Betreuung in Bad Honnef

Das Haus Hohenhonnef feiert 40-jähriges Bestehen

Sommerfest vor beeindruckender Kulisse: Auch am Sonntag wird auf Hohenhonnef gefeiert

Sommerfest Hohenhonnef.

BAD HONNEF. Beim Sommerfest am kommenden Sonntag feiert das Haus Hohenhonnef in Bad Honnef sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1979 werden dort Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung betreut.

Das Gebäude im Zuckerbäckerstil auf der Fuchshardt – es war einst der „Zauberberg“ von Bad Honnef, ein Sanatorium für vermögende Patienten aus der ganzen Welt. Das Haus mit eigener Poststelle war im Baedeker und in den Telegrammverzeichnissen rund um den Globus verzeichnet. Diese glänzende Epoche endete vor dem Ersten Weltkrieg. Aber weiterhin wurden Menschen mit Lungenerkrankungen oben auf dem Berg behandelt – in der „Heilstätte Rheinland“, von den Honnefern auch „Hustenburg“ genannt. 1979 startete eine dritte Epoche. Das Stifterehepaar Cornelius und Lucy Helferich erwarb die Immobilie; seither werden hier Menschen mit Beeinträchtigung betreut. Und beim Sommerfest am Sonntag wird das 40-jährige Bestehen von Haus Hohenhonnef gefeiert.

Die ersten zehn Bewohner mit geistiger Behinderung zogen 1979, aus psychiatrischen Großkrankenhäusern kommend, ein. Mario Hundsdörfer vom Sozialen Dienst der Einrichtung: „Es war die Zeit des Umdenkens in der Betreuung psychisch kranker und behinderter Menschen. Eine vom Deutschen Bundestag eingesetzte Kommission zur Psychiatrie-Reform hatte damals Bewegung in das Versorgungssystem für diesen Personenkreis gebracht.“ Kernziele waren nun eine vermehrte ambulante und gemeindenahe Betreuung, die Entstigmatisierung, die Gleichstellung psychisch und somatisch Kranker, die Normalisierung ihrer Wohn- und Betreuungssituation.

Auf Hohenhonnef lebten die Menschen nun in Doppelzimmern. Welch' Unterschied zu den großen Mehrbettzimmern in den psychiatrischen Kliniken. Aber auch für die Mitarbeiter war es Pionierarbeit. Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bewohner wurden geschaffen. Weberei, Schreinerei, Töpferei entstanden, heilpädagogische Angebote. Hundsdörfer: „Das war ein bedeutsamer Schritt zur Strukturierung des Tagesablaufs.“

Bewohner übernehmen Aufträge für Firmen aus Region

Gute Kontakte zu Unternehmen schufen neue Möglichkeiten. Die Bewohner übernahmen Aufträge für Firmen aus der Region. Und sogar BMW-Motorradteile montieren und verpacken sie. Hundsdörfer: „Die Bewohner sind stolz auf ihre Arbeit.“ Auch das weitläufige Außengelände wird in Eigenregie gepflegt. Und: Der alte Handwerkerhof beherbergt nicht nur die Landschaftspflegegruppe, sondern auch die Kunstwerkstatt „Der blaue See“.

Kontinuierlich stieg die Bewohnerzahl bis Mitte der 90er Jahre auf mehr als 150. Damals kam es unter dem Begriff „Dezentralisierung“ zu einem Paradigmenwechsel in der Behindertenarbeit. Hundsdörfer: „Ziel war das Schaffen kleiner, dezentraler Wohneinheiten, die ein selbstbestimmtes Leben sowie die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen sollten.“ Erste kleinere Wohnhäuser wurden im Rhein-Sieg-Kreis eröffnet. Heute bietet die GmbH gemeindenahes Wohnen an zehn Orten.

Aber auch auf Hohenhonnef selbst hat sich viel verändert. Auslöser war nicht zuletzt ein großer Brand im Dezember 1998, der einen Teil des Hauses zerstörte. Eine Sanierung war erforderlich. In mehreren Bauabschnitten wurde in den Folgejahren das Gebäude entkernt; eine knifflige Maßnahme, steht das Haus doch unter Denkmalschutz. Neue Wohneinheiten entstanden, Aufzüge und Pflegebäder wurden eingebaut. Hundsdörfer: „Danach standen den Bewohnern 89 Einzelzimmer in barrierefreien Wohnungen zur Verfügung.“ Das ehemals klinikähnliche Ambiente wich kleineren Wohneinheiten mit eigener Küche und Wohn-Esszimmer. Seit 2001 bietet die Hohenhonnef GmbH auch das ambulant betreute Wohnen an mit heute 200 Menschen – ihren Alltag gestalten sie selbstbestimmt, bei Bedarf gibt es Beratung und Assistenz. Jüngstes „Kind“ der Einrichtung: die „Tagespflege im Siebengebirge“ für bis zu 20 Senioren. Hundsdörfer: „Im Jubiläumsjahr werden über 400 Menschen von weit über 300 Mitarbeitern begleitet. Die Hohenhonnef GmbH ist nicht mehr aus dem sozialen Leben in der Region wegzudenken.“

Bereits von Anfang an stellten sich ehrenamtliche Helfer als Begleiter der Behinderten zur Verfügung, ein Förderkreis wurde gegründet. Auch beim Ehrenamt hat sich viel geändert: Kamen früher etwa Frauen zum wöchentlichen Basteln, so sind es heute Leute mit speziellen Ideen – so gibt es nun auch Fußball und ein inklusives Fußballturnier, das vom Aalkönigskomitee unterstützt wird.