine willkommene Ergänzung, repräsentiert wie kein Zweiter das Thema Wirtschaft und soll dauerhaft zu sehen sein." Nolden ist es auch zu verdanken, dass von Beginn an das ganze Haus vom Verein genutzt werden kann. In der ersten Etage wird der Penaten-Raum eingerichtet. Alfred Nolden kümmert sich selbst um die Einrichtung mit Vitrinen, zwei Ledersesseln und einem Tisch.

Vielleicht hat Baby Alfred mit den großen Kulleraugen ja auch einen Anteil am Erfolg der Creme, die wunde Baby-Popos heile macht. Jedenfalls kletterte die Produktion von 436.000 Dosen im Jahre 1929 auf 6,5 Millionen im Jahr 1954. "1979 waren es 13 Millionen", erzählt Alfred Nolden, der neben den Ausstellungsobjekten natürlich auch die Geschichte des Unternehmens darstellen wird; sogar einen Film aus den 30er Jahren hat er aufgetrieben.

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde noch Am Sperrbaum, dem ersten Firmensitz, produziert und mit einem Spachtel die cremige Masse in die Schachtel gestrichen. Alfred Nolden hat jetzt noch den Duft nach Kamille aus dem Haus der Urgroßeltern in der Nase. "Da gab es Hunderte Kartons Seife und Kamillenbad", erinnert er sich an das Sammelsurium von Relikten, die teilweise aus dem Geburtsjahr der Firma, 1904, stammten.

Als Alfred Nolden klein war, wurden die ersten Werkshallen an der Rhöndorfer Straße errichtet. Kurz nach dem Krieg - 1943 war Gründer Max Riese verstorben - fand die Produktion an verschiedenen Standorten statt, an der Rommersdorfer Straße, an der Kirch- und an der Bahnhofstraße und da, wo jetzt Alessandro Eis verkauft. Damals holte das Familienunternehmen Fritz Frankenberg als geschäftsführenden Gesellschafter mit ins Boot.

Alfred Nolden hat aus all diesen Jahren eine Unmenge zusammengetragen. Creme-Dosen aus der Anfangszeit, wo unter dem berühmten Wahrzeichen, dem Schäfer mit Hund, noch "Hautconservirungsmittel" und "Preis 25 Pfennig" zu lesen ist. Da hatte Max Riese gerade mit Erfolg seine Erfindung beim Reichspatentamt in Berlin angemeldet. Verpackungen, verschiedene Fläschchen und Dosen, Werbematerial werden im Penaten-Zimmer des Museums zu sehen sein.

Ein absolutes Schätzchen ist der Koffer eines Außendienstmitarbeiters aus den 20er oder 30er Jahren, ein mit Kunstleder bezogener und innen mit Stoff ausgeschlagener Holzkasten, in dem fein säuberlich die Waren präsentiert werden konnten. Das reichte vom Penaten-Puder über die Creme bis hin zur "Penaten-Präservativ-Creme", Marke "Marschfest", zur Pflege der Füße.

Gefunden hat Nolden zum Beispiel auch Rezepte für Haarwasser und andere Hinweise auf Überlegungen des Urgroßvaters. "Er wäre lieber Apotheker geworden als Drogist", berichtet Alfred Nolden über den Gründer, der an der Ehrenstraße in Köln seine Drogerie hatte. 1898 baute er das Haus Am Sperrbaum. Mit seiner Ehefrau Elisabeth, die auch die Idee hatte, die Creme Penaten nach den römischen Schutzgöttern zu benennen, bekam er drei Söhne, Alfred, Max und Erich, der in Stalingrad gefallen ist.

"Alfred war der Motor nach dem Krieg, der für das Kaufmännische zuständig war. Max war der Produktentwickler im Labor. Dadurch verlor er seine Approbation als Arzt." Alfred Nolden kam 1949 zur Welt, seine Mutter Hildegard, die Tochter von Alfred Rieses Sohn, verstarb traurigerweise noch im selben Jahr; der Vater heiratete wieder. Alfred Nolden wuchs bei den Großeltern auf, hielt immer Kontakt zur Familie.

1987 wurde die Firma an den Konzern Johnson & Johnson verkauft, später auch die Produktion ins Ausland verlagert. Das Heimatmuseum wird dafür sorgen, dass dieses wichtige Kapitel, dank Alfred Nolden, nicht in Vergessenheit gerät.