Steinschlag am Siegfriedfelsen

Arbeitsverbot für Beschäftigte der Weinbaubetriebe

SIEBENGEBIRGE. Die Bezirksregierung hat den Winzern Pieper und Broel untersagt, ihre Angestellten weiter in den von Steinschlag gefährdeten Weinbergen am Drachenfels arbeiten zu lassen. "Laut einem geotechnischen Bericht des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen besteht akute Stein- und Blockschlaggefahr", teilte die Kölner Behörde mit.

Für die Beschäftigten der Weinanbaubetriebe bestehe eine akute Gefährdung. Persönliche oder organisatorische Maßnahmen der Winzer, wie zum Beispiel durch ständiges Beobachten des betroffenen Gebietes während der Arbeitszeiten, reichten nicht aus, um die Mitarbeiter ausreichend zu schützen.

Zum Schutz der Beschäftigten müssten sofort technische Maßnahmen umgesetzt werden. Notwendig wären zum Beispiel Steinschlagschutzzäune. "Die Umsetzung solcher Maßnahmen benötigt Zeit. Solange diese nicht umgesetzt sind, kann der Weinberg nicht gefahrlos bewirtschaftet werden", so die Bezirksregierung.

Sie werde überwachen, ob die Arbeitgeber die Arbeitsschutzvorschriften einhalten. Die Bezirksregierung teilte weiter mit, dass sie durch die Presseberichterstattung von Ende Mai von der Gefährdung Kenntnis erhalten habe und daraufhin das geologische Gutachten angefordert habe.

Winzer Bobbi Pieper war am Freitag fassungslos, nachdem er vormittags Besuch von den Mitarbeitern des Dezernats Betrieblicher Arbeitsschutz erhalten hatte. "Nach 30 Jahren fällt der Bezirksregierung auf, dass etwas gemacht werden muss. Und das vor der anstehenden Ernte", sagte er. Von dem Verbot seien rund 70 Prozent der Anbauflächen am Drachenfels betroffen. Er selbst bewirtschafte hier neun Hektar, der Rhöndorfer Kollege Karl-Heinz Broel dreieinhalb Hektar.

Am 4. Januar 2011 war ein 2,4 Kubikmeter großer Brocken vom Siegfriedfelsen in den Weinberg gestürzt. Die Stadt Bad Honnef sperrte daraufhin die Weinbergwege in der Gefahrenzone. Die Winzer arbeiteten aber weiter. Die notwendigen Sicherungsarbeiten am Fels scheiterten bisher am Geld. Zuletzt überreichte der Vorsitzende des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf, Jörg Erich Haselier, eine Petition an den Landtag, in der das Land gebeten wird, "seiner jahrzehntelangen Verantwortung für den identitätsstiftenden Weinbau durch eine entsprechende Finanzierung gerecht zu werden".

Pieper sieht vor allem den Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) als Eigentümer und die Stadt Bad Honnef in der Pflicht. "Der VVS beruft sich auf höhere Gewalt, und die Stadt wehrt sich mit Händen und Füßen, den VVS in die Pflicht zu nehmen", sagt der Winzer. Stattdessen versuche man, sich aus der Verantwortung zu stehlen und alles ans Land abzudrücken. "Die Stadt Bad Honnef macht ihre Hausaufgaben nicht."

Er selber dürfte im Übrigen weiter sein Land betreten. "Aber ich kann die Größe des Weinbergs nicht allein bewirtschaften", sagt er. Paradox ist die Maßnahme für ihn vor allem, weil neun Millionen Euro auf dem Drachenfels investiert wurden. "Den Kopf pflegt man schön, aber die Füße lässt man dreckig."