"Siebengebirge"

Alte Rheinfähre vor Texel gesunken

Niederlande/Siebengebirge. Die alte Rheinfähre "Siebengebirge" ist auf dem Transport nach Finnland am Sonntagmorgen westlich von Texel gesunken. Die niederländische Küstenwache sicherte das Gebiet um das unbemannte Wrack.

Die "Siebengebirge" hatte von 1969 bis zum Sommer 2015 zwischen Bad Honnef und Rolandseck Fahrgäste über den Rhein gebracht. "Eine Rheinfähre ist kein Seeschiff", spotteten die Niederländer in den sozialen Netzwerken über das Unglück vor ihrer Küste. Die niederländische Küstenwache KNRM bestätigte auf ihrer Internetseite, dass sie am Morgen gegen 5.40 Uhr zu einer Hilfeleistung zu einer Rheinfähre auslaufen musste. Die Zeitung "De Telegraaf" berichtete, dass die Fähre an einem polnischen Schlepper befestigt gewesen war und Schlagseite bekommen hatte.

Der Schlepper war laut dem Bericht auf dem Weg von Rotterdam nach Finnland, als die Fähre Schlagseite bekam. Aus welchem Grund, blieb offen. Auf Bitten der Küstenwache änderte der Schlepper mit der Fähre seinen Kurs und versuchte die Schifffahrtsroute in Richtung der friesischen Insel Texel zu verlassen. Gleichzeitig fuhren Hilfskräfte aus Den Helder mit dem Rettungsboot "Joke Dijkstra" zur Unglücksstelle.

Als die "Joke Dijkstra" den Schlepper erreichte, sank die ehemalige Rheinfähre jedoch bereits. Sie war unbemannt, es wurde niemand verletzt. Das Küstenwachenschiff "Guardian" setzte einen roten Warnballon an der Stelle, um andere Schiffe zu warnen. Wann die Fähre geborgen werden kann, ist nach Angaben der Küstenwache noch unklar.

Im Sommer 2015 war die alte "Siebengebirge" von ihrer Nachfolgerin, die denselben Namen trägt, abgelöst worden. Das neue Schiff war zuvor in der Mondorfer Lux-Werft gebaut worden. Während die alte Fähre zwölf Autos transportieren konnte, kann die neue seitdem 21 ans andere Ufer bringen. Außerdem kann sie rund 250 Personen plus Fahrräder transportieren. Anders als das alte Schiff, das nur über zwei Antriebe verfügte, ist das neue mit vier ausgestattet. Die Entscheidung war damals im Hinblick auf die starke Nachfrage und die bevorstehende Sanierung der Bonner Rheinbrücken in den kommenden Jahren gefällt worden.

Unter den Mitarbeitern der neuen "Siebengebirge" hatte sich der Untergang der alten Fähre am Sonntag schon herumgesprochen. "Wir sind alle erschüttert und wissen noch nichts über die Ursachen. Das muss jetzt erst einmal aufgearbeitet werden", sagte Geschäftsführer Frank Eschbach von der Fährgesellschaft Honnef Pool GmbH & Co. KG. Nach dem Verkauf der Fähre habe es mehrere Optionen gegeben, was der neue Eigentümer mit dem Schiff machen wollte. Eschbach selbst hatte 2015 gesagt, 46 Jahre seien für ein Schiff schließlich noch kein Alter.

Gebaut wurde die alte "Siebengebirge" in der Schiffswerft Schmidt in Oberwinter. Das Schiff ist 39,5 Meter lang und neuneinhalb Meter breit. Das Deckhaus der Fähre bot einen Fahrgastraum und einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter. Im Juli 2013 war die "Siebengebirge" bei einer normalen Überfahrt von Rolandseck Richtung Bad Honnef kurz nach dem Ablegen havariert. Aufgrund eines Maschinenschadens trieb die Fähre damals antriebslos auf dem Rhein und musste nach einer Notankerung von der Feuerwehr per Rettungsschiff zum Anleger nach Bad Honnef gezogen werden. Die 55 Passagiere blieben unverletzt.

UPDATE 1. Mai 2017: Ein Augenzeuge hat dem GA berichtet, dass es schon beim Verlassen des Rotterdamer Hafens massive Probleme mit der "Siebengebirge" gab. "Eigentlich hätte man zurückfahren müssen", so der Zeuge. Mehr dazu lesen Sie hier.