Visionen für den Sehnsuchtsort

Bad Honnef bewirbt sich um Fördermittel für Grafenwerth

Bad Honnef. Die Stadt Bad Honnef bewirbt sich um Fördermittel des Bundes, um die Insel Grafenwerth aufzuwerten und Natur und Freizeitaktivitäten dort besser in Einklang zu bringen. Der Stadtrat gab dafür am Donnerstagabend sein einstimmiges Plazet.

Die Bad Honnefer Kommunalpolitiker sprachen sich einstimmig dafür aus, den fristgerecht zum 6. Oktober schon eingereichten Antrag zum Programm „Zukunft Stadtgrün“ weiterzuentwickeln – in der Hoffnung und unter dem Vorbehalt, dass es Zuschüsse gibt. Dem Beschluss vorausgegangen war eine längere Debatte, die das einstimmige Ergebnis allerdings keineswegs vorweggenommen hatte.

Das Bundesbauministerium stellt in dem Bund-Länder-Programm 2017 insgesamt 50 Millionen Euro zur Verfügung, die Ländern und Kommunen für „die Verbesserung der urbanen grünen Infrastruktur“ bereitgestellt werden. Der Förderaufruf in NRW war kurzfristig, traf die Stadt aber nicht gänzlich unvorbereitet, so Fabiano Pinto, Leiter Städtebau: Landesgartenschau-Bewerbung und erste Überlegungen im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts seien die Basis. Pinto erläuterte Eckpunkte der Vorentwurfsplanung („Nichts ist in Stein gemeißelt.“), die nach dem Willen des Rates im Fachausschuss detaillierter beraten werden soll, falls es mit dem Antrag klappt. Priorität habe dabei die Reaktivierung der Gesamtanlage der Insel, „dem Sehnsuchtsort der Bad Honnefer“. „Es geht um bescheidenen und respektvollen Umgang mit der Insel und darum, auch das Inselerlebnis zu stärken.“ Der Großteil der Insel werde dabei nicht verändert. Der südliche Bereich und der östliche Uferbereich etwa blieben Natur und Ökologie vorbehalten.

Zugleich würden die Nutzer so geführt, dass die ökologisch wertvollen Bereiche entlastet würden. Insgesamt 1065 Quadratmeter Asphaltfläche sollen entsiegelt, breite Straßen verschmälert und sparsam neue Wege angelegt werden. Ferner solle es Einzelprojekte geben – wie einen Spielplatz für jüngere Kinder nahe des Inselcafés, laut Bürgermeister Otto Neuhoff eine Bereicherung auch hinsichtlich der anstehenden Neuausschreibung der Gastronomie dort. Eine Spielinsel für ältere Kinder, ein Multifunktionsfeld für Jugendliche und Sitzstufenanlagen, alles jeweils an verschiedenen Stellen, rundeten das Konzept als eine Art Steinbruch für punktuelle Verbesserungen ab. Pinto: „Wir sollten in Visionen denken, aber es muss auch in Einzellosen gearbeitet werden können.“ Die Kosten für das Gesamtpaket schätzte Pinto auf gut drei Millionen Euro; mögliche Förderung: 60 Prozent. Zu den Erfolgsaussichten sagte er, er sei „vorsichtig optimistisch“.

Was folgte, waren Fragen über Fragen. Passt der Antrag auf das Förderprogramm, wo es doch zentrale Grünflächen anpeile?, wollte Klaus Wegner (Grüne) wissen. Und warum packe man nicht erst die maroden Brücken, allem voran die historische Hauptbrücke, an?, so Werner Sünnen (SPD). Ihr fehle der Tote Rheinarm, ergänzte Martina Ihrig (FDP). Und Wolfram Freudenberg (SPD) sagte, ihm sei das nicht genug diskutiert: „Schließlich geht es auch hier um Steuergelder, die möglicherweise im Hochwasser Richtung Holland schwimmen.“ Auch die Auswirkungen auf den Haushalt der Kommune dürfe man nicht vergessen, so Gabi Clooth-Hoffmeister (Grüne): „Bei mehr als einer Million Euro Eigenanteil darf man schon kritische Fragen stellen.“

Den Worten seiner Fraktionskollegin Petra Kansy (CDU), das Konzept sei „absolut überzeugend“, fügte indes Hansjörg Tamoj an: „Endlich das erste unumwunden positive Fazit zum Antrag.“ Ein weiteres folgte von Karl-Heinz Dißmann (Bürgerblock): „Das Konzept ist gut.“ Eine Lanze für den Antrag brach auch Neuhoff: Mit „Kompetenz, Intelligenz und Herz“ habe die Verwaltungsmannschaft, der man ansonsten ja vorwerfe, Förderprogramme zu wenig zu nutzen, in kurzer Zeit den Antrag gestemmt. Zur Wirksamkeit des Programms sagte er: „Man darf das nicht so eng fassen im Sinne von: mitten in der Stadt“; das hätten auch Vorgespräche mit der Bezirksregierung gezeigt. Zur Frage von Brücken und Altarm sagte Pinto, beides habe man „schweren Herzens“ herausgelassen. Die Fördergeber setzten umfangreiche Abstimmungen mit sämtlichen beteiligten Behörden voraus, für Altarm und Brücken sei das wegen der komplexen Zuständigkeiten jetzt „nicht leistbar“ gewesen. Wegner: „Ich kritisiere nicht den Antrag, ich stelle Fachfragen.“ So hielt es am Ende das gesamte Gremium. Ob dem Antrag Erfolg beschieden ist, das bleibt nun abzuwarten.