Traditionsgaststätte im Siebengebirge

Das Einkehrhaus Waidmannsruh feiert 90. Geburtstag

Siebengebirge. Es ist Traditionsgaststätte und beliebtes Ausflugslokal: Das Einkehrhäuschen im Siebengebirge feiert mit einem besonderem Programm seinen 90. Geburtstag. Ein Blick auf die Geschichte des verwunschenen Kleinods.

Einen Tag vor der Jubiläumsfeier hat Daniel Grewe alle Hände voll zu tun. Wenn das Waldrestaurant mit dem klingenden Namen Einkehrhaus Waidmannsruh am Samstag und Sonntag seinen 90. Geburtstag feiert, ist der 34-jährige Chef in jeder Hinsicht gefordert. „Das ist aber schöner Stress. Ich freue mich drauf“, sagt der Gastronom.

Man kann das verwunschene Kleinod am Wanderweg zwischen Petersberg und Oelberg mit Fug und Recht als Familienunternehmen bezeichnen. Daniel Grewe und seine Frau Kerstin führen das Haus in vierter Generation. Nur in den ersten drei Jahren hatte das Einkehrhaus einen anderen Besitzer. Emma Bachem, die selbst im heutigen Haus Bachem in Königswinter wohnte, ließ das Gebäude 1927 errichten.

Ihr Mann Anselm Bachem hatte in den Jahren 1896 bis 1898 nur wenige Meter entfernt auf der ehemaligen Burgruine das Hotel Rosenau bauen lassen, das er 1925 an eine christliche Gewerkschaft verkaufte. 1953 brannte das Hotel ab. Heute steht hier das Heinrich-Imbusch-Haus, ein Erholungsheim der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie.

Vater Bernd wohnt noch im Wald

Gleich neben dem Einkehrhaus sollte damals eine 20 Meter hohe Kapelle errichtet werden. Warum der Plan nicht realisiert wurde, ist nicht bekannt. 1930 ging das Einkehrhaus dann an Philipp Krebs – Daniel Grewes Urgroßvater – über, der bis dahin Chauffeur der Bachems war und das Gasthaus bewirtschaftete. 1957 übernahm dessen Sohn Hans-Erich Krebs. Damals hatte das Einkehrhaus noch sechs Fremdenzimmer mit zehn Betten bei Zentralheizung und fließendem Wasser.

1986 überschrieb Hans-Erich Krebs das Haus seiner Tochter Ursula Grewe, die im vergangenen Jahr starb. Anschließend wurden die Fremdenzimmer in Wohnraum umgebaut, sodass die Familie dort wohnen konnte. „Ich bin hier groß geworden“, berichtet Daniel Grewe. Nach dem Tod seiner Mutter lebt jetzt nur noch sein Vater Bernd mitten im Wald. Daniel Grewe wohnt mit seiner Familie in Bad Honnef.

70 Innen- und 120 Außenplätze

Seit dem 1. April 2015 ist er Chef im Einkehrhaus mit seinen 70 Plätzen im Inneren und 120 auf der Terrasse sowie von fünf fest angestellten Mitarbeitern und zehn Aushilfen. Er setzt dort einerseits die Tradition seiner Vorgänger fort, bringt aber auch neue Ideen ein. Bevor er 2012 in den elterlichen Betrieb einstieg, hatte er im Hotel Otto in Thomasberg gelernt und anschließend fünf Jahre als Koch auf dem Petersberg gearbeitet. Dort begegnete er auch seiner Frau und weiteren Kollegen, die ihm heute im Einkehrhaus zur Seite stehen. „Ich habe ein ganz tolles Team um mich herum, mit dem man ganz neue Sachen machen kann“, sagt er. Den Flammkuchen hat er sich bei seinem früheren Arbeitgeber abgeguckt. „Das lief auf dem Petersberg toll.“

Ein besonderes Angebot für die Gäste gibt es auch im Winter. „Da tranchieren wir eine ganze Gans am Tisch.“ Gleichzeitig steht jedoch der Kesselsknall, eine echte Spezialität, weiter auf der Speisekarte. „Da bin ich bei der Mama in die Lehre gegangen. Genauso wie beim Sauerbraten, bei der Erbsensuppe und beim Kuchen“, so der Gastronom. Die Gäste wissen das offensichtlich zu schätzen. „Wir haben in den letzten Jahren stetig wachsende Gästezahlen. Manche Gäste sind uns seit Generationen treu“, sagt er. Wie zum Beispiel die Schlosser-Innung, die jedes Jahr wegen der Erbsensuppe kommt.

Programm am Jubiläumswochenende

Auch das närrische Gen hat er von der Familie übernommen. Seine Vorfahren stellten mehrere Prinzenpaare in Heisterbacherrott. Aber auch in der Großen Königswinterer Karnevalsgesellschaft (GKKG) und im Festkomitee Kölner Karneval haben sie ihre Spuren hinterlassen. Daniel Grewe heiratete seine Kerstin am 11.11.2011 um 11.11 Uhr im Museum des Festkomitees Kölner Karneval. Selbst aktiv ist er bei den Rhöndorfer Ziepches Jecken.

Das spiegelt sich auch im Programm der Jubiläumsfeier an diesem Wochenende wider. Am Samstag, 10 bis 17 Uhr, gibt es Ponyreiten und einen Stand des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge. Am Sonntag, 10 bis 17 Uhr, kommt neben dem Tambourcorps Siebengebirge die Rhöndorfer Weinkönigin Jessica I. zu einer Weinprobe mit Wein vom Weingut Pieper. Mit Tochter Marilena (4) steht die fünfte Generation übrigens bereits schon in den Startlöchern, auch wenn sie sich derzeit eher für Pferde als für den elterlichen Betrieb interessiert.