Recherche mit Zeitzeugen

100 Jahre Städtisches Siebengebirgsgymnasium Bad Honnef

Sibi Geschichts-AG

Sibi Geschichts-AG

Bad Honnef. Vor genau 100 Jahren ist das Bad Honnefer Gymnasium gegründet worden und die Fünft- und Siebtklässler haben es sich zum Ziel gesetzt, im Jubiläumsjahr gemeinsam mit der Lehrerin Amelie Schmitz der Schulhistorie nachzuspüren.

In dem Jahr, in dem aus der privaten Knabenschule in Bad Honnef das öffentliche Progymnasium wurde, endete der Erste Weltkrieg und in Berlin riefen Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht die Republik gleich zweimal aus. Im Sommer 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, mussten in dem Gymnasium alle Kreuze entfernt und durch nationalsozialistische Hakenkreuze ersetzt werden. Wenige Wochen vor Kriegsende, im Fe-bruar 1945, kam der Unterricht zum Erliegen, amerikanische Soldaten nutzen die Schulräume als Lazarett.

Es sind drei von zahlreichen historischen Ereignissen, die die Schüler der Geschichts-AG am Siebengebirgsgymnasium (Sibi) in den vergangenen Monaten zusammengetragen haben. Vor genau 100 Jahren ist das Bad Honnefer Gymnasium gegründet worden und die Fünft- und Siebtklässler haben es sich zum Ziel gesetzt, im Jubiläumsjahr gemeinsam mit der Lehrerin Amelie Schmitz der Schulhistorie nachzuspüren. „Die Idee ist, wichtige Ereignisse an der Schule mit historischen Daten in Deutschland, aber auch in Bad Honnef in Verbindung zu setzen und dies anhand eines Zeitstrahls zu dokumentieren“, so Schmitz.

Einmal in der Woche sitzen die Schüler nachmittags zusammen und recherchieren in verschiedenen Quellen. So etwa in den alten Jubiläumsschriften zum 50- und 75-jährigen Bestehen der Schule, dem Schularchiv, im Internet oder aber im Gespräch mit Zeitzeugen wie Willi Birenfeld. 1942 wurde er am Sibi eingeschult, 1966 kehrte er dorthin als Lehrer zurück. Birenfeld hat nicht nur historische Fotos aus seinem Fundus zu den Treffen mitgebracht, sondern auch so manche Anekdote beigesteuert.

Schüler interessieren sich für die Zeit

Etwa zum Thema Schulspeisung, die in den Nachkriegsjahren eingeführt wurde. „Es gab abwechselnd Biskuitsuppe und grüne Pampe“, erinnert er sich mit einem Augenzwinkern. Wobei „grüne Pampe“ die in Schülerkreisen gängige Umschreibung für die Erbsensuppe war, die in großen Kesseln in der Caritasküche zubereitet wurde. „Die mochte keiner“, erinnert er sich. „Hingegen war Biskuitsuppe eine beliebte Tauschware.“ Es seien „sehr angeregte Gespräche“ mit den Schülern gewesen, sagt Birenfeld. „Die Kinder waren neugierig und haben sehr viele Fragen gestellt. Das fand ich schon beachtlich.“

„Geschichte interessiert mich einfach“, sagt Erik, der die siebte Klasse am Sibi besucht. „Es gibt so viel herauszufinden.“ Neu sei für ihn etwa gewesen, dass in den Jahren 1940/41 alle Schüler der achten Klasse in den Krieg eingezogen wurden. Romea hingegen hat noch gut den Spruch im Kopf, den der eine oder andere Lehrer anlässlich der erstmaligen Aufnahme von Mädchen an die Schule 1937 gesagt haben soll: „Lange Haare, kurzer Verstand“, habe es da geheißen. Auch diese Bemerkung findet sich auf dem mehrfarbigen Zeitstrahl wieder. Das gilt auch für die ersten Abiturienten am Sibi, die Ostern 1926 ihre Prüfungen bestanden: Otto Zickendraht, Wilhelm Solzbacher, Fritz Bodo von Petersdorf und Kurt Schiffer hießen die Absolventen. „Wir haben versucht, herauszufinden, was aus diesen Männern später geworden ist“, sagt Louise. Bei zwei Absolventen ist es ihnen auch gelungen. „Es ist ein schöner Gedanke, dass schon vor 100 Jahren Kinder hier zur Schule gegangen sind“, sagt die Fünftklässlerin.

Und dann im späteren Berufsweg nicht selten auch wieder dorthin zurückkehrten – wie Birenfeld. „Es gibt Familien in Bad Honnef, deren Kinder bereits in der dritten Generation das Sibi besuchen“, sagt er. „Wir sind eine Traditionsschule, was in unseren bewegten Zeiten nicht zu unterschätzen ist.“ Für die Schüler der Geschichts-AG beginnt jetzt die „heiße Phase“, wie Schmitz es formuliert. „Bis zu den Sommerferien gibt es noch einige Kapitel zu beleuchten.“ Darunter die Entwicklung der Austauschprogramme, der Kooperationen und Fremdsprachen. Bis zum Ende des Schuljahres soll das Projekt abgeschlossen, der Zeitstrahl im Großformat hinter Acrylglas verewigt und im Schulkorridor aufgehängt werden. Für die aktuelle Schülergeneration – und natürlich die zukünftige.