Stadtentwicklung in Bad Honnef

Als erstes wird die Insel Grafenwerth verschönert

Bad Honnef mit der Insel Grafenwerth aus der Vogelperspektive.

Bad Honnef mit der Insel Grafenwerth aus der Vogelperspektive.

Bad Honnef. Bad Honnef macht sich auf in die Zukunft und beginnt mit der Umsetzung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts. Die Innenstadt, das Rheinufer mit der Insel Grafenwerth und Rhöndorf werden jetzt für konkrete Vorhaben in den Fokus genommen.

Stadtentwicklung braucht Leitplanken, sagt Fabiano Pinto, Honnefer Geschäftsbereichsleiter Städtebau. Genau die hat der Stadtrat mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) gesetzt. Jetzt beschloss der Rat mit Mehrheit ein Folgepapier, das mit dem Bandwurmtitel „Integriertes Handlungskonzept (InHK) Stadterneuerung Innenstadt/Rheinufer/Rhöndorf“ überschrieben ist und die Leitlinien auf die Teilbereiche der Stadt herunterbricht.

Prominentestes Beispiel: die Insel Grafenwerth. Für Pinto und sein Team stellen Isek- und InHK-Beschluss Meilensteine in der Planungshistorie der Stadt dar. Gänzlich unumstritten war der Beschluss im Stadtrat nicht.

Integrierte Stadtentwicklung: Einstimmigkeit im Rat gab es zum InHK nicht (siehe Kasten). Pinto: „Es ist absolut richtig, dass Grün- und Sportstätten wichtig sind. Aber dasselbe gilt auch für Entwicklung, für Wohnbau. Es geht immer um Abwägung. Die Politik hat oft die Erwartungshaltung, dass es nur eine absolute Wahrheit gibt. Das ist Planung nie.“ Das sei ebenso wenig eine Absage an Kritik aus der Bürgerschaft. Pinto: „Der Bürger ist mündig genug zu sagen: Da stimmt etwas nicht. Jede Planung gewinnt, wenn ein solcher Prozess angestoßen wird.“

Räume überprüfen: Es gehe nicht um eine Komplettplanung auf dem Reißbrett, so Pinto, „eine solche wäre allenfalls im Selhofer Feld möglich. Aber die Städte in der Region sind in aller Regel fertiggebaut“. Ziel sei vielmehr, bestehende Plätze, Straßen, Orte auf ihre räumliche Funktion für das Stadtleben zu überprüfen, eventuell nachzujustieren – auch mit Umbauten, so nötig. „Man muss schauen, welche Räume welche Talente haben und ob sie umgesetzt sind.“ Beispiel: die Achse Rommersdorfer Straße. „Die Achse verbindet wichtige Bereiche, darunter die Schulen“, sagt Fachbereichsleiter Dirk Wiehe. Aber ist sie auch geeignet, Auto- und vor allem Fußgänger- und Radverkehr optimal zu verbinden? Kaum. Wiehe: „Das heißt nicht, dass man Häuser abreißt und eine Prachtallee schafft. Aber man muss sich die Frage stellen, wie es besser geht.“ Auch im Kleinen: Zentrale Fahrradstationen in der City, Park & Ride, City-Portale, Leitsysteme und mehr. Wiehe: „Viele Städte zeigen uns doch, wie es besser geht. Oder nehmen Sie den Honnefer Geschichtsweg, der zeigt, wie man mit hoher Qualität etwas verbessern kann – aber bislang ist er nur eine Insellösung.“

Keine Problemstadt: Bad Honnef sei alles andere als eine „Problemstadt, es gibt viele schöne Räume“, so Pinto. Jedoch: Eine übergeordnete Idee davon, wie sie optimal genutzt werden, habe bislang gefehlt. Beispiel: Fußgängerzone und Markt. „Hier liegen Räume nah beieinander, die für das Leben in der Stadt sehr wichtig sind. Aber: Da habe ich nun einen zentralen Treffpunkt, und dann sitze ich nicht beim Italiener, sondern auf der Straße.“ Nicht „das Rad neu erfinden“, sondern „aufräumen“, für „mehr Ordnung auf dem Platz sorgen“ sei das Ziel, so Pinto. Wichtig: Räume würden nicht wie bisher als Solitäre, sondern im Zusammenhang gedacht.

