Interview mit Jörg Erich Haselier

Bürger- und Ortsvereinschef: "Rhöndorf ist ein besonderer Ort"

BAD HONNEF. Zum 21. Mal hat der Rhein-Sieg-Kreis den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" ausgeschrieben. Rhöndorf ist in diesem Jahr erstmals dabei. Am 11. September wird die Bewertungskommission eineinhalb Stunden "mit der Lupe" durch den Adenauer-Ort gehen.

Die Jury kommt am letzten ihrer fünf Bereisungstage nach Rhöndorf; sie hat insgesamt 18 Dörfer zu inspizieren. Jörg Erich Haselier hat seinen Wohnort zu diesem Wettstreit, für den der Kreis 15.000 Euro Preisgelder ausgeschrieben hat, angemeldet. Mit dem Vorsitzenden des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf sprach Roswitha Oschmann.

Wie lautet das Ziel? Von null auf hundert?
Jörg Erich Haselier: Rhöndorf will sich am nächsten Donnerstag von seiner schönsten Seite zeigen. Aber es geht nicht um den Ehrgeiz, Preise einzuheimsen, vielmehr darum, dass Gemeinschaftsleben zu stärken. Wir möchten vermitteln, dass Rhöndorf ein besonderer Ort ist - wegen seiner Lage, seiner Geschichte, aber besonders wegen seiner Menschen.

Sollen die Rhöndorfer Fahnen hissen und Blumentöpfe aufstellen?
Haselier: Der Normalzustand dürfte ausreichen. Wir wollen für die Jury schließlich keine Potemkinschen Dörfer aufbauen, sondern zeigen, wie Rhöndorf wirklich ist. Wenn jeder sein Umfeld so hat, wie es wünschenswert ist, dann ist es genug. Es geht bei diesem Wettbewerb auch nicht nur um Blumenpracht.

Sondern?
Haselier: Der Wettbewerb hat eine ganz andere Perspektive. Es geht um die Dorfentwicklung, um die Frage, was uns wichtig ist und was die Bevölkerung dafür tut. Unser zentrales Anliegen ist, dass Rhöndorf auch in Zukunft deutlich mehr ist als ein Pendler- und Schlafort. Die Bewertung der Grünanlagen ist also nur ein Punkt.

Welche Kriterien stehen noch im Fokus?
Haselier: Die wirtschaftliche Entwicklung und Initiativen, unsere Konzeption und deren Umsetzung, soziale und kulturelle Aktivitäten unter Berücksichtigung des Inklusionsgedankens sowie die Baugestaltung und Siedlungsentwicklung, der Erhalt und die Pflege der ortsbildprägenden Bausubstanz.

Blumen kann eine Jury auf den ersten Blick sehen und vielleicht riechen, aber alles andere...
Haselier: Rhöndorfer Bürger werden mit Bürgermeister Otto Neuhoff bei der Begehung unsere Projekte vorstellen.

Verraten Sie, wo es langgeht in Rhöndorf?
Haselier: Wir beginnen mit unserer Ortsmarke am Bellevue. Am Bahnhof werden wir über unseren Kampf für einen barrierefreien Bahnhof berichten. Ein Problem, für das wir den Petitionsausschuss des Landtages eingeschaltet haben, ebenso wie für den Erhalt unseres Weinbaus am Drachenfels, der ebenfalls Thema sein wird. Die Europaschule und den Geschichtsweg stellen wir vor. Wir haben extra die Abfüllung des 2013er Jahrgangs unseres Lehrweinbergs verschoben. Das Ehepaar Teichgreeber wird unter den Augen der Kommission die Arbeitsgänge vorführen. Später geht es zum Lehrweinberg selbst. Weiter auf dem Tourenplan stehen: die Wohnbebauung am Haus im Turm, die Bedeutung des dortigen Parks, der Ziepchensplatz, die geplante Fachwerksanierung am Gebäude der Katholischen Landjugendbewegung und unsere Heimatstube.

Dürfen sich "Zaungäste" der zehnköpfigen Jury anschließen?
Haselier: Sehr gerne, aber es ist ein Zeitrahmen angesetzt, der natürlich dadurch nicht gesprengt werden soll.

Zur Person

Jörg Erich Haselier (46) kommt vom Niederrhein und lebt seit 2002 in Rhöndorf. Der selbstständige Fachreferent für Betriebsverfassungsrecht ist seit 2008 Vorsitzender des Bürger- und Ortsvereins.