Gebäude in Bad Honnef

Altes Fachwerkhaus wurde restauriert

Bad Honnef. Eigentlich war das Gebäude marode und abbruchreif, doch nun wird ein Fachwerkhaus in der Honnefer Fußgängerzone restauriert. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Eigentlich war das Gebäude marode und abbruchreif, doch die Bad Honnefer Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH hat das denkmalgeschützte Fachwerkhaus Hauptstraße 72 in der Honnefer City aufwendig saniert. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Im Erdgeschoss entstehen zwei Ladenlokale, im Obergeschoss zwei Eigentumswohnungen.

„Die Fenster“, sagt Gerd Papenbrock, „bestanden eigentlich nur noch aus Silikon und Farbe.“ Der Dachstuhl war „komplett faul“. Sogar eine Außenwand drohte einzubrechen. Das Haus Hauptstraße 72 hielt, salopp gesagt, nur noch aus Gewohnheit zusammen. Aus alter Gewohnheit. Schließlich weist die Zahl am Torbogen an der Fassade zur Kirchstraße hin das Jahr 1819 als Baujahr aus. 2014 wechselte das Denkmal den Besitzer. Jetzt ist die Sanierung auf der Zielgeraden. Noch in diesem Jahr soll alles fertig sein.

Die Kernsanierung eines solchen Fachwerks sei „etwas für Liebhaber“, sagt Papenbrock, Bauleiter der Bad Honnefer Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH: „Sanieren ist weit aufwendiger als neu bauen.“ Und wirtschaftlich rechne es sich nicht. Immerhin auf 600 000 Euro schätzte Geschäftsführer Richard Capellmann vor einem Jahr die Investition – und die Schlussrechnung steht noch aus. Doch das Gebäude steht unter Denkmalschutz. So müssen alle Arbeiten abgestimmt werden, um das Haus so originalgetreu wie möglich der Nachwelt zu erhalten.

2014 stand es gar nicht gut um das prägende Fachwerk in der Honnefer Innenstadt. „Die oberen Geschosse waren derart marode. Unter normalen Umständen hätte man die noch nicht einmal betreten dürfen“, so Papenbrock. Die vormalige Eigentümerin hatte, wie berichtet, Privatinsolvenz angemeldet. Das schnuckelige Haus, das länger leer stand, kam im November 2014 unter den Hammer. Den Zuschlag erhielt für 157 000 Euro die Bad Honnefer Wohnungsbau.

Und Liebhaberei war dabei tatsächlich im Spiel

Sowohl Capellmann als auch Papenbrock sind Honnefer, kannten das Haus gut, das im Erdgeschoss eine Pizzeria beherbergte. Papenbrock: „Wir wollten das Haus erhalten und zeigen, dass wir eben auch so etwas können.“ Ein guter Partner dabei ist, so Papenbrock, die Untere Denkmalbehörde bei der Stadt Bad Honnef. „Die Zusammenarbeit war und ist sehr gut.“ Dass die Rettung des Denkmals gelungen ist, davon können sich bald auch Kunden zweier Geschäfte überzeugen, die im Erdgeschoss einziehen werden. Die Ladenlokale zur Miete mit einer Größe von 81 und 85 Quadratmetern liegen direkt an der Fußgängerzone.

Darüber befinden sich zwei Maisonettewohnungen, die schon verkauft sind. Deren Eigentümer erfreuen sich nicht nur an Details wie Originalbalken und einer Originalholzstiege (Papenbrock: „Die Treppe hat mir ganz schön Kopfzerbrechen bereitet“), sondern auch an Terrassen, die zur Kirchstraße angelegt werden. Neu ist auch der Anbau mit dem Treppenhaus, das den Bau zusätzlich stabilisiert. Der Zugang erfolgt über den sanierten Torbogen, der ein schmiedeeisernes Tor erhält. Ein elektrisches Tor dient als Zufahrt zu den Parkplätzen.

Die Sanierung hatte es in sich, wie Papenbrock berichtet. In fast 200 Jahren waren Baufehler zuhauf begangen worden. Hinter dem Putz, der das sonst „atmende“ Fachwerk versiegelte, hatte sich Wasser gesammelt. Balken, auch tragende, waren weggefault. Täglich prüfte ein Statiker während der Arbeiten die Standsicherheit. 120 Eisenstützen hielten das entkernte Haus aufrecht, das für Monate hinter einem verkleideten Gerüst verschwand. Der Dachstuhl wurde Stück für Stück ab- und baugleich wieder aufgebaut.

Überall kamen Expertenverfahren zum Einsatz, die auf die Besonderheiten des Fachwerks zugeschnitten sind. Ein Beispiel: Für optimale Schrittschalldämpfung sorgen Platten aus mit Quarzsand gefüllter Kartonage. „Mit Estrich kann man in einem solchen Haus nicht gut arbeiten“, erklärt Papenbrock: Er sei zu schwer und zu dick. Originalgetreu wiederum sind die neuen Fenster: Jedes einzelne ist eine Spezialanfertigung – inklusive der Zierfräsungen. Und noch ein schönes Detail: Auch die alte Tür, durch die Gäste früher in die Pizzeria gingen, ist wieder da. Saniert, versteht sich.