Tafel in Rhöndorf enthüllt

Adenauerhaus wird Station am Weg der Demokratie

Siebengebirge. Das Adenauerhaus in Rhöndorf gehört jetzt zu den Stationen am Weg der Demokratie. Demnächst kommt auch der Petersberg hinzu. Der Weg der Demokratie erinnert in Bonn und Umgebung an wichtige Orte der deutschen Demokratiegeschichte.

Genau genommen war der Termin überfällig: Die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus ist jetzt Teil des Weges der Demokratie. Vertreter des Bonner Hauses der Geschichte und der Stiftung enthüllten die Tafel, die die nach Konrad Adenauer benannte Stiftung und das Wohnhaus des „Alten von Rhöndorf“ offiziell als wichtigen Ort bei der Entstehung der Bundesrepublik Deutschland und ihrer demokratischen Grundordnung ausweist.

Auch am Petersberg, nach dem Krieg bis 1955 Sitz der Hohen Kommissare, wird demnächst eine solche Tafel aufgestellt – ebenfalls einer jener Orte in Bonn und Umgebung, an denen deutsche Demokratiegeschichte geschrieben wurde, wie der Sammlungsdirektor der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Dietmar Preißler, betonte. Der Rundweg ist eine Initiative des Hauses der Geschichte und der Stadt Bonn. Mit seinen Stationen erinnert er an historische Orte und Geschehnisse, die mit der demokratischen Grundordnung in Zusammenhang stehen.

Und er unterstreicht genauso die Bedeutung der demokratischen Grundordnung und Werte für das Heute und Morgen, wie auch Staatssekretär a.D. Manfred Speck, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, unterstrich. „Es lohnt sich, Demokratie jeden Tag aufs Neue zu leben – und sie muss immer wieder erkämpft werden“, sagte Speck, der den Bogen zu den Wahlen zum EU-Parlament am 26. Mai schlug.

Der Weg der Demokratie führt zu Orten, an denen die Bonner Jahre der Bundesrepublik greifbar und erfahrbar sind – eine Perlenschnur, die an die Entstehung des Grundgesetzes vor 70 Jahren ebenso erinnert wie an die folgenden Jahrzehnte, in denen in der alten Bundeshauptstadt am Rhein Geschichte geschrieben wurde.

Ursprünglich nur Bonner Gebäude dabei

Ursprünglich gehörten nur Bonner Gebäude wie Bundeshaus und Plenarsaal, Bundeskanzleramt, Palais Schaumburg und Villa Hammerschmidt zu den Stationen. 21 große und 43 kleinere Tafeln weisen an Gebäuden bereits auf deren Bezug zur Demokratie der Bundesrepublik hin. Preißler: „Zugleich stellte sich natürlich die Frage auch nach Orten in der Region, die dazu gehören.“

Vor diesem Hintergrund wurden jüngst die Stadthalle Bad Godesberg und das Willy-Brandt-Forum in Unkel mit entsprechenden Info-Tafeln ausgestattet. Auch der Petersberg werde als ein Ort auf dem Weg der Demokratie ausgewiesen werden, so Preißler.

„Wir hatten schon lange die Hand gehoben“, machte Corinna Franz, Geschäftsführerin der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, aus ihrer Freude über die Würdigung keinen Hehl. Wenn nicht in der Wahlheimat des „Alten von Rhöndorf“, wo sonst wohl wurde Demokratiegeschichte geschrieben? „Wir verstehen uns als Ort der Demokratie, weil Adenauer hier die Politik erdacht hat, die er in Bonn gemacht hat.“

Preißler: „Man begegnet dem Gründungskanzler natürlich an zahlreichen Orten auf dem Weg der Demokratie.“ Etwa im Museum Koenig, in dem am 1. September 1948 mit einem Festakt der Parlamentarische Rat unter seiner Präsidentschaft die Arbeit aufnahm. Zugleich „liegt es absolut auf der Hand, die Stiftung in den Weg zu integrieren“.

In Rhöndorf weist die Tafel auf eine Begebenheit hin, die Adenauer selbst in der Rückschau einmal als „seine wichtigste politische Entscheidung“ bezeichnet habe, so Franz: die Rhöndorfer Konferenz. Bei der waren nach der Bundestagswahl 1949 die Weichen für die bürgerliche Koalition gestellt worden – die Gegner derselben und damit Befürworter einer großen Koalition hatte Adenauer kurzerhand nicht zu dieser Runde eingeladen. Nur kurz darauf folgte im Parlament die Wahl Adenauers zum Bundeskanzler mit der legendären einen Stimme Mehrheit.

Der Weg der Demokratie

Der „Weg der Demokratie“ erinnert in Bonn und Umgebung an wichtige Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Er wurde im Mai 2004 eröffnet und ist ein Kooperationsprojekt der Stiftung Haus der Geschichte und der Stadt Bonn. 21 große Tafeln informieren über Gebäude mit historisch-politischer Bedeutung wie das Bundeskanzleramt, das Palais Schaumburg oder das Museum Koenig. Dazu kommen 43 kleinere Stationen.

Aus Anlass des 60. Jahrestages der Verabschiedung des Godesberger Programms wurde im Februar zudem eine Gedenktafel am Haupteingang der Stadthalle enthüllt. Dort hatte die SPD am 15. November 1959 den Wandel von einer sozialistischen Arbeiterpartei zu einer Volkspartei eingeleitet. Auch das 2011 gegründete Willy-Brandt-Forum in Unkel erhielt eine Tafel sowie nun die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus. Adenauer ließ sein Familienhaus in den 1930er Jahren erbauen; er lebte hier von 1937 bis zu seinem Tod 1967.

Demnächst folgt der Petersberg, 1952 Amtssitz der Alliierten Hohen Kommissare und später Bundesgästehaus, in dem auch bedeutende politische Tagungen wie die Afghanistan-Konferenzen 2001 und 2002 stattfanden.

An diesem Sonntag, 19. Mai, findet im Adenauerhaus das Museumsfest statt. Im Fokus steht „70 Jahre Grundgesetz“. Von 10 bis 18 Uhr gibt es viel Programm. Um 11 Uhr tritt Kabarettist Jürgen Becker auf. Der Eintritt ist frei.