Neue Anlage für Puma-Hospital

Bad Honnefer montieren Solaranlage in Tansania

BAD HONNEF. Der Verein Interplast, der ehrenamtlich plastisch-chirurgische Operationen in Entwicklungsländern durchführt, hat eine neue Solaranlage für das Puma-Hospital in Tansania organisiert. Die Montage hat eine Firma aus Bad Honnef übernommen.

Unterm Dach wurde operiert, auf dem Dach montiert. Ihren jüngsten Einsatz in der Missionsstation Puma werden Michael Schidelko und seine Frau Regina wohl kaum vergessen. Während die beiden Mediziner, die seit nahezu drei Jahrzehnten für Interplast unentgeltlich in Entwicklungsländern arbeiten, mit einheimischen Ärzten in zwei Wochen 70 Operationen durchführten, brachte ein Elektriker-Team Solar-Paneelen auf den Gebäuden des Puma-Krankenhauses an.

„Die montierten Paneele liefern jetzt so viel Strom, dass das gesamte Krankenhaus mit seinen Funktionsabteilungen – OP, Kreißsaal, Röntgenabteilung, Sterilisation und Wäscherei – versorgt ist“, berichtet Michael Schidelko, der mit großem persönlichen Einsatz und zusammen mit seiner Interplast-Sektion Siebengebirge die Entwicklung des Puma-Krankenhauses vorantrieb.

Die autarke, zuverlässige Stromversorgung stellt einen Meilenstein in dessen Entwicklung dar. Das Wichtigste: „Nun haben wir keine Stromausfälle mehr.“ Dadurch war es in der Vergangenheit bereits zu dramatischen Vorfällen gekommen. Umweltschutz und Geldersparnis kommen hinzu. Schidelko: „Sonne gibt es dort bekanntlich genug. Der Solarstrom ist umsonst, der Generatortreibstoff Diesel teuer.“

Gesamtkosten liegen bei 80.000 Euro

Der Chirurg: „Vor einem Jahr erhielten wir die Zusage des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Erweiterung der Solaranlage am Krankenhaus Puma.“ Das BMZ übernimmt 75 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 80.000 Euro, für den Rest kommt Interplast auf. Zunächst gab es die Idee, Afrikaner mit dem Projekt zu betrauen.

„Aber auf die vom BMZ geforderte Ausschreibung meldete sich in Tansania kein einziges Unternehmen. So bekam nach einer weiteren Ausschreibung in Deutschland eine Bad Honnefer Firma den Zuschlag. Sie machte die Planung und besorgte alle erforderlichen Teile zur Montage der 140 Solarpaneele und der Technik.“ Elektroinstallateurmeister Thomas Jäger, der bereits in der Vergangenheit etliche Male ehrenamtlich in Puma wirkte, erledigte das.

Die Anlieferung der Materialien zum Bonner Hafen dauerte bis April dieses Jahres, dann wurde der Container für seine Reise nach Ostafrika verschifft. Langwierig gestalteten sich die Verhandlungen mit Zoll und Steuerbehörden. In der ersten Septemberwoche erreichte die Fracht endlich die Missionsstation.

In der Zwischenzeit trafen sich Jäger, Schidelko und ein Team der Organisation Elektriker ohne Grenzen (EoG) regelmäßig zu Skype-Konferenzen, um alle Details zu besprechen – vom Schalt- und Montageplan bis zum Impf- und Flugplan. Noch am Ankunftstag der Mediziner-Elektriker-Mannschaft wurde der Inhalt des Containers mit einem vorsintflutlichen landwirtschaftlichen Gespann zum Hospital transportiert. Dort montierten die EoG-Elektriker mit umsichtiger Hilfe einheimischer Mitarbeiter die Schienen für die Paneele auf die verschiedenen Dächer. Gar nicht so einfach bei den leichten Wellblechdächern. Immer wieder musste wegen verschiedener Überraschungen improvisiert werden.

Kiste mit Befestigungsschrauben fehlte

Aber: „Täglich wuchsen neue Paneele auf den Dachflächen, für die Techniker eine höchst schweißtreibende Arbeit, den ganzen Tag der Tropensonne auf den heißen Blechdächern ausgesetzt zu sein.“ Auch die Converter wurden montiert; dazu war vorab mit Geldern des Lions-Clubs Siebengebirge ein eigenes Technikhaus errichtet worden. Eine Kiste mit Befestigungsschrauben war wohl im Hafen abhanden gekommen, so dass die letzten Paneele noch nicht montiert werden konnten. Im November erhalten auch die anderen Bereiche der Mission Anschluss ans Solarstromnetz.

Michael Schidelko, der Anfang 2019 zunächst zum neuen Projekt nach Malawi reist, wird auch im nächsten Jahr wieder nach Puma gehen, wo vier, fünf Ärzte tätig sind. „Vieles können sie selbst machen. Das Niveau ist spürbar gestiegen. Sie wagen sich an Operationen heran, die sie vor Jahren nicht gemacht hätten. Die Problemfälle werden von den Interplast-Ärzten übernommen.“ 2018 ist jeden Monat ein Team der Sektion Siebengebirge dort.

Nachdem sein Freund Jürgen Meyer-Oswald aus Altersgründen seine Einsätze als Zahnarzt beenden musste, konnte Michael Schidelko zwei Honnefer Zahnärztinnen, Katharina Walz und Antje Hilger-Rometsch, gewinnen. Für das Hospital besorgte er gerade erst 80 ausrangierte Krankenhaus-Betten, deren Transport er nun organisiert. So ist der Präsident von Interplast Deutschland unermüdlich tätig. Nicht nur mit dem OP-Besteck.