Sankt Augustin: Unter spontanem Applaus hat der Abriss der alten Tacke-Ruine begonnen | GA-Bonn

Sankt Augustin

Unter spontanem Applaus hat der Abriss der alten Tacke-Ruine begonnen

SANKT AUGUSTIN.  Ein kurzes Rucken von "Galeo", dem 33 Tonnen schweren und 240 PS starken Abrissbagger, schon zerfielen die schweren Mauern in ihre Einzelteile: Pünktlich um 15.18 Uhr hat am Donnerstagnachmittag der Abriss der Tacke-Ruine, begleitet von Spontanapplaus der Zuschauer und Blitzlichtgewitter dutzender Digitalkameras, begonnen.
Als Abrissbagger 'Galeo' ans Werk ging, ließen sich das viele Sankt Augustiner nicht entgehen.
								Foto: Holger Arndt
Als Abrissbagger 'Galeo' ans Werk ging, ließen sich das viele Sankt Augustiner nicht entgehen. Foto: Holger Arndt

Acht Jahre stand das Gebäude leer, verkam mehr und mehr zum Schandfleck, fasste Dieter Gawron, Geschäftsführer des Kölner Investors Immoga, den Ist-Zustand zusammen: "Alle Leute, die wir gefragt haben, sagten uns: Es ist völlig egal, was dahin kommt, Hauptsache der Schandfleck kommt weg."

Ganz so einfach machte es die Stadt dem Investor nicht. Erst zweieinhalb Jahre, nachdem Gawron mit der Stadt an den Verhandlungstisch trat, stand das Konzept fest: Ein Sparkassengebäude mit Büros an der Kreuzung, ein Lidl und das Fitnessstudio "City Fitness" im Obergeschoss sowie ein Seniorenwohnkomplex mit 120 Wohneinheiten. Auf rund 20 Millionen Euro Gesamtkosten für Entwicklung und Bau wird das Projekt geschätzt.

"Wir haben lange gerungen, hart gerungen, aber fair", sagte der Technische Beigeordnete Rainer Gleß. Ob das zu gelange gedauert habe? Dieter Gawron zögerte kurz, resümierte dann diplomatisch: "Für einen Investor kann es natürlich nie schnell genug gehen. Am Ende sind alle glücklich, und auch die Politik ist sich einig."

Rund drei Monate sind für den Abriss des bis zu 30 Meter hohen, 20 Meter breiten und rund 140 Meter langen Stahlbetonbaus veranschlagt. Entstanden war das Möbelhaus im Jahr 1970, 1986 kam ein zweiter Bauabschnitt dazu, 2005 kam die Schließung.

Ideen und Investoren gab es für das Areal viele, erinnerte Rainer Gleß: 2005 hatte ein Investor den Bau einer Tankstelle geplant, verlor aber auch vor Gericht gegen die Stadt, die seine Vorstellungen nicht teilte. 2006 stellte der Kölner Investor Göttsch KG Pläne für ein Modegeschäft, einen Backshop mit Café sowie einen Tierfachmarkt vor, doch die Finanzierung scheiterte. Die im Jahr 2009 geplante Kaufland-Filiale vertrug sich nicht mit Stadtentwicklungs- und Einzelhandelskonzepten.

Mit der zunehmenden Zahl der Investoren sanken das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit, stellte Rainer Gleß fest: "Daher ist es auch so unheimlich wichtig, dass sich jetzt und hier etwas tut." Mehr noch: "Ab dem heutigen Tag ist im Augustiner Zentrum eine neue Ära angebrochen, ein erstes Stück des Masterplans Urbane Mitte und Stadtentwicklungskonzept wird umgesetzt."

Den Abriss und den Neubau im Auge behalten will Brigitte Schmidt: "Wir wohnen gleich um die Ecke und werden jeden Tag gucken gehen, ob sich wieder etwas getan hat. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das noch erleben würde." Der Investor ist zuversichtlich, dass man bald Erfolge sieht: Sobald der nördliche Teil der Ruine abgerissen ist, sollen noch während des Abrisses die Bauarbeiten für den Discounter beginnen. Die Baugenehmigung liege bereits vor, die Genehmigung des Bank-Gebäudes erwarte man in spätestens zwei Wochen.

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