Kosten für ein Tiefgrab in Troisdorf: Zweiter Schock nach dem Tod | GA-Bonn

Kosten für ein Tiefgrab in Troisdorf

Zweiter Schock nach dem Tod

TROISDORF/SIEGBURG.  Wenn ein Familienangehöriger stirbt, sind Trauer und Schock groß. Der zweite Schock kommt dann, wenn es darum geht, die Bestattung zu bezahlen. Jorgos Nalbantis aus Troisdorf-Bergheim hatte den Tod und die Beerdigung seines Vaters zu verkraften, als die Rechnung der Stadt Troisdorf ins Haus flatterte.
Am Grab seines Vaters: Jorgos Nalbantis zahlte allein für den Aushub der Begräbnisstätte in Troisdorf 2800 Euro. In Sankt Augustin etwa sind dafür lediglich 840 Euro fällig. Foto: Michael Lehnberg

Die besondere Tragik: Kurze Zeit später beerdigte die Familie seinen Onkel - in Siegburg. Zwei Städte, zwei Rechnungen. Zwei Rechnungen und zwei extrem auseinander klaffende Preise. "Beide Begräbnisse waren absolut identisch", sagt Nalbantis und kann es immer noch nicht fassen. Das Tiefgrab in Siegburg wurde mit 422 Euro berechnet, das in Troisdorf mit sage und schreibe 2800 Euro. "Das wäre mir gar nicht aufgefallen, wenn es in der Familie nicht tragischerweise zwei Beerdigungen in zwei verschiedenen Städten gegeben hätte. Ich bin aus allen Wolken gefallen."

Der geschockte Nalbantis machte sich an die Recherche. "Nirgendwo im Umkreis von 200 Kilometern sind die Kosten für den Aushub eines Tiefgrabes so hoch wie in Troisdorf. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Frankfurt fragte mich, ob die in Troisdorf ein Loch gesprengt hätten." In Lohmar kostet das Tiefgrab 850 Euro, in Sankt Augustin 840 Euro, selbst die Stadt Bonn kalkuliert im Vergleich zu Troisdorf mit 964 Euro vergleichsweise moderat.

Die hohe Differenz wollte Nalbantis so nicht gelten lassen und nahm Kontakt zur Stadt Troisdorf auf. Man habe 15 Jahre die Gebühren nicht angepasst, hieß es dort. Jetzt habe man die Gebühren erhöhen müssen. Im Falle des Tiefgrab-Aushubes sind das satte 119 Prozent, in Euro: von 1278 auf 2800. Der Kämmerer meldete sich und bat Nalbantis ins Rathaus. "Der hat mir gesagt, er sei dafür eigentlich nicht zuständig, aber er wolle mir das versuchen zu erklären."

Fazit: Die Stadt müsse kostendeckend arbeiten, deshalb habe man die Gebühren erhöhen müssen. "Ich habe nur geantwortet, sie können mir das nicht erklären. Loch ist Loch." Ganz so scheint es nicht zu sein. "Es ist richtig, wir müssen kostendeckend arbeiten, haben neun Friedhöfe in der Stadt und schwierige Bedingungen", sagte Peter Sonnet vom Presseamt der Stadt Troisdorf.

Die sandigen Böden erforderten eine Spezialverschalung. Man habe mit engen Wegen und vielen Bäumen zu kämpfen und müsse Personal vorhalten. Überdies habe die Stadt neue Bagger angeschafft, die eigens zu den Friedhöfen transportiert werden müssen. Nalbantis nimmt die Erklärungen mit Sarkasmus zur Kenntnis. "Vielleicht kann ich mir einen Bagger abholen. Der müsste jetzt mir gehören."

Für die Verbraucherinitiative Bestattungskultur "Aeternitas" in Königswinter erscheint die Gebühr für den Aushub in Troisdorf sehr hoch. "Diese Unterschiede gibt es, aber Troisdorf scheint mir ein extremer Ausreißer zu sein. Ich halte das für zu teuer", sagte Aeternitas-Geschäftsführer Christoph Keldenich.

Er kenne landesweit keine Kommune mit einer so hohen Gebühr. Nalbantis indes hat die Rechnung bezahlt. "Obwohl ich das als Abzocke empfinde." Und noch zwei Zahlen: Die exakt gleiche Beerdigung seines Onkels in Siegburg kostete 6000 Euro, die seines Vaters in Troisdorf 14.000 Euro. "Hier wird das Leid der Angehörigen ausgenutzt", meint Nalbantis.

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