Selhofer fühlen sich abgeschnitten

Buslinie 566 fährt Ortsmitte nicht mehr an

Selhof. Krisenstimmung beim Sozialverband VdK Bad Honnef: Die Verantwortlichen des 504 Mitglieder zählenden Ortsverbandes kritisieren die geänderte Linienführung der Buslinie 566 in Selhof, die gerade ältere Menschen vor Probleme stelle.

Mehrere Haltestellen sind in Selhof während Bauarbeiten an der Schulstraße weggefallen. Und obwohl die Arbeiten längst abgeschlossen sind, wurde der alte Zustand bislang nicht wieder hergestellt. Das zweite Thema, das zurzeit auf die Stimmung im VdK drückt: Mit der Schließung des Café Jansen an der oberen Hauptstraße in Bad Honnef ist ein wichtiger Veranstaltungsort verloren gegangen.

Beides waren beherrschende Gesprächsthemen beim jüngsten Stammtisch, zu dem die Mitglieder im Brunnencafé in der Fußgängerzone zusammengekommen waren. „Wir sind heimatlos geworden“, bringt es Vorsitzende Lieselotte Zastrow auf den Punkt. Zehn Jahre lang waren die VdK-Mitglieder einmal im Monat im Café Jansen zu Gast. Ende September standen sie von Jetzt auf Gleich vor verschlossenen Türen.

Ende August war vor dem Bonner Amtsgericht das Insolvenzverfahren für die Siegburger Konditorei Fassbender eingeleitet worden, zu der auch das Café Jansen gehört. Während es damals geheißen hatte, Betriebsstätten wie jene in Bad Honnef würden dennoch weitergeführt, war nur einen Monat darauf auch im Honnefer Café Schluss – „und das, ohne dass es auch nur ein Wort der Vorinformation gegeben hätte“, so Zastrow.

Anliegen ist es, die Menschen zusammenzubringen

Ein Verlust ist dies auch für den VdK. „Wir benötigen Räume, in denen eine kleine Bewirtung möglich ist, die aber auch Referentenauftritte und andere Veranstaltungen wie Diavorträge ermöglichen“, sagt Zastrow. Besonderes Anliegen des VdK sei es, die Menschen zusammenzubringen, „Vereinsamung“ zu verhindern. Zastrow: „Das ist unsere Verpflichtung gegenüber unseren Mitgliedern. Wir hoffen, dass sich Räume finden, in denen wir unsere Verpflichtung wie bisher erfüllen können.“

Besonders drängend ist jedoch das Thema Mobilität für Zastrow sowie ihre Vorstandskollegen, Schriftführer Manfred Sesterhenn, Vize-Schriftführerin Angelika Heise und Kassiererin Margret Samland. Durch die Änderung der Linienführung der Buslinie 566, die zwischen Rhöndorf im Norden und dem Drieschweg im Süden verkehrt, ist Selhof-Mitte quasi abgeschnitten. Notwendig geworden war die andere Strecke der Linienbusse durch den Kanalbau in der Schulstraße.

Da die 566 dort gut ein Jahr lang nicht entlangfahren konnte, wurden die Haltestellen Brückenstraße, Kapelle Selhof und Schulstraße ausgespart beziehungsweise alle Haltepunkte an der Kirche Selhof zusammengelegt. Doch obwohl die Bauarbeiten in der Schulstraße mittlerweile beendet sind und damit die Ursache für die Umleitung wegfällt, hat die Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) die Linienführung noch nicht wieder in den Urzustand zurückversetzt.

Verschlechterung der Mobilität

„Vor allem für ältere Menschen ist das ein unhaltbarer Zustand“, kritisiert Zastrow. „Uns ist bewusst, dass die großen Busse Probleme in den engen Selhofer Straßen haben. Wir haben deshalb schon vor Jahren angeregt, auf kleinere Busse zurückzugreifen. Die wären dann auch besser ausgelastet“, ergänzt Heise. Passiert sei aber nichts. Die VdK-Verantwortlichen befürchten nun, dass quasi durch die Hintertür eine für die RSVG einfachere Lösung zum Dauerzustand werden soll.

Zastrow: „Die Bürger sind besorgt. Da fragen wir uns schon, wo unsere Stadtverordneten sind in dieser Situation.“ Die Buslinie 566 sei in der Vergangenheit ohnehin „gekürzt“ worden, da die Endhaltestelle nicht mehr angefahren werde. Auch das sei eine Verschlechterung der Mobilität der Bürger gewesen. Zwar fährt – zurzeit mit Änderungen wegen der Baustelle Linzer Straße – die Buslinie 565 zur Stadtbahn, allerdings ebenfalls nicht ab Selhof-Mitte.

Einfach hinnehmen will der VdK das nicht. Der Ortsverband plant, Unterschriften zu sammeln. Für eine Wiederaufnahme der alten Linienführung setzt sich derweil auch die Stadt ein. „Nach Beendigung der Baumaßnahme hatte die Stadt Bad Honnef den Rhein-Sieg-Kreis schriftlich gebeten, die alte Streckenführung durch Selhof zum nächstmöglichen Zeitpunkt, jedoch spätestens zum kommenden Fahrplanwechsel im Dezember wieder zu aktivieren“, hieß es dazu aus dem Rathaus auf GA-Nachfrage.

Eine Sprecherin des Rhein-Sieg-Kreises teilte dem GA lediglich mit, im November werde ein gemeinsamer Termin von Stadt, Kreis und RSVG stattfinden, um das Thema zu erörtern. So lange mindestens müssen die Selhofer also noch auf eine Antwort auf ihre drängende Frage warten.