Interview

Cilly Adenauer: "Der Windpark kommt. Ganz sicher"

Cilly Adenauer ist in Erpel geboren und seit vier Jahren Bürgermeisterin ihres Heimatortes. Mit dem GA ging sie auf die Fähre.

Bad Honnef. Die Sommer-Grippe kam über Nacht. Erpels Bürgermeisterin Cilly Adenauer, 65, schaut etwas angeschlagen drein, doch absagen wollte sie das Interview nicht. Das sei nicht ihre Art, sagt sie. Es ist heiß, 26 Grad, die Linzer Flagge baumelt noch schlaff am Mast der Fähre, die sie Rhein-Nixe nennen und die Erpel mit Remagen verbindet.

Adenauer lehnt sich mit den Unterarmen gelassen an das Geländer. Es ist der Auftakt unserer Sommer-Interview-Serie mit den Bürgermeistern der VG Unkel. Im Gespräch mit Dennis Betzholz spricht sie über den Wind und das liebe Geld.

Darf ich Ihnen einen Witz erzählen?

Cilly Adenauer: Schießen Sie los.

Tina schimpft Rudi: "Du stinkst ja gegen den Wind!" Da erwidert Rudi: "Na klar, ich will ja auch stinkreich werden."

Adenauer (lächelt höflich): Sehr gut. Aber das bringen Sie doch bitte nicht in Verbindung mit unserem Windpark! (lacht jetzt laut)

Sie können über das Thema Windpark ja tatsächlich noch lachen.

Adenauer: Eigentlich ja. Ich sehe das inzwischen gelassen. Solange es nicht unter die Gürtellinie geht.

Erbost greift sie in ihre Handtasche, holt einen Offenen Brief der Bürgerinitiative "Romantischer Rhein" hervor (der GA berichtete darüber) und zitiert daraus.

Schauen Sie hier, da steht, wir würden die Bürger hinters Licht führen. Da wird uns "Manipulation", "Gutsherrenart", "Überheblichkeit" vorgeworfen. Das ist eine Unverschämtheit. Wissen Sie: Ich lese schon gar keine Leserbriefe mehr in der Zeitung.

Sie klingen vergrätzt. Brauchen Sie derzeit viele aufbauende Worte?

Adenauer: Mein Glück ist: Ich kann sehr gut abschalten. Ich lasse mich von der Politik nicht verbiegen. Ich habe meiner Familie immer gesagt: Falls ich mich verändere, tretet mich. Und außerdem bin ich überzeugt, dass der Windpark kommen wird.

Sie sind sich also sicher?

Adenauer: Ganz sicher.

Dieses Selbstbewusstsein wird viele Windparkgegner vor den Kopf stoßen.

Adenauer: Ich möchte so laut sein dürfen wie die Front der Gegner. Es ist doch so: Die schweigende Mehrheit der Verbandsgemeinde Unkel ist für den Windpark. Diese Menschen verlassen sich auf uns. Wir können nicht immer nachgeben. Wir sind eine Hochwasserregion und können daher keine Gewerbegebiete ausweisen. Die Windräder sind die einzige Chance, aus der finanziellen Misere herauszukommen, sie sind damit unsere Pflicht und Schuldigkeit. Unsere Räte sehen das genauso, einstimmig sogar.

Wo Sie die Räte ansprechen: Darf man ehrenamtlich tätigen Ratsmitgliedern zumuten, das Thema Energiewende und Ansiedlung eines Windparks bis ins letzte Detail zu verstehen und die Folgen abzuschätzen?

Adenauer (macht eine längere Denkpause): Nein, das kann man nicht. Wir sind auf den guten Rat der externen Fachleute angewiesen. Natürlich haben wir uns eingearbeitet, aber wenn Sie mir jetzt Detailfragen zum Schattenwurf stellen, werde ich sie Ihnen vermutlich nicht beantworten können.

Ich werde Sie verschonen. Sie waren hingegen die Erste, die offen gesagt hat: Ja, wir in Erpel machen es auch wegen des Geldes.

Adenauer: Anfangs war auch ich erstaunt, dass sich niemand gewagt hat, das offen auszusprechen. Aber warum sollten wir das verschweigen, dass wir damit Geld verdienen?

Weil in einer solchen Diskussion Emotionen besser beim Bürger ankommen als Erträge. Haben Sie denn keine Angst, dass das spätestens bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr zum Wahlkampfthema werden könnte?

Adenauer: Überhaupt nicht. Wir in Erpel sind ja in einer guten Situation: Wir sehen die Windräder nicht, profitieren aber am meisten. Allerdings darf man eins nicht vergessen: Wir haben uns auch schon für den Windpark entschieden, obwohl wir gar nicht berücksichtigt waren. Dass das Gebiet für den Windpark zu uns ausgeweitet werden würde, war überhaupt nicht absehbar. Wir konnten es erst gar nicht fassen.

Ich höre daraus, dass Sie wieder kandidieren werden.

Adenauer: Ja, das werde ich. Ich möchte unbedingt die Früchte meiner Arbeit mit dem Windpark ernten.

Dieser Satz dürfte die Windkraftgegner erneut gegen Sie aufbringen.

Adenauer: Sie haben recht. Dann formulieren wir es lieber anders: Ich möchte den Windpark zu Ende bringen.

Verzeihen Sie mir bitte die Anspielung: Aber mit der Bürgermeisterin aus Erpel muss man über Enten reden. Sie sind 65, Dagobert Duck 66. Würden Sie gern mal über so viel Geld verfügen wie er?

Adenauer: Ach, wissen Sie: Wer über so viel Geld verfügt, erweckt Begehrlichkeiten. Bei uns in Erpel kommen die erst gar nicht auf. Wir sind arm, ja. Der Rat weiß das und handelt auch so. Für mich ist das eine besondere Herausforderung. Und doch ist es oft bitter, wenn Kredite nicht genehmigt werden, die wir dringend benötigen würden.

Was würden Sie kaufen, wenn der Geldspeicher in Erpel voll wäre?

Adenauer: Die energetische Sanierung der Grundschule hätte oberste Priorität. Da liegt einiges im Argen. Auch die Erpeler Brückentürme wären nicht mehr das Problem, das sie derzeit noch sind.

Wenn die Leute in 20 Jahren über Cilly Adenauer sprechen, was werden sie wohl sagen?

Adenauer: Sie erwarten doch wohl nicht, dass ich Ihnen darauf eine Antwort gebe. Das müssen andere beurteilen.

Ihr Name wird doch ewig mit dem Windpark verknüpft werden.

Adenauer: Wenn das so sein sollte, wäre ich glücklich: Schließlich wäre das der Beleg, dass wir es geschafft haben.

Die Fähre hat nun bereits zum vierten Mal den Rhein überquert. Wir sind wieder auf der Erpeler Seite. Zeit für die letzte Frage: Wer, glauben Sie, nervt mehr - die Panzerknacker Dagobert Duck oder die Windkraftgegner Sie?

Adenauer (lacht): Sagen wir so: Wenn die Panzerknacker das Geld später in Erpel abliefern würden, wäre ich ihnen sehr wohlgesinnt.