Honnefer Gymnasium feiert 100-Jähriges

Ausstellung "Mathematik zum Anfassen" im Siebengebirgsgymnasium

Verflixt: Das dreidimensionale Dreieck will partout nicht in den Glaskubus.

Verflixt: Das dreidimensionale Dreieck will partout nicht in den Glaskubus.

BAD HONNEF. Komponieren mit einem Computer und zwei Würfeln? Wie das geht, zeigt die aktuelle Ausstellung im Siebengebirgsgymnasium Bad Honnef zum Jubiläum der Schule. Ehemalige wie Berkeley-Doktorand Sören Künzel feiern mit.

Hand aufs Herz: Hat nicht jeder schon einmal insgeheim davon geträumt, Kompositionen aufs Papier zu zaubern, die es mit Mozarts Meisterwerken aufnehmen könnten? Fehlendes musikalisches Talent ist jetzt keine Ausrede mehr: Nötig sind für angehende Komponisten nur zwei Würfel und ein Computer. 16-mal würfeln, dann die Augenzahlen im Computer eingeben, et voilà – fertig ist das Musikstück im Mozart-Stil, natürlich harmonisch stimmig berechnet. Eine von mehr als 750 Billionen Möglichkeiten. Und wenn die Eingaben tatsächlich zufällig waren, dann ist die entstandene Komposition wahrscheinlich noch nie zuvor erklungen. Siehe da: Mathematik kann doch Spaß machen. Von wegen staubtrocken!

Rund zwei Wochen lang ist die Wanderausstellung „Mathematik zum Anfassen“ des Mathematikums Gießen in der Sibi-Aula zu sehen. Finanziell unterstützt wird das Projekt von ABB. Ansprechen möchte die Ausstellung Besucher jeden Alters – „darunter insbesondere Menschen, die mit der Mathematik auf dem Kriegsfuß stehen“, so Co-Organisator Timo Hohlweck von der Fachschaft Mathematik des Gymnasiums. Denn: „Es kommt auf die Vermittlung an“, ist sich Hohlweck sicher. „Wenn man die Themen richtig aufbereitet, kann jedes mathematische Problem Spaß machen.“ Leonardo-Brücken bauen, Muster im Formenwirrwarr erkennen, an Knobeltischen rätseln – Kreativität wird hier großgeschrieben.

Seifenblasen und Polynome

Aber können sogar Polynomfunktionen Spaß machen? Neben Seifenblasenexperimenten ist auf der Aula-Bühne ein Meterband ausgelegt – hier kann jeder einmal selbst zur verhassten Funktion werden. Der Clou: Während auf dem Bildschirm ein Graph angezeigt wird, muss dessen Verlauf durch bedachtes Vor- und Zurückgehen auf dem Meterband nachgezeichnet werden. Das ist gar nicht so einfach. Ebenfalls komplizierter als es scheinen mag: das Verstauen dreidimensionaler Gebilde in einem scheinbar viel zu engen Glaskubus.

Und wen das Fernweh plagt, der kann auf der Landkarte schon einmal die optimale Route für seine nächste Deutschlandtour planen: Die bereitgelegte Kordel ist genau lang genug, um von Gießen aus – dem Sitz des Mathematikums – alle deutschen Landeshauptstädte einmal zu berühren. Ein Tipp: Es empfiehlt sich, direkt einen Abstecher nach Erfurt einzulegen...

Der Zwischenhalt der Wanderausstellung „Mathematik zum Anfassen“ markiert den Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Gymnasiums. Im Zuge der Ausstellungseröffnung hielt zudem der ehemalige Sibi-Schüler Sören Künzel, aktuell Doktorand an der UC Berkeley in Kalifornien, einen Vortrag über die Herausforderungen maschinellen Lernens.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 26. Januar, werktags von 8 bis 16.30 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr in der Sibi-Aula zu sehen. Kinder ab sechs Jahren zahlen zwei Euro Eintritt, Erwachsene drei Euro. Anmeldung für Schulklassen an thohlweck@web.de.