Von Leutesdorf bis nach Königswinter

24 Wanderer marschierten 24 Stunden für den guten Zweck

BAD HONNEF/KÖNIGSWINTER. Ein merkwürdiges Bild. In der Nacht um zwei Uhr packten sie am Auge Gottes die golden schimmernden Rettungsdecken aus. Sie legten sich für wenige Minuten auf den Boden, um die Beine zu entlasten.

Und weiter ging es auf dem Rheinsteig, soweit die Füße trugen. 24 Wanderer waren 24 Stunden lang pausenlos unterwegs. Bei Tag und Nacht.

Sie bewältigten eine Strecke von 70 Kilometern - von Leutesdorf am Rhein über Bad Honnef bis nach Königswinter. Sie schafften dabei die Höhenmeter der Zugspitze von rund 3000 Metern. Und: Diese Eisenhart-Akteure erreichten eine Rekordmarke, von der sie nicht einmal zu träumen gewagt hatten.

Sebastian Gronbach, der mit seiner Frau Fedelma diesen Extremgang für den guten Zweck initiiert hatte, sagte gestern am Ziel: "Wir haben mit rund 2000 Euro gerechnet. Jetzt werden wir die dreifache Summe zusammenbekommen."

Jeder Teilnehmer suchte nämlich Unterstützer und sammelte für diesen Extrem-Spaziergang bei Freunden und Bekannten. Das Ehepaar Gronbach wird das Geld dem Leiter eines "Medical-Camps" im Norden Indiens überreichen. Fedelma Gronbach: "Vor allem blinden Menschen aus der armen Landbevölkerung wird dort geholfen. Eine solche Operation kostet 25 Euro. Der komplette Erlös unserer Wanderung fließt in dieses Projekt. Da können wir einiges bewirken." Außerdem sollen junge Frauen zu Krankenschwestern ausgebildet werden.

Wie die beiden Meckenheimer auf die Idee kamen? "Wir sind begeisterte Wanderer und wollten unser Hobby mit einer guten Tat verknüpfen." Die Wanderung stand unter dem Motto "Helden für Helden". Aber es waren nicht nur gut durchtrainierte Teilnehmer dabei. Angela Weber zog dieses Ding ohne Vorbereitung durch.

Eva Gronbach schaffte es ebenfalls ohne Training. "Es ist spektakulär. Der Körper wird immer schwerer, der Geist immer leichter. Die Gruppe trägt einen. Am Ziel liefen die Tränen." Für etwas Erleichterung sorgten die Organisatoren. Sebastian Gronbach bildete das Schlusslicht und schleppte auch mal für andere den Rucksack, wenn es gar zu anstrengend wurde.

Fedelma, Bergwanderführerin und Yoga-Lehrerin, führte die Spitze an, war für die Brötchenpause auf der Erpeler Ley zuständig, für Dehnungsübungen zwischendurch und für Blasenpflaster. "30 hatte ich im Gepäck. Sie sind alle weg." Aber für ihr Ziel ließen sich die Wanderer auch von Schmerzen nicht unterkriegen.

Nachgefragt
Philosoph Thomas Steininger (50) reiste eigens aus Frankfurt an. Es war seine erste Wanderung über 24 Stunden. Mit dem Österreicher sprach Roswitha Oschmann.

Was hat Sie gereizt?
Thomas Steininger: Man weiß nicht, wie es ausgehen wird. Ich bin aber vom Schaffen ausgegangen. Ich wusste ja nicht, wie schwer die Beine werden und wie stark die Müdigkeit ist.

Die ganze Nacht durchzuwandern, wie war das?
Steininger: Traumhaft schön. Man geht durch Tag und Nacht, man beobachtet, wie das Licht geht, ganz weg ist und wiederkommt. Die Tagvögel hören auf, die Nachtvögel fangen an.

Hatten Sie Momente, in denen Sie am liebsten aufgegeben hätten?
Steininger: Nein. Aber die letzten Kilometer nach dem Frühstück im Café Profittlich in Rhöndorf waren ziemlich anstrengend.

Welche Ausblicke haben Ihnen auf der Strecke gut gefallen?
Steininger: Der Blick auf den Rhein, besonders der vom Drachenfels, war wunderschön. Ich habe es genossen.

Was machen Sie nach dieser Anstrengung?
Steininger: Ich gehe in die Sauna.