Ausstellung "Expo Vinum" in der Heimatstube Rhöndorf

Als Panschen noch erlaubt war

RHÖNDORF. "Expo Vinum" heißt das neueste Projekt des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf.

Im Juli war die Heimatstube an der Löwenburgstraße, unweit des Rhöndorfer Ziepchesplatzes, umringt von den für den Ort typischen Fachwerkhäusern, ihrer Bestimmung übergeben worden. Nun sollen vier Räume, verteilt auf zwei Etagen, die neue Ausstellung beherbergen. Jörg Erich Haselier, Vorsitzender des Vereins, und Kassenwartin Marlene Barth sind mit ihrer Vorbereitung beschäftigt.

Einige Werke werden noch entstaubt, umplatziert, mit Etiketten versehen. "Hängen, stellen, beschriften, das ist es, was wir in den verbleibenden Tagen noch tun", so Haselier. "Wir wollen zeigen, was uns im Siebengebirge allgemein und in Rhöndorf besonders der Weinbau bedeutet", erläutert der Vereinsvorsitzende das Anliegen der "Expo Vinum".

Mit den Ausstellungsobjekten aus fünf Jahrhunderten wolle man "das Thema Weinbau über Jahrhunderte nachvollziehbar machen".

Ein Großteil der Exponate sind Leihgaben des Siebengebirgsmuseums in Königswinter. "Es war von Anfang an unser Wunsch, mit Elmar Scheuren zusammenzuarbeiten", sagt Haselier. "Diese Exponate konnten im Siebengebirgsmuseum seit dem Umbau und der Schwerpunktsetzung Rheinromantik nicht mehr gezeigt werden."

Kiepen, Heppen, Traubenmühle - Gerätschaften, die verdeutlichen, wie die Arbeit im Weinberg im Wandel der Zeiten aussah und in den Steillagen heute noch größtenteils aussieht. Sie sind alle datiert und mit klarer Herkunft notiert - zumeist natürlich aus dem Siebengebirge stammend.

"Somit haben wir diese Objekte auch aus ihrem Kellerdasein gerettet", so Haselier. Neben den Museumsstücken werden auch Exponate wie historische Postkarten und Weinetiketten denkwürdiger Jahrgänge aus dem Kreisarchiv des Rhein-Sieg-Kreises sowie vom Rhöndorfer Weingut Broel gezeigt.

So können die Besucher der Ausstellung neben historischen Glaspipetten oder Holzratschen auch eine "Weinverbessungstabelle" betrachten - oder um es mit Haseliers Worten zu sagen: eine "Pansch-Anleitung".

So schlägt diese Tabelle bei Most mit 50 Grad Oechsle zum Beispiel vor, Zucker und Wasser hinzuzufügen. Die Tabelle wird auf das Jahr 1900 datiert. "Definitiv stammt diese Tabelle aus der Zeit vor Inkraftreten des Weingesetzes zu Zeiten Kaiser Wilhelms II. am 7. April 1909", so Haselier.

Das Gesetz behandelte unter anderem die erste gesetzliche Definition von Wein, Neuregelungen der Weinverbesserung und somit Panschverbote und die Abtrennung der Weinkontrolle von der Lebensmittelkontrolle.

"Man muss natürlich bedenken, dass es sich damals nur selten um Haupterwerbswinzer handelte. Sie waren Obst- und Viehbauern, die eben auch Wein produzierten." Eine entsprechende Professionalisierung sei erst mit dem Weingesetz einhergegangen.

Die Ausstellung versetzt die Besucher in alte Zeiten zurück. So ist das Weinetikett eines "Penaten-Riesling Müller-Thurgau-Auslese" aus dem Jahr 1976 zu sehen.

Neben der Ausstellung zum Weinbau ist weiterhin die Ausstellung über die Geschichte der Firma Penaten am Standort Rhöndorf zu sehen.

Die Ausstellung "Expo Vinum" wird am Sonntag, 22. Februar, um 14 Uhr in der Heimatstube an der Löwenburgstraße in Rhöndorf eröffnet.