Neues Museum für Bad Honnef

Aalschokker ist jetzt ein Museum

Erika Ost und und Rudi Beerendonk legen derzeit letzte Hand an die Einrichtung des kleinen Museums in der Kajüte an.

Erika Ost und und Rudi Beerendonk legen derzeit letzte Hand an die Einrichtung des kleinen Museums in der Kajüte an.

Bad Honnef. Pünktlich zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag wird in Bad Honnef ein schwimmendes Museum eröffnet: Denn auf dem Aalschokker Aranka auf dem toten Rheinarm wird die Geschichte des Fischfangs lebendig.

Der Außenbordmotor blubbert im trüben Wasser. Vorsichtig steuert Rudi Beerendonk, wie Klaus Figge eine der ehrenamtlichen Stützen des gemeinnützigen Vereins Aranka, das Boot längsseits an das gleichnamige Schiff. Gekonnt vertäut Erika Ost das Seil unweit der Leiter, über die das schwimmende Denkmal zu erreichen ist.

Wie oft sie das in den vergangenen zwei Jahren wohl gemacht hat? Erika Ost kann es nicht einmal schätzen. Aber „es war schon ganz schön oft“, sagt sie. Und: „Hätten Sie mir vor ein paar Jahren gesagt, wie oft ich hier herüberfahren würde, ich hätte es nicht geglaubt.“ Grund ist das jüngste Aranka-Projekt, das Erika Ost unter ihren Fittichen hat: die Ausgestaltung des Aalschokkers zu einem kleinen, aber umso feineren Museum. Pünktlich zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, wird das Aranka-Museum eröffnet. An Bord, wo sonst.

Ebenda angekommen, geht es über eine Stiege unter Deck in die Kajüte. Diese war zuletzt und bis 1989 Willi Jansen weit mehr als bloße Arbeitsstätte: Sie war den Familien der Aalfischer auch ein Stück Zuhause. Sesam öffne Dich: Erika Ost öffnet eine der Schranktüren, die im Zuge der Innenrestaurierung vor einigen Jahren auch einen neuen Anstrich bekommen haben. Zum Vorschein kommt – ein Bett. „Hier, vor den Wandschränken, da gab es eingebaute Sitzbänke, auf denen schliefen die Kinder“, sagt Erika Ost.

Anteil am Wohl und Wehe „ihrer“ Aranka

Ganze Sommer – die Aalfangsaison dauerte meist von April bis in den Oktober – verbrachte etwa die Familie von Paul Jansen, der 1934 in Bad Honnef tätig wurde, auf dem Schokker. „Von seiner Tochter Annemarie ten Haaf wissen wir auch, dass die Bettwäsche rot-weiß kariert war. Und haben uns gerne daran gehalten“, sagt Erika Ost.

Segensreich sind die Zeitzeugenberichte von Annemarie ten Haaf sowieso, auch, um Wissen aus Generationen über einen einst wichtigen Wirtschaftszweig am Rhein zu erhalten und weiterzugeben. Annemarie ten Haaf – ihr Bruder war der letzte seiner Zunft am Mittelrhein – nimmt bis heute regen Anteil am Wohl und Wehe „ihrer“ Aranka.

So berichtete sie über die eigentliche Fischerei, die sich nach den Lebenszyklen der nachtaktiven Aale richtete, oder die anderen Arbeiten an Bord wie das Knüpfen und Ausbessern der bis zu 30 Meter langen Netze, die am Mast hochgezogen wurden. Sogar kleinere Arbeitsgeräte wie Netznadeln und Spreizhölzer konnte sie noch für das Schiffsmuseum, pardon: Museumsschiff beisteuern.

Diese verbergen sich jetzt hinter den anderen Türen der Kajüte, ebenso ganz viele Fotos und Informationstafeln zu Aal und Aalfang, zur Geschichte der Aranka, zu ihrer Rettung und zu „Aranka hilft“, jenem Synonym für die Unterstützung sozialer Projekte und hier vor allem der Jugend. Dass aus dem Ursprung, ein Denkmal zu bewahren, Aalkönigskomitee und -fest und damit eine große Hilfe erwachsen ist, begeistert Erika Ost. Denn: Bis 2014 finanzierte das Aalkönigkomitee 250 Projekte mit mehr als 300.000 Euro. Bedingt durch die Flüchtlingsthematik wurde das Engagement nochmals verstärkt; 2015 flossen mehr als 50.000 Euro in konkrete Jugend- und Integrationsprojekte.

"Viel Liebe, Zeit und Engagement"

Zugleich gilt es, das Denkmal zu erhalten, ein Anliegen von Aranka e.V. mit Günther Raths an der Spitze. An die 100.000 Euro, den Kauf eingerechnet, wurden schon investiert. Drei Mal war die Aranka auf der Werft. Und Tausende Stunden investierten alleine Klaus Figge und Willi Beerendonk. So entstand bei Erika Ost die Idee für das Museum: Ein hoher finanzieller Aufwand, vor allem aber „viel Liebe, Zeit und Engagement stecken in dem Schokker, da dachte ich, den muss man doch der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Es wurde ein Mehrjahresprojekt, und längst brennt auch Erika Ost für die Aranka. Mit dem Sammeln von Wissen war es nicht getan. Alles wollte gesichtet, bewertet, geordnet werden. Erika Ost und Kristine Grommes verarbeiteten die umfangreichen Informationen in Texten für die Info-Tafeln.

Unterstützung bei der Gestaltung der Ausstellung gab es von Günter Marquardt, Ausstellungsgestalter aus Köln. „Und hier gibt es nicht einen rechten Winkel, alles musste extra angepasst werden“, so Erika Ost. Rund 10 000 Euro steuerte der Landschaftsverband Rheinland zum Museum bei, die gleiche Summe investierte Aranka e.V.. Und wie geht es weiter? „Ein Denkmal erhalten, da gibt es immer etwas zu tun, es hört nie auf“, sagt Erika Ost.