Einsparungen bei Sportstätten

Bad Honnefer Sportvereine fürchten Austrittswelle

Spaß an der Bewegung: Vereine wie der ATV fördern auch die Gesundheit der Kinder

BAD HONNEF. Es ist Dampf im Kessel. Ob die Bad Honnefer Sportler tatsächlich wie angekündigt auf die Straße gehen, um gegen die Beteiligung an den Sportstätten-Betriebskosten zu protestieren, wird sich am Mittwoch entscheiden.

Der Vorstand des Sportverbandes Bad Honnef und Vereinsmitglieder wollen zunächst einer Einladung der Bürgermeisterin zum Gespräch folgen.

Sauer sind die Sportler jedenfalls. Das zeigte sich am Montagabend bei einer svb-Versammlung, an der Stadtchefin Wally Feiden und Sportausschussvorsitzende Petra Kansy teilnahmen. Nachdem der Rat im Juni die Erhebung von Bewirtschaftungskosten für Sporthallen beschlossen hatte, wurde den Vereinsvorständen mitgeteilt, dass sie für das vierte Quartal 2013 einen Anteil in Höhe von 20 000 Euro aufbringen sollen. Das sind etwa fünf Euro je Halleneinheit pro Stunde. Sportverbands-Vorsitzender Karl-Gert Hertel erläuterte, was das für einzelne Vereine bedeuten würde.

Beispiel Tisch-Tennis-Freunde (TTF) Bad Honnef: Bislang zahlen Erwachsene 120 Euro Beitrag im Jahr, Jugendliche 60 Euro, künftig müssten sie jeweils 118 Euro mehr berappen. Weitere Beispiele: Der Hockeyclub müsste den Jahresbeitrag um 36 Euro anheben, der ATV um 15 Euro, bei den SFA wären es 23 Euro, beim TV Eiche zwölf Euro, beim Leichtathletik-Verein 23 bis 25 Euro. Hertel: "Von den 45 Mitgliedern des Leichtathletikvereins sind 31 unter 18. Die Beitragserhöhung würde Familien belasten. Bad Honnef freut sich, eine Sportstadt zu sein, aber das würde den Honnefer Sport kaputtmachen." Zudem müsste die Erhöhung von Mitgliedsbeiträgen beschlossen werden. Nachträglich sei das nicht machbar.

TTF-Chef Otto Neuhoff: "Wir haben gerade erst eine saftige Beitragserhöhung hinter uns. Jetzt rückwirkend noch einmal zu erhöhen? Nein, so funktioniert das nicht. Für die TTF ist das ein Tiefschlag." SFA-Vorsitzender Claus Elbert befürchtete: "Wir haben eine Menge Familien im Verein, das sind dann schnell mal 50, 75, 100 Euro mehr Beitrag. Da ist mit zehn Prozent Austritten zu rechnen."

 Ulrich Hambuch, der Vorsitzende des ATV Selhof, dachte an das Engagement seines Vereins in der OGS. "Da ist die Berechnungsgrundlage noch offen. Wenn dadurch eine höhere Belastung eintritt, werde ich die OGS sofort einstellen. Irgendwo ist die Fahnenstange zu Ende", schimpfte er. Wilhelm Strohmeier, Sprecher des Runden Tisches Sport und Vorstandsmitglied beim Hockey-Club, drohte: "Kein Euro kommt von uns. Wir melden uns dann vom Hallenbetrieb ab. Das ist ein klarer Vorstandsbeschluss."

Der HCH habe bereits Kosten zwischen 15.000 und 18.000 Euro für den eigenen Platz zu tragen. Die meisten Vereine hätten eigene Anlagen. "Seit 15 Jahren bekommen wir von der Stadt keinerlei Zuschüsse für Anschaffungen. Wenn wir keine Eigenleistungen aufbrächten, gebe es den Sport nicht mehr." Er hoffe, "dass da etwas schiefgelaufen ist und es noch abgewendet wird".

Befürchtung: Bei 20.000 Euro für das vierte Quartal 2013 würden es hochgerechnet künftig 80.000 Euro jährlich. svb-Geschäftsführerin Elisabeth Hambuch meinte süffisant: "Vielleicht brauchen wir bei dieser Entwicklung die neue Halle in Aegidienberg nicht mehr." Und: "Am Donnerstag müssen wir den Verantwortlichen klarmachen: Wir geben das Geld nicht her."

"Kein Kampf Sport gegen Kultur"

Bürgermeisterin Wally Feiden hatte sich gegen einen "Kampf zwischen Kultur und Sport wie in Bonn" ausgesprochen, aber der Vergleich kam dennoch. Vera Wattenbach vom TV Eiche stellte 350 Musikschüler den 8000 in Vereinen Sport treibenden Bad Honnefern gegenüber: "Die Kultur wird viel besser unterstützt."

Auf ihre Frage, ob die Musikschule nicht ehrenamtlich geleitet und die Bücherei den Schulen übergeben werden könne, sagte Feiden: "Das hat sich als nicht machbar dargestellt." Wilhelm Strohmeier: "Egal wie hoch die Betriebskosten sind, wir Sportler bezahlen für die Kultur, dabei bringen wir uns in der ,Sportstadt Bad Honnef? immens ein mit eigenen Anlagen, Schlüsseldienst, als Schwimmmeister. Eine weitere Kostenbeteiligung ist nicht drin."