Nichts zementieren: „Nicht alles wird umgesetzt werden“, ist Pinto sicher. Trotzdem sei es wichtig, die Dinge in einen Zusammenhang zu stellen, nicht etwa eine neue Straßenkante zu zementieren, wenn der Verkehrsfluss genau an der Stelle langfristig anders besser geregelt werden müsse – und das für die ganze Stadt Bedeutung habe. Ein anderes Beispiel mit gesamtstädtischer Bedeutung seien das Stadion Menzenberg und der Saynsche Hof: Durch den Isek-Prozess sei – nach langem Stillstand trotz „Angebotsbebauungsplan“ – dort positive Bewegung entstanden. Wiehe: „Bislang hat man nur in Pläne geschaut, wenn man sie gerade brauchte. Das InHK nutzt man auch informell, etwa im Gespräch mit Investoren. Damit signalisiert eine Stadt auch Verlässlichkeit.“

Innenstadt und Rheinufer: Für den Kern der City wurde ein Gestaltungswettbewerb beschlossen. Der Wettbewerb wird im Februar ausgelobt, schon vor den Sommerferien sollen ein Preisgericht tagen und Ergebnisse vorliegen. Konkret auch das: Ab Mitte des Jahres soll es auf Grafenwerth mit der Attraktivitätssteigerung losgehen. „Qualifizierung“ nennt es Pinto. Wo heute ein Asphaltband eher an eine örtliche Straße erinnert, sollen künftig Wegebeziehungen und ein aufgewerteter Uferbereich die Aufgabe als Naherholungsort stärken. Mit Unterstützung von Bund und Land: Die Stadt erhält Förderung in Höhe von gut zwei Millionen Euro zum 3,3-Millionen-Euro-Projekt.

Rhöndorf: Die Fördergeldgeber in Bund und Land „erwarten, dass man eine Geschichte erzählt“, sagt Pinto. Heißt: Ohne gesamtstädtische Betrachtung, hinterlegt mit Kosten- und Finanzierungsplänen, gibt es keine Förderung. Konkret wird es in Rhöndorf, wo die Stadt provisorisch den Park-and-ride-Parkplatz hergerichtet hat. Provisorisch deshalb, weil noch ein barrierefreier Umbau des Bahnhofes „als Taktgeber“ bevorsteht.

Achse Rhein-Stadt und Bahnhof: Die Projekte „mit der größten Nachhaltigkeit“ (Wiehe) sind indes noch Zukunftsmusik. Eines ist die Verbindung von Rhein und Stadt mit einer Brücke, die direkt in die Stadt hineinführt. Untrennbar damit verbunden – und darum laut Pinto schon jetzt mit Weitsicht zu planen – ist die Ausgestaltung der Weyermannallee, die dann die Funktion als Achse in die City bekäme. Eine Vision ist bisher die Verlegung des (Haupt-)Bahnhofes an die Endhaltestelle. Unrealistisch sei dies nicht, meinen Pinto und Wiehe: Erstmals sei in einer Machbarkeitsstudie festgestellt worden, dass das möglich wäre. Und dass der heutige Bahnhof unter modernen Gesichtspunkten nicht zum Haltepunkt taugt.

Beschlusslage: Der Rat der Stadt hat die Verwaltung im April 2014 beauftragt, als Steuerungsinstrument nachhaltiger Stadtplanung ein integriertes Handlungskonzept für die Stadtentwicklung (Isek) zu erstellen. Investiert wurden erhebliche Bordmittel im Rathaus sowie bislang rund 100 000 Euro externe Planungskosten. Das Programm des Isek gliedert sich in mehrere Module; Ergebnisse aus Bürgerbeteiligungen flossen ein. Das erste Modul ist das 2016 beschlossene „Rahmenkonzept Gesamtstadt“. Dann geht es in die Tiefe, wie jetzt mit 23 Maßnahmensteckbriefen. Weitere Infos unter www.bad-honnef.de