111 sehenswerte Orte

Das Siebengebirge als Marke

Siebengebirge. Vor einem Jahr haben Ursula Gilbert und Michael Klein 111 sehenswerte Orte für ein Buch zusammengetragen. Jetzt ziehen sie Bilanz.

Die Gemeinsamkeit zwischen London, Rom oder Paris und dem Siebengebirge springt nicht sofort ins Auge. Dass es sie dennoch gibt, dafür haben im vergangenen Jahr Ursula Gilbert und Michael Klein gesorgt.

Die beiden Bad Honnefer veröffentlichten „111 Orte, die man gesehen haben muss“ – und zwar nicht für eine Metropole in Europa oder irgendwo auf der Welt, sondern für das Siebengebirge. Mittlerweile ist die zweite Auflage ihres 230 Seiten starken Buches erschienen, eine dritte steht in Aussicht. „Das ist schon deutlich mehr als ein Achtungserfolg“, sagt Klein. Und hat dafür direkt eine Erklärung parat: „Das Siebengebirge ist außerhalb der Region deutlich bekannter als wir uns vorgestellt hatten.“

Neulich, erzählt Klein, sei er mit seiner Frau durch das Nachtigallental spaziert, als ihnen ein Pärchen entgegengekommen sei. „Können Sie uns sagen, wie wir zum Bittweg kommen?“, wollten die Wanderer wissen und blätterten dabei in den „111 Orten“. „Da haben Sie ja genau den Richtigen getroffen“, hatte Kleins Frau dem Paar geantwortet und sich das Lachen nicht verkneifen können. Klein half gerne weiter.

Etwas stolz machten ihn diese Begegnungen schon, sagt der Autor. „Aber vor allem freue ich mich, dass die Menschen durch die Tipps animiert werden, unsere Heimat zu besuchen.“ Sie seien eben „Siebengebirgler von Herzen“, sagt auch Gilbert, die wie Klein bereits vor Erscheinen des Buchs als Autorin zu heimatgeschichtlichen Themen aktiv gewesen ist. Ihr ist insbesondere die Frankfurter Buchmesse in Erinnerung geblieben, als sie ihr Werk im vergangenen Jahr zwischen all den Bestsellern liegen sah. „Mittlerweile stehen Exemplare in Buchhandlungen im Allgäu und in Norddeutschland“, sagt sie.

Siebengebirge weckt Kindheitserinnerungen

Bereits kurz nach Erscheinen des Buchs hatte das Autorenduo die ersten Interviews gegeben, etwa beim Dom-Radio in Köln oder bei Radio Erft. Die Moderatoren hätten in den Gesprächen schnell eigene Kindheitserinnerungen zutage gefördert. „Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass fast jeder in seiner Kindheit mal mit seinen Großeltern auf dem Drachenfels war“, erinnert sich Klein. Heute kämen sie dann mit ihren eigenen Kindern hierher.

„Das Siebengebirge und der Drachenfels sind vielen Menschen bekannt und werden positiv wahrgenommen“, lautet das Fazit der beiden. Während viele Königswinter und Bad Honnef nicht direkt zuordnen können, ist das Siebengebirge überregional geläufig. „Das ist eine starke Marke, ein Pfund, mit dem wir hier wuchern sollten – und zwar über Stadtgrenzen hinweg.“ Dabei stellte sich für die Autoren zu Beginn ihrer Recherchen die Frage, welche Gebiete das Siebengebirge eigentlich genau umfasse. „Es gibt da einerseits natürlich geografische Grenzen“, sagt Gilbert. „Aber auch so etwas wie ein emotionales Zugehörigkeitsgefühl.“ Beides haben die Autoren berücksichtigt.

Im Gedächtnis geblieben ist ihnen ein Vortrag im Siebengebirgsmuseum in Königswinter – ein Heimspiel für die Zwei. „Eine junge Frau kam nach der Präsentation zu uns und erzählte, dass sie ihrer Mutter im Altenheim immer einige Passagen aus den 111 Orten vorliest.“ Obwohl sie aufgrund ihres Alters nicht mehr selbst diese Orte besuchen könne, reise sie in Gedanken mit.

Besonders beeindruckt hat Gilbert, selbst Buchhändlerin, eine Begegnung mit zwei jungen Damen in ihrem Geschäft in Bad Honnef. „Die beiden, vielleicht 16 Jahre alt, stehen vor dem Regal, greifen zu unserem Buch und sagen: Wie cool ist das denn.“ Das wiederum fand Gilbert cool.

Jüngst saß sie mit der Leiterin einer Ferienfreizeit für Kinder und Jugendliche zusammen, die sie um Anregungen für das Programm in den Herbstferien gebeten hatte. Auch in diesem Fall haben die Orte im Siebengebirge so einiges zu bieten. „Etwa ein Besuch bei Schuster Schäfer in Selhof, wo der Meister noch heute an alten Maschinen arbeitet“, sagt Gilbert. „Das Siebengebirge hält eben für alle Altersklassen etwas bereit.“

Für die beiden ist die Arbeit längst nicht abgeschlossen. „Das Projekt lebt und geht immer weiter“, sagt Klein. Neues kommt hinzu, anderes entfällt. Jüngstes Beispiel: Die Schließung des Kostümgeschäfts „L'Atelier“ in Rommersdorf. Als „Ersatz“ wird sich an dieser Stelle im Buch in der nächsten Auflage wohl ein Beitrag über die Breiberge finden.

Gilbert und Klein freuen sich über den Erfolg. Und hätten für die Zukunft noch einen besonderen Wunsch. „Einige unserer Bücher in England auf den Markt zu bringen, womöglich sogar in englischer Übersetzung: Das wär's“, sagt Gilbert. Und Klein ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht beleben wir ja sogar die Rheinromantik wieder.“