Gigi Louisoder im Gutenberghaus

Beziehungskrisen und bedauerliche Todesfälle

"Wahnsinnig viel Fantasie": In den Geschichten von Gigi Louiseder geht es ganz schön mörderisch zu. Links Sologitarristin Katrin Simon.

"Wahnsinnig viel Fantasie": In den Geschichten von Gigi Louisoder geht es ganz schön mörderisch zu. Links Sologitarristin Katrin Simon.

BAD HONNEF. Warme südamerikanische Gitarrenklänge ließen den Zuhörer abschweifen, weckten in seinem Kopf Erinnerungen an den letzten Sommerurlaub, den Strand, das Meer, die Lebensfreude. Gitarrensolistin Katrin Simon nahm die Gäste während der Autorenlesung von Gigi Louisoder mit auf eine musikalische Reise in wärmere Gefilde.

Dann Stille und der kalte Bruch: "Waschtag" hieß die erste mörderische Kurzgeschichte des Abends. Sie erzählt von einem Mann mit einem Problem: seiner eigenen Frau. Mit seiner Schokoladenvorräte plündernden und quizshowsüchtigen Gattin vermag er nur für kurze Zeit einen Raum zu teilen, schließlich gerät er bei ihrer reinen Anwesenheit bereits psychisch bedingt in Atemnot.

Sie muss weg. Sein scheinbar perfekter Plan: Im Kellertreppengang eine durchsichtige Leine spannen, über die die Frau in den Tod stürzen soll. Er bereitet alles vor und lässt die Frau in Richtung Keller gehen. Nachdem er keinerlei Schreie gehört hat, kontrolliert er sein Werk - und wird selbst zum Opfer.

Seine Frau stößt ihn heimtückisch die Kellertreppe hinunter. "Es gibt doch für jedes Problem eine Lösung", resümiert die Mörderin zynisch. Louisoder überrascht und begeistert mit ihren Figuren, die ohne detailreiche Beschreibungen des äußeren Erscheinungsbilds auskommen und dem Zuhörer dennoch auf Grundlage bestimmter Charakterzüge eine genaue Vorstellung der Figuren ermöglichen.

Die gelesenen Kurzgeschichten stammen aus ihrem Buch "Gigis Krimis und Schattenseiten" und handeln von Beziehungskrisen zwischen Mann und Frau und einem eintretenden Todesfall. Wie in der Geschichte von Edda und Ralf: Nach einem für die Geliebte ihres Mannes tödlich endenden Liebesspielversuch während einer Autofahrt hilft Ehefrau Edda ihrem Mann Ralf zunächst, den Totschlag an der Geliebten zu vertuschen. Sie wandern beide in die Karibik aus mit dem Wunsch, einen Neuanfang zu starten. Als Edda ihren Gatten allerdings auf der Zuckerrohrinsel erneut in flagranti erwischt, sendet sie auf Ermittlungsnachfrage der deutschen Polizei Beweismaterial per Post zu, sodass Ralf für den Totschlag doch noch überführt werden kann. "Ich habe mich wie immer gewissenhaft um deine Post gekümmert", sagt Edda nüchtern.

Louisoders durchaus skurrile, charmant erzählte Kurzgeschichten sind allerdings keinerlei Reaktion auf eigene Erfahrungen mit Männern: "Ich habe wahnsinnig viel Fantasie. Die meisten Ideen bekomme ich, wenn ich mit dem Hund Gassi gehe." Aktuelle Themen wie die herrschende Wespenplage greift sie in ihren Werken mit auf. Da tötet beispielsweise Friedbert aus reiner "Notwehr" aufgrund "unterlassener Liebe" seine raffgierige Frau und Allergikerin mit dem Stich einer Wespe, die er in eine präparierte Getränkedose einschließt. Louisoders Erfolgsgeheimnis ist der raffiniert geplante Mord.

Das reine Abschlachten wie in Horrorfilmen interessiere sie nicht. "Mir hat mal eine Zuhörerin bei einer Lesung gesagt: 'Sie hätten mir mal besser 30 Jahre vorher erzählt, welche Mordmethoden es alle so gibt'", lachte die gebürtige Bayerin.

Das Programm "Lebensfreude und Schattenseiten" im Gutenberghaus erfüllte das, was es versprach: Louisoders bitterböse, humorvoll erzählte Kurzgeschichten, gepaart mit Simons lebensfrohen Gitarrensoli, bereiteten literarischen und musikalischen Genießern einen erfüllten Abend.