Rheinschwimmen der DLRG Bad Honnef-Unkel

244 Schwimmer sind „jeck im Rhing“

Traditioneller Start: Von der Fähre aus stürzen sich die Schwimmer in den Rhein.

Traditioneller Start: Von der Fähre aus stürzen sich die Schwimmer in den Rhein.

BAD HONNEF. Das Rheinschwimmen der DLRG Bad Honnef-Unkel startete am Sonntag bei optimalen Bedingungen. Im 19 Grad kalten Wasser ging es von Linz zügig bis zur Insel Grafenwerth. Zahlreiche Helfer sorgten für die Sicherheit.

„Ist das jetzt das Ziel?“  fragte am Sonntag eine etwas ratlos dreinblickende Gestalt im schwarzen Neoprenanzug, die vor der Südspitze der Insel Grafenwerth aufgetaucht war. Auf dem Kopf trug sie eine Badekappe, auf der ein Quietscheentchen thronte.

Es war nicht die einzige merkwürdige Fracht, die der Rhein am Samstag mit sich führte: Zwischen aufblasbaren Badetieren paddelten Schwimmer mit Einhornbadekappen, rosa Flamingos im Haar oder gefährlich aussehenden Drachenzacken auf dem Kopf. Einer nach dem anderen kletterte am Südufer mühsam aus den Fluten – die starke Strömung machte den Teilnehmern des Rheinschwimmens das „Anlanden“ nicht leicht. Doch zum Glück passten Rettungskräfte in zahlreichen Booten genau auf, dass niemand der 244 Schwimmer, die sich in Linz in die Fluten gestürzt hatten, den „Ausstieg“ in Bad Honnef verpasste.

100 Meter in 50 Sekunden

Die Strömung hatte auch ihr Gutes: Die Schwimmer waren so flott unterwegs, dass sich der eine oder andere wunderte, schon am Ziel zu sein. Wie Thorsten Gödde, der als erster den Fluten entstieg: „Schnell war’s“, lautete sein Kommentar. Der Sauerländer, der zum ersten Mal teilgenommen hat, sah nach dem eineinhalbstündigen Schwimmmarathon im 19 Grad kalten Wasser weder erschöpft noch verfroren aus: „Im Schnitt 50 Sekunden auf 100 Meter – geile Zeit“, sagt er zufrieden.

Aber für ihn als aktiven Triathleten ist das Rheinschwimmen auch eigentlich „nur was zum Warmwerden“. Spaß gemacht hat es trotzdem. Auch Barbara Stohr aus Münster zählte zu den Sportcracks, die dem breiten Teilnehmerfeld vorweg schwammen – vergangene Woche hatte sie noch an den Deutschen Meisterschaften im Flossenschwimmen teilgenommen, jetzt kletterte sie als zweite aus dem Wasser. Auch wenn es am Samstag keine Siegerehrung oder Zeitwertung gab, bereute sie die Anreise nicht: „Es ist eine schöne, familiäre Veranstaltung hier.“

Der Spaß steht im Vordergrund

Für die meisten Teilnehmer ging es ohnehin nur um eins: Spaß. „Es ist ausdrücklich kein Wettbewerb,“ betonte DLRG-Vorstandsmitglied Stephan Priss. Entsprechend hatte man die Veranstaltung in diesem Jahr unter das Motto „Jeck im Rhing“ gestellt – und viele Schwimmer waren auch tatsächlich jeck unterwegs. „Genitiv ins Wasser, weil es ist Dativ“, war auf den T-Shirts einer Gruppe aus Remscheid zu lesen. Es handelte sich aber nicht um schwimmende Deutschlehrer, sondern um sechs Mitglieder der „Remscheid Aquatics“. Und die sind in Sachen Rheinschwimmen bereits Wiederholungstäter: „Das ist immer ein Event hier“, so Axel Druckrey und Wilfried Meyer.

Taucher aus Wuppertal treten mit 17 Mann an

Die Taucher des SV Bayer Wuppertal waren sogar mit 17 Mann angereist – kein Wunder, die Wupper ist für derartige Abenteuer einfach zu flach. Nur als bedingt seetauglich erwiesen sich viele aufblasbare Badetiere. Ihnen war im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausgegangen. Seit 34 Jahren richtet die DLRG Ortsgruppe Bad Honnef-Unkel das Rheinschwimmen bereits aus, zum 33. Mal insgesamt. Nachdem die Veranstaltung 2018 aufgrund des Niedrigwassers ausgefallen war, freute man sich jetzt über gute Bedingungen und schönes Wetter.

Organisatorisch war die Veranstaltung wieder eine Meisterleistung: Mehr als 50 Ehrenamtler trugen zum reibungslosen Ablauf bei, mit im Boot waren auch Helfer des THW Bad Honnef, des Malteser Hilfsdienstes, der Freiwilligen Feuerwehren aus Bad Honnef, Königswinter und Unkel, der DLRG Ortsgruppen Rhein-Sieg, Eitorf, Bonn, Troisdorf und Andernach, die Wasserschutzpolizei Andernach sowie der Kanu Club Unkel. Zehn Begleitboote sicherten die Schwimmer auf der 10,5 Kilometer langen Strecke ab.

Typisierungsaktion für die DKMS

Wer vorher stramm geschwommen war, hatte hinterher die Gelegenheit, feste zu feiern. Im Freibad war eine Budenstadt aufgebaut. Besonders geehrt wurde Nadine Süßmann. Die Rettungsschwimmerin der DLRG Oberpleis hatte kurzfristig eine Typisierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspender-Datei (DKMS) auf die Beine gestellt und so am Samstag 15 neue, potenzielle Lebensretter gewonnen. Vor einem Jahr hat Süßmann selbst Knochenmark gespendet und so einen leukämiekranken Menschen vor dem Tod bewahrt: „Das ist ein Gefühl, das kann man nicht beschreiben, dass man mit so wenig Aufwand jemandem das Leben retten kann.“

Kein Rheinschwimmen des Kanu-Clubs Unkel

Übrigens: Ein weiterer Rheinschwimmen-Termin findet in diesem Jahr nicht statt. Der Kanu-Club Unkel, der sonst ebenfalls mit einer ähnlichen Veranstaltung aufwartete, teilte mit, dass auch im August dieses Jahres kein Rheinschwimmen stattfinden wird. Im vergangenen Jahr hatte das Schwimmevent der Kanuten wegen des extremen Niedrigwasser abgesagt werden müssen. Der neue Vorstand des Vereines weist nun auf begonnene Neukonzipierung der Vereinsaktivitäten hin.