Lemmerz-Freibad in Königswinter

Initiative hofft auf 3.000 Unterstützer

Idyllisch liegt das Lemmerzbad am Fuße des Drachenfels. Die Postkarte stammt aus dem Jahr 1958.

Idyllisch liegt das Lemmerzbad am Fuße des Drachenfels. Die Postkarte stammt aus dem Jahr 1958.

Königswinter. Mit einer Unterschriftensammlung und anderen Aktionen will die Lemmerz-Freibad-Initiative die Schließung des Bades verhindern.

Die Initiatoren hoffen in den kommenden drei Wochen – die Sammlung soll bis zum 10. März dauern – auf bis zu 3.000 Unterschriften und danach auf ein Umdenken in Politik und Verwaltung. Am 23. Februar im Sportausschuss sowie am 2. März im Haupt-, Personal- und Finanzausschuss werden erste Weichenstellungen erwartet.

„Ich habe mich riesig über die Resonanz gefreut“, sagte Initiatorin Annette Hertner gestern dem General-Anzeiger. Ihre Sorge, dass sie bei der Auftaktveranstaltung in der Gaststätte Margarethenkreuz in Ittenbach alleine bleiben würde, war unbegründet. Rund 60 Teilnehmer zeigten durch ihr Kommen, dass ihnen die Schließung des Bades – durch die sich die Stadt einen Einspareffekt in ihrem Haushalt von 158.000 Euro in diesem Jahr und jeweils rund 300.000 Euro in den Folgejahren verspricht – nicht egal ist.

Alle 50 Klemmbretter mit jeweils fünf Listen à 15 Unterschriften wurden unter den Teilnehmern verteilt. Gesammelt werden soll überall in Königswinter, zum Beispiel in Geschäften, aber auch über die Stadtgrenzen hinaus. „Es sind noch keine Entscheidungen gefallen“, sagte Annette Hertner. „Es hängt von uns ab, dem Bürgermeister und dem Kämmerer zu zeigen, dass wir Schwimmer auch eine Lobby sind.“ Was die Initiative seit dem ersten Treffen vor vier Wochen bereits auf die Beine gestellt habe, sei unglaublich. Neben der Unterschriftensammlung werde es auch noch andere Aktionen geben.

Hertner stellte zu Beginn noch einmal die jahrelange Diskussion über die Zukunft der Bäder mit zwei gescheiterten Ausschreibungsverfahren dar, wobei stets das Hallenbad im Fokus gewesen sei. „Unser schönes Freibad stand wie ein Blinddarm hinten dran, und wir Schwimmer haben den Kopf eingezogen und gehofft, dass die Gewitterwolken vorüberziehen. Wir haben es genossen, quasi ein Privatbad zu haben“, so die Architektin.

Dabei habe das Engagement der Schwimmtreff GmbH, die seit 2009 neben dem Hallenbad auch das Freibad betreibt, in den vergangenen Jahren immer mehr nachgelassen. „Für den jetzigen Betreiber ist das Freibad ein Klotz am Bein“, so Hertner. Ideen, wie zum Beispiel Sonnenkollektoren oder die Umwandlung in ein Naturbad, die der Förderverein „Rettet unsere Lemmerzbäder“ entwickelt habe, seien nicht verfolgt worden. Das Bad sei stattdessen systematisch aufs Abstellgleis geschoben worden. Einfachen Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung, wie dem Frühschwimmen, habe der neue Betreiber in den folgenden Jahren keine weiteren folgen lassen.

Ein späteres Bürgerbegehren für den Fall, dass die Politik die Schließung des Freibades beschließen sollte, schloss Hertner nicht aus. Deshalb werden bereits bei der Unterschriftensammlung die strengen formalen Kriterien wie Wohnort und Alter (über 16 Jahre) erfasst, um einen Anhaltspunkt für die Erfolgschancen eines Bürgerbegehrens zu haben. Beim Bürgerbegehren „Lemmerzbäder erhalten und sanieren“ waren im vergangenen Jahr mehr als 6.000 Unterschriften gesammelt worden.

Nach Scheitern des Ausschreibungsverfahren war dieses jedoch nicht weiterverfolgt worden. „6.000 Menschen haben sich bekannt, beide Bäder zu erhalten. Das ist ja ein Fakt“, sagte die Vorsitzende des Fördervereins Inge Heuser-Losch, die auch das Bürgerbegehren initiiert hatte. Sie erinnerte daran, dass beide Lemmerzbäder ein Geschenk des Ehrenbürgers von Paul Lemmerz seien. „Man muss sein Geschenk in Ehren halten“, so Heuser-Losch. An die Teilnehmer der Versammlung gerichtet, meinte sie: „Wir sind das Volk.“