Gesperrte Weinbergswege

Bürger- und Ortsverein Rhöndorf erwägt Petition an den Landtag

Geschlossen wegen Steinschlaggefahr: Die Rhöndorfer Weinbergswege sind seit Januar 2011 Sperrzone.

RHÖNDORF. "Die Wandersaison hat jetzt begonnen. Und bei uns laufen die Rheinsteigwanderer und Spaziergänger immer noch gegen einen Zaun", bemängelte Jörg Erich Haselier, der Vorsitzende des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf. Aber zum Dauerthema "Sperrung der Weinbergwege am Drachenfelshang" wartete der Rhöndorfer zusammen mit der Landtagsabgeordneten Andrea Milz am Montag im Kontor des Weingutes Broel dennoch mit Neuigkeiten auf.

Den beiden liegt das geologische Gutachten vor, das die NRW-Landesregierung in Auftrag gegeben hat. "Der geologische Dienst des Landes wird Felssicherungsmaßnahmen verlangen", sagte Haselier. "Eine dauerhafte Öffnung des mittleren Weinbergweges ist also nur möglich, wenn Maßnahmen angepackt werden.

Das bedeutet: Wir brauchen einen Steinschlagschutzzaun." Die Frage sei nur, wer das bezahlen soll. "Schätzungen von Experten zufolge liegen die Kosten zwischen 500.000 und einer Million Euro." In der Ratssitzung im Mai werde den Honnefer Kommunalpolitikern das Gutachten vorgestellt, so Haselier, selbst Mitglied der CDU-Fraktiont. "Wir müssen uns mit den Fakten befassen und uns überlegen, was möglich wäre, damit das Land sagt, das ist uns das Siebengebirge wert."

Die Marschrichtung ist für den Chef des Bürger- und Ortsvereins klar: "Unser Verein wartet die Beschlüsse des Rates ab. Sehen sie so aus, dass mit weiteren 100 Tagen Leerlauf zu rechnen ist, werden wir eine Petition an den Düsseldorfer Landtag einreichen. Und zwar zusammen mit den Winzern." Haselier kritisierte: "Genau 840 Tage ist der Steinschlag her. Und es ist nichts passiert." Nach 1984 war es der zweite so genannte "Blockschlag", der genau am 2. Januar 2011 vom Siegfriedfelsen krachte. Mitten in den Weinberg.

"Natürlich ist es nachvollziehbar, dass die Kommune den Weg gesperrt hat. Bei ihr liegt die Verkehrssicherungspflicht. Aber ich habe Bedenken, ob der Zaun die angemessene Vorgehensweise ist. Woanders hängen Hinweisschilder, die zur Vorsicht mahnen. Damit sind die, um es salopp zu sagen, raus", meinte Haselier. Das wäre nicht nur in den Bergen so, sondern gerade habe er auf Hiddensee ein Schild gesehen, das am Steilhang vor Abbrüchen warnte.

Der Vereinsvorsitzende nannte ein Problem: "Für das Land ist mit der durchgeführten Weinbergflurbereinigung die Sache abgeschlossen. Es fühlt sich nicht zuständig." Andrea Milz betonte: "So einfach darf es sich das Land nicht machen. Ich begrüße eine Petition. Sie zeigt, dass die Öffnung des Weinberges eine Herzensangelegenheit der Bürger und der Winzer ist."

Karl-Heinz Broel hat zwar im betreffenden Terrain keine Reben, aber auf dem Weg zu seinem Areal muss er durchs "Sperrgebiet". Winzer Broel: "Das kostet eine Menge Zeit." Für seinen Kollegen Adolf Pieper ist das noch dramatischer, denn der Winzer bewirtschaftet die betreffende Lage.

Milz: "Ersatzanbaugebiete gibt es nicht. Würde der Weinbau wegen der Steinschlaggefahr dort eingestellt, käme dies einer Enteignung gleich. Und das Bild vom Siebengebirge würde sich nachteilig verändern, zum Schaden des Tourismus." Haselier: "Wenn die Experten meinen, das geht nur mit Zaun, dann muss es passieren. Das hier ist keine Rhöndorfer Nabelschau."

Auf Umwegen zu Fördermitteln

Andrea Milz ärgert sich über ein weiteres Problem. Die drei Siebengebirgswinzer Broel, Blöser und Pieper sind die einzigen Erwerbswinzer in NRW. Milz: "Um an EU-Fördermittel heranzukommen, muss das Land ein Förderprogramm auflegen. Dann würden 7000 Euro fließen.

Das ist für die Winzer viel Geld. Aber das Land lehnt das ab, weil die Kosten für die verwaltungsintensive Ausarbeitung höher wären als die Zuschüsse. Dabei könnte das Problem durch eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geregelt werden. Das Nachbarland würde unsere drei Winzer huckepack nehmen. Dann kommen sie an die Fördertöpfe ran."