Umzug der Medienzentrale von Sankt Augustin nach Berlin: Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe | GA-Bonn

Umzug der Medienzentrale von Sankt Augustin nach Berlin

Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe

SANKT AUGUSTIN.  Der Umzug der Medienzentrale in Sankt Augustin ist beschlossene Sache. Anders als bisher bekannt, soll die Einrichtung der Bundeswehr noch bis Ende 2014 zum Teil in Betrieb bleiben. Doch ein Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber. Etwa 90 Prozent der zivilen Mitarbeiter würden nicht nach Berlin ziehen wollen.
Nicht mehr lange sendet die Medienzentrale aus Sankt Augustin. Der Umzug ist beschlossen.
								Foto: Axel Vogel (Archiv)
Nicht mehr lange sendet die Medienzentrale aus Sankt Augustin. Der Umzug ist beschlossen. Foto: Axel Vogel (Archiv)

Um die Mitarbeiter würde sich nicht gekümmert, ihre Sorgen würden nicht ernst genommen. Im Gespräch mit dem GA warf der Mitarbeiter der Informations- und Medienzentrale seinem Arbeitgeber vor, diejenigen Arbeitnehmer im Stich zu lassen, die nicht nach Berlin umziehen wollten.

Nach dem Beschluss des Verteidigungsministeriums soll die Zentrale in Sankt Augustin im Zuge der Bundeswehrreform aufgelöst und in Berlin eine neue Zentralredaktion aufgebaut werden. Gegen die Entscheidung hatte es parteiübergreifenden Widerstand gegeben. Der Mitarbeiter hat sich nun an die SPD gewandt, die erneut den Erhalt des Standortes fordert.

Laut dem Mitarbeiter würden 90 Prozent seiner Kollegen die Beteuerungen der Vorgesetzten als Hinhaltetaktik empfinden. Es gäbe keinen Plan B für Beschäftigte, die nicht umziehen wollten. Man fühle sich von den zuständigen Ministern und Behördenleitern vertröstet.

Nur zehn bis zwölf Beschäftigte hätten sich bereit erklärt, nach Berlin umzuziehen, weil sie bislang lediglich Zeitverträge hätten und langfristig um ihre Arbeitsstelle fürchteten. "Da geht keiner mit, weil er es möchte", sagte der Mitarbeiter. Besonders schlecht sei die Stimmung unter den Mitarbeitern, die ihren Wohnort nicht ohne Weiteres wechseln könnten.

Dazu gehörten Familien mit behinderten Kindern und Mitarbeiter, deren hohe Spezialisierung sie daran hindere, in Berlin derselben Tätigkeit nachzugehen. Bis auf freiwillige Informationsveranstaltungen sei zudem keiner der Betroffenen durch persönliche Anschreiben oder Gespräche informiert worden. Auch hätte es bislang keine rechtlich bindenden Personalgespräche gegeben.

Zwar wären im Frühjahr 2012 freiwillige Erfassungsbögen verteilt worden, die von den Mitarbeitern ausgefüllt wurden. Unter anderem sollten sie sich dazu äußern, ob sie mit nach Berlin ziehen wollten. Doch darauf habe man keine Reaktion mehr bekommen. "Die Behörde lässt über ein Jahr verstreichen und kümmert sich nicht darum", so der Beschäftigte. Das schüre Ängste unter den Mitarbeitern. "Meiner Meinung nach herrscht absolutes Chaos bei denen da oben", so der Beschäftigte.

Dem widerspricht Stefan Preusse, Leiter der Medienzentrale. Die Anschuldigungen bezeichnet er als sachlich falsch. Man habe früh das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Bonn und die Wehrbereichsleitung in Düsseldorf ins Boot geholt. Es seien Personalgespräche geführt und Jobangebote gemacht worden. In keinem Fall sei es zu einer finanziellen oder fachlichen Herabstufung gekommen. "Es gibt zudem keinen Druck auf die Mitarbeiter, nach Berlin mitzugehen", so Preusse.

Es sei allerdings nicht einfach, in allen Härtefällen eine schnelle Lösung zu finden. Man befinde sich in einem laufenden Prozess. "Meine allerhöchste Sorge gilt ausschließlich den Mitarbeitern und ihrer Zukunft, und das ist keine leere Floskel", so Preusse. Anders als bislang bekannt, würde das Medienhaus zudem nicht zum Ende des Jahres zumachen, sondern erst Ende 2014.

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