Ideenfindung mit Bürgern

Aegidiusplatz soll grüner werden

Ein bunter Teppich an Ideen: Hunderte Zettel füllten die Wände in der Ideenwerkstatt, die Professoren und Studenten auswerten.

Ein bunter Teppich an Ideen: Hunderte Zettel füllten die Wände in der Ideenwerkstatt, die Professoren und Studenten auswerten.

Aegidienberg. 120 Teilnehmer nutzten die Ideenwerkstatt von Architektur-Studenten unter dem Titel „Drei Lilien“, um ihre Vorstellungen zur Umgestaltung des Aegidiusplatzes zu äußern. Grüner werden solle der Platz, nicht mehr nur Parkplatz sein.

Manchmal, so berichteten die Architektur-Studenten der Technischen Hochschule Köln, „haben wir sogar ein bisschen Tratsch erzählt bekommen – wie das halt so ist im Dorf“. Und genauso gehört es sich ja für einen Dorfplatz: Man trifft sich, tauscht Neuigkeiten aus, sitzt gesellig beieinander. Aber ist der Aegidius-platz ein „richtiger“ Dorfplatz? Bei weitem nicht genug, finden die Aegidienberger. Und nutzten die Ideenwerkstatt der Studierenden unter dem Titel „Drei Lilien“, um genau das in vielen Gesprächen zu äußern. Grüner werden solle der Platz, nicht mehr nur Parkplatz sein, mehr Raum bieten für Außengastronomie: Solche und viele weitere Anregungen sammelten die Studenten an vier Tagen ein.

Die Initialzündung zu der „Charette“ – also einem neuen Verfahren der Ideenfindung im Städtebau – kam aus dem Ort selbst. Susanne Krell, aus vielen Ausstellungen bekannte Künstlerin aus Aegidienberg, stellte den ersten Kontakt zwischen Andreas Denk, Professor an der TH Köln, und dem Aegidienberger CDU-Ortsverbandschef Gerhard Kunz her. Mit der Idee, die Architektur-Studenten einzubinden in die Ideenfindung für den Aegidiusplatz, liefen die Initiatoren – neben Denk waren das dessen Kolleginnen Susanne Kohte und Daniela Kaufmann – bei Kunz und generell offene Türen ein. Ob in Vorgesprächen mit der Stadtverwaltung, ob durch Bewirtung durch Kunz und die ansässigen Gastronomen bei der Abschlusspräsentation: Die Ideenwerkstatt erfuhr jede Unterstützung, resümierte Denk bei der Abschlusspräsentation. Mit im Boot war auch das m:ai, das Gelsenkirchener Museum für Architektur und Ingenieurbaukunst, das das Projekt fördert. Und für die angehenden Architekten bot sich die Chance, ganz praktisch Kommunikations- und Darstellungsfähigkeiten zu üben, so Denk.

Drei weiße Lilien auf dürrem Boden

Das Motto „Drei Lilien“ leitet sich ab von einer Wundergeschichte des Schutzpatrons der Aegidienberger Kirche, Sankt Aegi-dius: Als ein Klosterbruder an der Jungfräulichkeit der Maria zweifelte und drei Fragen in den Sand schrieb, erblühten als Antwort des Ägidius drei weiße Lilien auf dem dürren Boden, so die Legende.

Als Ort der Ideenwerkstatt wurde ein leer stehendes Ladenlokal zur Verfügung gestellt. Und das war besonders bei der Abschlusspräsentation komplett gefüllt. In 120 Einzelgesprächen, so Studentin Jenny Meyer, waren zuvor die Anregungen der Bürger notiert worden – ein bunter Teppich an Ideen, wie der zum Parkplatz degradierte Quasi-Dorfplatz besser gestaltet werden könnte. Die Notwendigkeit, dass dort etwas passiert, ist lange unbestritten. Von der Initiative jetzt erhofft man sich, dass eine Verbesserung möglich gemacht wird. „Es ist wichtig, dass ein solcher Prozess nicht folgenlos bleibt“, so Denk. Bedeutet auch: Die Bürger müssen sehen, dass sich aktive Teilhabe auszahlt. Das Neue an der Charette, ein aus den USA stammendes Verfahren: Nicht die Planer machen einen Vorschlag und legen diesen den Bürgern zur Diskussion vor, sondern die Bürger machen Vorschläge, aus denen Pläne entwickelt werden – gegebenenfalls auch als Steinbruch mit einzelnen Elementen.

Aegidienberg will seinen Dorfplatz zurück

Vor Augen geführt wird das, was die Studenten in Erfahrung gebracht haben, nach der nun folgenden weiteren Auswertung schon in wenigen Wochen. Meyer: „Wir wollen die Ergebnisse hier visualisieren, in Zeichnungen oder auch in Modellen.“ Diese werden dann der Stadt und der örtlichen Politik übergeben. Dass die Ergebnisse durchaus spannend sind, zeigt unter anderem dieses Beispiel: Zwar befürwortete eine Mehrheit weniger Parkplätze – allerdings war die Mehrheit doch recht knapp. Deutlicher fielen die Voten aus für mehr Grün, für Sitzgelegenheiten, für die Schaffung einer durchgehenden Allee, für Wasserflächen als belebendes Element und mehr Fläche zum gemeinsamen Verweilen. Und: Nur drei Teilnehmer wollen alles so lassen, wie es ist. Kurzum: Die Aegidienberger wollen ihren Dorfplatz zurück.