Die Honnefer Zeit-Tauschbörse startet mit 20 Mitgliedern

Biete Bügelhilfe, brauche Hundesitter

Unbeliebte Tätigkeit: Wer nicht gern bügelt, kann bei der Tauschbörse Hilfe finden.

Unbeliebte Tätigkeit: Wer nicht gern bügelt, kann bei der Tauschbörse Hilfe finden.

BAD HONNEF. Mine Merz nahm vom ersten Informationsabend der Zeit-Tauschbörse Bad Honnef einen Aufnahmeantrag mit. "Wahrscheinlich melde ich mich an", sagte die junge Frau. "Mich reizt der Gedanke der Nachbarschaftshilfe. Es geht mir um den menschlichen Kontakt. Das Ungezwungene finde ich gut."

Mine Merz ist im Marketing tätig. "Ich habe gleitende Arbeitszeit und kann mir meinen Tag gut einteilen." Die Hobbyschneiderin könnte sich vorstellen, anderen vorzulesen, Briefe aufzusetzen, Formulare auszufüllen oder Hemden zu bügeln. Im Gegenzug würde sie gern jemanden beauftragen, mit ihrer Hündin Gassi zu gehen oder sie zu füttern, wenn sie auf Dienstreise ist.

"Ich bin begeistert von der Resonanz. Vor sechs Wochen sind wir erstmals mit unserem Vorhaben in die Öffentlichkeit gegangen. Bis jetzt können wir 20 Teilnehmer verzeichnen. Wir hoffen, bis Ende des Jahres 40 Mitglieder zu haben. Je mehr mitmachen, umso lebendiger wird die Tauschbörse", sagte Elke Mißner, die mit ihrem Mann Rüdiger und Brigitte Hantelmann die Idee zur Gründung einer Zeit-Tauschbörse hatte und sie unter dem Dach von "Hauptsache Familie - Bündnis für Bad Honnef" organisiert.

Hermann Hinsenkamp, der stellvertretende Vorsitzende von Bündnis Familie, sagte: "Die Zeit-Tauschbörse ist auch ein Generationenprojekt. Wir freuen uns, wenn wir auch Schüler und Studenten hinzubekommen."

Die ersten Erfahrungen: "Sehr viele Menschen sind bereit, Hilfe anzubieten. Die Nachfrage ist noch etwas dürftig. Bitte, fragen Sie nach", appellierte Rüdiger Mißner an die Mitglieder und Interessenten, die sich erstmals zu einer Zusammenkunft im "Bunten Haus" einfanden. Künftig will man sich alle zwei Monate zum Erfahrungsaustausch treffen.

Mißner selbst hatte gerade erste Punkte gesammelt - er brachte eine Verkleidung an einem Balkon an. Er stellte aber auch klar: "Es geht nicht darum, einem Handwerker den Job wegzunehmen. Mal eine Birne in die Lampe schrauben - ja, aber nicht die Leitung legen."

Der Angebotskatalog ist schon recht bunt: Die Honnefer Mitglieder der Tauschbörse, die sich in der Runde vorstellten, offerieren zum Beispiel Unterstützung im Garten oder auch Anleitung beim Fremdsprachenlernen bis hin zu Kiswahili. Für eine halbe Stunde geleisteter Hilfe schreibt das Organisationsteam einen Punkt gut.

Über das Ehepaar Mißner und Brigitte Hantelmann läuft auch die Vermittlung dieser Nachbarschaftshilfe; sie erfragen bei einem geeigneten Helfer Bereitschaft und Verfügbarkeit.

"Es besteht kein Zwang zur Hilfe. Wem es gerade nicht passt, kann man das ohne Begründung frei äußern", erläuterte Brigitte Hantelmann. "Jeder kann auch ins Punkteminus gehen", sagte Elke Mißner. Sie scherzte: "Bei minus 200 würde ich mal anrufen." Ihr Mann Rüdiger dankte den Königswinterern, die den Honnefer Neugründern ein PC-Programm zur Erfassung der Mitglieder und Angebote zur Verfügung stellten.

Auch Hans Bücking möchte sich nach diesem Treffen anmelden. "Ich tue das mit frohen Erwartungen. Es wird eine Resonanz geben - und ich wüsste auch, wie man mir helfen kann." Briefe schreiben, Behördengänge, Fahrdienste, Vorlesen, Babysitten, das alles hat er im Portfolio. "Aber ich bin nicht gut im Garten. Vielleicht erhalte ich tatkräftige Unterstützung."

Anke Ballhausen ist bereits Börsen-Mitglied. Sie arbeitet im Seniorenheim und würde gern mit älteren Menschen ins Museum gehen oder für sie einkaufen. Im Gegenzug würde sie gern Hilfe bei Problemen mit dem Computer in Anspruch nehmen. "Mir geht es um den Kontakt zu Menschen." Auch Peter Oessling aus Rhöndorf ist "Zeit-Börsianer". Der frühere Bankvorstand bietet Finanz- und Weinberatung gegen Punkte. Umgekehrt erhofft er sich Hilfe in EDV-Fragen.

Wer für die Teilnehmer des Treffens Kuchen gebacken oder kleine Brote zubereitet hatte, bekam auch Punkte gutgeschrieben. Jedes neue Mitglied startet übrigens mit einem Punktepolster: Fünf Zähler gibt es als Guthaben zum Einstieg.

Zum Erfahrungsaustausch treffen sich die Mitwirkenden der Zeit-Tauschbörse wieder am Donnerstag, 25. Juni. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet auf www.familie-bad-honnef.de, per E-Mail an zeittausch@familie-bad-honnef.de sowie telefonisch unter 0 22 24/98 09 12 (Familie Mißner) oder 01 70/2 40 44 31 (Brigitte Hantelmann).