Krokus-Projekt

Auf der Kurpark-Wiese sollen farbenprächtige Pflanzen wachsen

Sie unterstützen das Krokus-Projekt: Wolfgang Groß (von links), Michael Holmer Gerdes, Lucas Birnhäupl, Roderik Ramershoven, Diether Habicht-Benthin und Anne Köppen.

BAD HONNEF. Noch müssen sich Roderik Ramershoven und Michael Holmer Gerdes mit Gänseblümchen begnügen. Die beiden zupften je ein Exemplar im Kurpark. Der Abzählreim ergab: Die Honnefer lieben Krokusse, sie lieben sie nicht, sie lieben sie...

Diether Habicht-Benthin, der an der Spitze der Bewegung "Lasst Honnef erblühen" steht, will die Stadt nicht nur weiterhin mit Blumenampeln an den Straßen verschönern, sondern künftig auch noch für ein regelrechtes Krokus-Meer sorgen.

"Das Krokus-Projekt nimmt Fahrt auf", sagte Habicht-Benthin beim Treffen der Unterstützer des neuen blumigen Vorhabens der "Initiative Wirtschaft für Bad Honnef". Nach dem ersten Signal der Bad Honnef AG, 20.000 Krokusknollen zu sponsern, haben sich weitere Einzelspender bereit erklärt, jeweils Tausend und mehr Knollen zu finanzieren. Und auch die Bereitschaft, an dem Projekt mitzuwirken, ist da.

So hat Seminaris-Kongresspark-Direktor Michael Holmer Gerdes die Rasenfläche zwischen dem Kurhaus und dem Avendi-Hotel als Referenzfläche freigegeben. Das Areal ist 30 mal 60 Meter groß. Und auf ihm sollen im Herbst die Krokusknollen gesetzt werden.

Die Sponsoren fachsimpelten nun, wie dabei am besten vorgegangen wird. Die Kinder aus der Grundschule Sankt Martinus in Selhof stehen bereits in den Startlöchern. Auf Anregung von Habicht-Benthin haben sie in diesem Jahr angefangen, Mammutbäume heranzuziehen. Noch sind die zarten Pflänzchen in Blumentöpfen; ein Arbeitskreis der Schule wird sich um ihr weiteres Gedeihen kümmern.

Schulleiterin Anne Köppen: "Den Kindern macht das sehr viel Freude. Pflanzen und Säen sind Urbedürfnisse, sie verbinden die Natur mit der Stadt, in der die Kinder groß werden. Unser Kollegium ist damit einverstanden, dass wir uns auch an dem Krokus-Projekt beteiligen. Ich sehe schon die strahlenden Augen der Kinder, wenn die selbst gepflanzten Krokusse im nächsten Frühjahr blühen."

Aber die Kinder allein können nicht zig Tausende von Knollen in die Erde bringen. Die Firma Richarz Gartengestaltung GmbH, die sich schon jetzt um die Bodenbepflanzung des Kreisels an der Linzer Straße kümmert, wird auch in Sachen Krokusse mit anpacken. So hat Geschäftsführer Roderik Ramershoven personelle Hilfe bei der Pflanzaktion zugesagt. Diether Habicht-Benthin: "Ich hoffe, dass es uns gelingt, aus der Honnefer Bürgerschaft möglichst viele Mitarbeiter zu gewinnen, denn das Krokusprojekt ist ja keine Eintagsfliege, sondern soll weit in die Zukunft reichen.

Je mehr Leute sich daran beteiligen, desto weiter kommen wir. Da ist es aber gut, wenn Profis mithelfen und zeigen, wie man das am besten macht." So freut es den Krokus-Pionier von Bad Honnef, dass Wolfgang Groß, Referent für Landschaft und Umwelt beim Bundesverband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, mit ihm sogleich einen Termin im "Haus der Landschaft" an der Alexander-von-Humboldt-Straße vereinbarte. Fachleute werden Diether Habicht-Benthin Ratschläge erteilen. Zum Beispiel muss die richtige Sorte und Farbe ausgewählt werden.

In ihrer Fantasie sahen die Unterstützer schon eine blühende Krokuswiese neben dem Kurhaus. Diether Habicht-Benthin: "Der Kurpark ist nahe der Innenstadt gelegen, wird viel besucht und ist daher bestens geeignet, für den weiteren Ausbau des Projektes zu werben. Wenn es uns mittelfristig gelingt, die Insel Grafenwerth mit Krokussen erblühen zu lassen, dann hat Honnef ein echtes Highlight, das unsere Bürger das Frühjahr neu erleben lässt und bereits vor den Hängegeranien an unseren Laternen eine Blütenpracht entfaltet, die unsere Stadt mit zusätzlichen Besuchern beleben wird."

Er hofft auf weitere Beteiligung: "Tausend Hände für Tausende Krokusse, ein Traum - fast zu schön um wahr zu sein." Und wenn die Krokusse verblüht sind, dann werden an ihrer Stelle auch wieder Gänseblümchen wachsen.

Blaues Wunder

Vorbild für diese Aktion ist Husum mit einem Blütenmeer von etwa fünf Millionen Krokussen im Schlossgarten. Nach der Legende sollen dort im 15. Jahrhundert Mönche Krokusse gepflanzt haben, um daraus Safran zu gewinnen, dessen kostbaren Farbstoff sie zum Färben ihrer liturgischen Gewänder benötigten.

Die zweite Variante: Eine Herzogin habe im 17. Jahrhundert für ihre Zuckerbäckerei Safran gebraucht und deshalb die Krokusse angebaut. Ob so oder so: Der Plan musste scheitern, denn nur der "Crocus sativus" enthält Safran.

Die Mönche oder auch die Gärtner der Herzogin bauten jedoch "Crocus neapolitanus" an, eine Wildpflanze, die in Südeuropa verbreitet ist und sich ohne menschliches Zutun im Laufe der Zeit vermehrt. So entstand der Geschichte nach die Krokus-Flut von Husum. Und auch in Bad Honnef soll auf diese Weise das Krokusfeld von Jahr zu Jahr dichter werden. Safran aber wird es auch hier leider nicht geben.

Trotzdem könnten die Honnefer ihr "Blaues Wunder" erleben, sollten sich die Experten für den "Crocus neapolitanus" aus südlichen Gefilden in Blau entscheiden.