Kleinkunstprojekt "hautnah"

Bis die Lachtränen fließen

Im Gewölbekeller der KG brachten Rainer Moll und Albert Klein die Gäste zum Weinen - vor Lachen.

BAD HONNEF. "Ist einer hier, der kein Kölsch kann?", fragt Albert Klein in die Runde. Zwei Hände schnellen in die Höhe. "Zwei Mann?", meint das kölsche Urgestein. "Das tut mir leid, aber auf tragische Einzelschicksale kann ich keine Rücksicht nehmen."

Als "rheinische Comedy-Lesung für trinkfeste Zuschauer ab 18 Jahren" war der Abend angekündigt worden, und treffender hätte man den Abend im Gewölbekeller der KG Löstige Geselle nicht beschreiben können. Nicht bloß der Sprache, sondern auch des Humors wegen: Mit spitzer Zunge legten Albert Klein und Rainer Moll einen wenig salonfähigen und alles andere als jugendfreien Galopp durch die Zweideutigkeiten des Alltags hin - und es war ein Fest.

Die beiden kölschen Kneipendichter warfen geradezu um sich mit politisch inkorrekten Pointen, derben Wortspielen und schwarzhumorigen Anekdoten. Schließlich ging es gerade darum, abseits des Massengeschmacks die humoristischen Schmerzgrenzen auszuloten. Die knapp 60 Besucher hatten jedenfalls einen Heidenspaß.

Die beiden Komiker, die das Prädikat "niedrigstes Stammtischniveau" als ein großes Kompliment betrachten, entpuppten sich sogar als engagierte Klimaschützer: Das Ozonloch sei besonders über FKK-Stränden ein ernstzunehmendes Problem - "dort fällt es besonders ins Gewicht, denn da verbrennen Teile, nicht nur das Gesicht." Lachtränen flossen reichlich; von den wirklich derben Witzen - von den haarsträubenden Erlebnisberichten personifizierter Körperteile bis hin zu Verfallserscheinungen im Alter - ganz zu schweigen.

Beinahe überraschend wirkten da die Verschnaufpausen, in denen sich Klein und Moll geradezu nachdenklich und tiefsinnig zeigten. Kleins sehr persönliches Gedicht über seine Patentochter mit Down-Syndrom etwa verlieh dem Abend Herzenswärme und bewies, dass hinter all den derben Sprüchen ein freundlicher, charmanter Kern steckt. Ein ordentlicher Schuss Selbstironie, wenn die beiden ihre eigenen Versprecher aufs Korn nahmen oder spontan kleine Anekdoten in ihren Vortrag woben, lockerte das Programm ferner auf.

"Es ist definitiv eine sehr eigenwillige Veranstaltung, die nicht für jeden ist, aber genau das ist der Sinn dahinter", erklärte Co-Organisator Rainer Hombücher. "Es soll etwas sein, was es hier in dieser Form noch nicht gibt." Die Lesung war der Auftakt zum neuen Honnefer Kleinkunstprojekt "hautnah". Was der Stadt fehle, sei eine Bühne für weniger bekannte Künstler, die im kleinen Rahmen ungezwungen ihrem Talent nachgehen können. so Hombücher.

Der Gewölbekeller der KG biete das perfekte Ambiente, meinte Marion Kock, Vorsitzende der Löstige Geselle. Sie war sehr zufrieden: Das Hauptquartier der Karnevalisten war ausverkauft. Es sei ihr eine Freude, der Kleinkunst ein Zuhause zu geben: "Das ist gut für uns und gut für die Künstler. Gerade die gemütliche Atmosphäre könnte ein Erfolgsrezept werden."