Projekt

Bereits drei Patengroßeltern in Bad Honnef vermittelt

Auf dem Spielplatz: Die Patengroßeltern und ihre "Enkel" genießen die gemeinsame Zeit.

BAD HONNEF. Alina und Yannick haben es gut, Oma und Opa wohnen nur einen Katzensprung entfernt. Es sind zwar nicht die "echten", oder besser gesagt die leiblichen Großeltern. Aber was macht das schon. Hauptsache jemand, mit dem man an langweiligen Regennachmittagen basteln kann, der Geschichten vorliest oder mit auf den Spielplatz geht.

Jemand, der für kleine Nöte und Sorgen ein offenes Ohr hat und nicht nur eine "Betreuungsmaßnahme" für zwei Stunden am Nachmittag ist. Mutter Ute Pastors jedenfalls ist ebenfalls heilfroh, mit Helga und Henning Spohr liebevolle Patengroßeltern für ihre sieben Jahre alten Zwillinge gefunden zu haben.

Zusammengefunden haben beide vor eineinhalb Jahren über das Patengroßeltern-Projekt der Freiwilligen Agentur im Diakonischen Werk an Rhein und Sieg in Kooperation mit der Initiative "Hauptsache Familie - Bündnis für Bad Honnef". Drei Patengroßeltern sind in Bad Honnef bereits vermittelt worden, sechs weitere Familien suchen dringend Paten-omas und -opas für ihren Nachwuchs.

Im Rhein-Sieg-Kreis sind seit Projektbeginn 2005 bereits 20 erfolgreiche Vermittlungen durchgeführt worden, 28 Familien stehen auf der Warteliste. "Meine Eltern wohnen in Hamburg, meine Schwiegereltern sind leider schon verstorben", berichtet Pastors. "Es war mir wichtig, den Kindern einen Bezug zur älteren Generation zu ermöglichen, was sie ja sonst nicht haben." Natürlich ist sie auch froh, durch die Paten eine gewisse Entlastung zu haben.

"Wenn etwas ist, rufe ich an und frage, ob sie Zeit haben." Als die Zwillinge noch den Kindergarten besuchten, war dies regelmäßig mittwochs der Fall. Seitdem die beiden in der Schule sind, ist die Zeit für Besuche knapper geworden. "Wir versuchen aber, alle ein bis zwei Monate einen Termin auszumachen, und dann auch mal gemeinsam etwas zu unternehmen und Spaß zu haben."

Für die Spohrs ist die Zeit mit den Zwillingen ein schönes Erlebnis. "Wir haben leider keine Enkel. Uns ist es aber wichtig, dennoch Kontakt zu der jüngeren Generation zu haben." Als ihr Mann, selbst Mitarbeiter der Freiwilligen-Agentur, sie auf das Patengroßeltern-Projekt aufmerksam machte, war Helga Spohr gleich angetan.

"Es macht richtig Spaß, mal wieder Laternen zu basteln oder mit den Kindern Mensch ärgere dich nicht zu spielen." Als Patenoma hat sie miterlebt, wie die Zwillinge Schwimmen gelernt haben, sie feiert mit ihnen Geburtstag oder unternimmt Ausflüge. Dass Alina und Yannick nicht Oma und Opa sagen, sondern sie beim Vornamen nennen, trübt die Freude nicht. "Das war auch nicht gewollt. Sie haben ja richtige Großeltern."

"Wichtig ist es, vorher zu klären, welche Erwartungen beide Seiten haben", sagt Pastors. In ihrem Fall sind sich Eltern und Patengroßeltern stets einig. Beide Seiten wünschen einen lockeren Kontakt. "Ich merke, den Kindern gefällt es, und sie kommen gut mit den Spohrs klar." Andererseits stimmt es auch zwischen den Erwachsenen.

Damit es nicht zu Missverständnissen und falschen Erwartungen kommt, gibt es für Interessenten einen Fragebogen, den beide Seiten ausfüllen müssen. "Ich mache auch Besuche bei den Familien und Patengroßeltern und schaue, ob beide zusammen passen könnten", sagt Hermann Hinsenkamp vom Familienbündnis. Sind sich alle einig, findet ein erstes Treffen statt, später gibt es dann einen entsprechende schriftliche Vereinbarung.

"Wichtig ist, dass die Kinderbetreuung grundsätzlich sichergestellt ist", betont Martina Boeren von der Freiwilligen-Agentur des Kreises. Patengroßeltern sollen also kein günstiger Ersatz für einen Babysitter oder eine Tagesmutter sein. Vielmehr sollen beide Seiten profitieren. "Die Familien geben ja auch einen Teil von sich ab, beziehungsweise lassen eine fremde Person in ihre Leben hinein." Falls es doch Probleme gibt, stehen die Agentur wie auch das Bündnis für Familie mit Rat und Tat zur Seite.

Das Patengroßeltern-Projekt
Von den Großeltern wird die Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses verlangt. Sie werden automatisch ehrenamtliche Mitarbeiter der Freiwilligen-Agentur und als solche über das Diakonische Werk Unfall- und Haftpflichtversichert. Die Familien müssen über eine Privathaftpflichtversicherung verfügen.

Weitere Infos bei "Hauptsache Familie - Bündnis für Bad Honnef" unter der Rufnummer 02224/9011306 oder bei der Freiwilligen-Agentur des Rhein-Sieg-Kreises, unter der Rufnummer 02241/1462871 (9 bis 13 Uhr). Die Freiwilligen-Agentur Bad Honnef bietet donnerstags von 10.30 bis 12 Uhr eine Sprechstunde im Rathaus, Zimmer 002, an. Informationen auch im Internet: www.familie-bad-honnef.de oder www.freiwilligen-agentur.com.