Drei Bad Honnefer als Autoren

Buch berichtet über historischen Erzbergbau im Siebengebirge

Siebengebirge. Die NRW-Stiftung fördert ein Buchprojekt über den historischen Erzbergbau im Siebengebirge. Rund 17 Jahre haben die drei Bad Honnefer Klemens Dormagen, Christian Kieß und Jörg Rieche über ein bis dahin nur in Teilen erforschtes Kapitel getüftelt.

Freie Wochenenden gab es in den vergangenen 17 Jahren für Klemens Dormagen und Christian Kieß nur selten. Zumindest in der „blattlosen Zeit“, wie Heimatkundler Kieß die Wochen zwischen Ende November und Mitte März auch bezeichnet.

Die beiden Bad Honnefer, zu denen etwas später noch der Geologe Jörg Rieche stieß, haben in aufwendiger Recherche über die Geschichte des Erzbergbaus im Siebengebirge geforscht, Hügel, Mulden und Senken untersucht, Überreste aufgespürt und umfangreich dokumentiert. Das Ergebnis wird ab Herbst in einem rund 350 Seiten starken Buch nachzulesen sein, dessen Finanzierung seit Donnerstag gesichert ist.

Albert Plümer vom Förderverein der NRW-Stiftung überreichte Peter Krämer, Vorsitzender des Heimatvereins Siebengebirge, im Foyer des Siebengebirgsmuseums einen Druckkostenzuschuss in Höhe von 5000 Euro für das insgesamt 15.000 Euro teure Projekt. „Damit ist die Finanzierungslücke geschlossen und wir können den Druckauftrag vergeben“, sagte Krämer.

Blütezeit des Erzbergbaus im 19. Jahrhundert

Der Heimatverein habe als ein Ziel in seiner Satzung stehen, Erkenntnisse über das Siebengebirge zu veröffentlichen. „Das Konzept für dieses Buch liegt seit rund zwei Jahren vor“, so Krämer. „Und ohne den Zuschuss wären die höchst interessanten Ergebnisse vielleicht in irgendeiner Schublade verschwunden.“

Um das Jahr 1800 begann der Erzbergbau im Siebengebirge, erlebte eine rund drei Jahrzehnte dauernde Blütezeit, bevor er schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder aufgegeben wurde. Zeitweise lebten bis zu 900 Arbeitskräfte direkt vom Erzabbau. „Insgesamt hatten 145 Erzgruben im Siebengebirge eine Betriebsgenehmigung“, sagt Kieß. „Was aber nicht heißt, dass in allen auch tatsächlich Erze abgebaut wurden.“ Tatsächlich gefunden haben die drei Bad Honnefer 144 Gruben. „Die letzte muss irgendwo im Menzenberger Tal liegen“, so Kieß. „Aber wo genau, lässt sich heute nicht mehr ausmachen.“

Bei einer Wanderung durch das Schmelztal sei bei Dormagen und Kieß 2001 die Idee entstanden, sich intensiver mit der Historie dieses bis dahin nur in Teilen erforschten Kapitels zu beschäftigen. „Jeder, der hier im Siebengebirge aufgewachsen ist, kennt die Ofenkaulen“, sagt Dormagen. „Und wenn einmal das Interesse an den alten Gruben und Schächten erwacht ist, ist der Sprung zu den Erzgruben nicht mehr weit.“

„Häufig weisen heute nur noch Vertiefungen im Gelände auf die ehemaligen Gruben hin“, sagt Rieche. Ein typisches Beispiel seien etwa die wogenförmigen Felder bei Vinxel. Heute gebe es nur noch drei – mehr oder minder – begehbare Stollen, allesamt im Bergbereich des Siebengebirges, wo auch die meisten Gruben zu finden waren, darunter in Bennerscheid, Brüngsberg oder auch im Schmelztal.

Intensiv recherchiert haben die Bad Honnefer aber nicht nur vor Ort, sondern auch in zahlreichen Archiven. „Die Ergebnisse, die wir in dem Buch veröffentlichen, sprechen nicht nur diejenigen an, die sich für den Bergbau interessieren“, sagt Rieche. „Sondern etwa auch Heimatkundler, Geologen oder Umweltschützer.“

Hinweis auf die eigenen Vorfahren

Oder auch Familienforscher. „Wir haben nicht nur die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit untersucht, sondern auch alle Namen der Menschen, die damals in den Gruben beschäftigt waren, in dem Buch aufgeführt“, sagt Kieß. „Vielleicht wird da der ein oder andere einen Hinweis auf seine Vorfahren finden. Wir haben ein ziemlich breites Feld beackert.“ Von den Recherchen der drei Bad Honnefer könnte demnächst auch das Land NRW profitieren: Dort ist geplant, kritische Stollen und Schächte in einem Kataster zu erfassen.

Rund 1.100 Bilder und Grafiken wird das Buch, das voraussichtlich im September/Oktober in einer Auflage von 800 Exemplaren im Königswinterer Lempertz-Verlag erscheint, beinhalten. Neue Projekte hat das Trio erst einmal nicht geplant. „17 Jahre auf den Spuren des Erzabbaus – das müsste fürs Erste reichen“, sagt Dormagen mit einem Augenzwinkern.