Bürgerverein Aegidienberg

90 Jahre nach Separatistenabwehr Gedenkttafel enthüllt

Eine schwere Erinnerung: Aegidienberger gedenken der Männer, die sich gegen die Separatisten zur Wehr setzten.

AEGIDIENBERG. Das Denkmal für die Separatistenabwehr in Hövel hat eine neue Seite. Beim Gedenken 90 Jahre nach der Schlacht vom 15. und 16. November 1923 enthüllte der Bürgerverein Aegidienberg eine Tafel.

Auf der Steinplatte sind die Namen von Landarzt Fritz Rehdantz, Ortsvorsteher Michael Klein und von dem ehemaligen Frontoffizier Hermann Schneider festgehalten, die damals den Widerstand gegen die Separatisten organisierten. Außerdem erinnert ein frischer Kranz an die mutigen Männer, die sich zur Wehr setzten, und an die Opfer.

Die Vereine waren gekommen - die Hubertus-Schützen, die Karnevalisten, die Sportfreunde Aegidienberg, die Freiwillige Feuerwehr. Der Kirchenchor und der MGV Liederkranz gestalteten die Stunde musikalisch. Rehdantz-Tochter Liesel Kempen war dabei. Und aus Eudenbach nahmen Heimatforscher Wilbert Fuhr und die Bürgervereins-Vertreter Rolf Stockhausen und Lothar Binias teil.

Vizebürgermeisterin Annette Stegger, Bürgervereinsvorsitzender Bernhard Fiebig und Elmar Scheuren, der Leiter des Siebengebirgsmuseums, informierten über die Separatistenschlacht und genauso über die Zeitumstände, die zu diesen Verwicklungen führten, aber ebenso über die Bewertungen dieser Ereignisse in den Jahrzehnten danach. Fiebig erinnerte an die Bestrebungen verschiedener politischer Gruppierungen, das Rheinland von Preußen ablösen und eine Rheinische Republik durchsetzen zu wollen.

"Die Vertreter der Rheinischen Republik zogen im November 1923 den Rhein hinunter und erreichten mit ihren Kämpfern unser Gebiet. Weil die Truppen, zumeist Entwurzelte der Kriegs- und Nachkriegszeit, nicht verpflegt werden konnten, sollten im Hinterland Lebensmittel beschlagnahmt werden. Die hiesige Landbevölkerung, meist kleine Bauern und Arbeiter in den umliegenden Steinbrüchen, schlossen sich zusammen, um ihr bescheidenes Eigentum zu verteidigen."

Die Folge: Der 18-jährige Peter Staffel aus Eudenbach-Hühnerberg wurde erschossen, Gerhard Dahm, Leonhard Kraus und Hubert Weinz mussten als Geiseln um ihr Leben fürchten, und Theodor Weinz erlitt einen Bauchschuss, der zu seinem Tode führte. Nach der Schlacht mussten 14 Separatisten auf dem Aegidienberger Friedhof begraben werden.

Alle drei Redner unterstrichen: "Auch die Separatisten waren Opfer, Opfer ihrer politischen Idee und ihrer Führer." Annette Stegger ergänzte: "Es gab keine verlässliche Staatsgewalt damals. Die Bürger wussten, sie waren auf sich gestellt." Und: "Diese Tragödie macht uns bewusst, welchen Wert unser Rechtsstaat hat." Elmar Scheuren betonte: "Die 14 toten Separatisten wurden schnell beerdigt. Mit dieser schweren Erinnerung blieb der Ort allein."

Vortrag am Freitag
Elmar Scheuren hält am Freitag, 22. November, 18 Uhr im Siebengebirgsmuseum einen Vortrag über dieses Thema. Aegidienberger können sich um 17 Uhr bei Foto Welter einfinden, wo Fahrgemeinschaften gebildet werden.