Feuerwehr-Streit in Ruppichteroth: Jetzt schaltet sich die Bezirksregierung ein | GA-Bonn

Feuerwehr-Streit in Ruppichteroth

Jetzt schaltet sich die Bezirksregierung ein

RUPPICHTEROTH.  Der Streit in der Freiwilligen Feuerwehr Ruppichteroth spitzt sich zu: Nach dem Austritt von 30 Kräften des Löschzugs Ruppichteroth aus Unmut über Wehrführer Claus Müller hat der Bezirksbrandmeister den Kreis um Stellungnahme gebeten. Das sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung in Köln auf Anfrage.
Die Jacken ausgetretener Wehrleute im Rathaus.
							Foto: Axel Vogel
Die Jacken ausgetretener Wehrleute im Rathaus. Foto: Axel Vogel

Unterdessen geht einer der Wehrleute mit konkreten Vorwürfen in die Offensive. Bislang waren Müllers fachliche und soziale Kompetenz in Abrede gestellt worden. Nun listet Siegmar Bröhl, der zu den acht ausgetretenen Feuerwehr-Führungskräften gehört, Fälle von dienstlich nicht korrektem Verhalten auf.

Ausgangspunkt für den seit rund zwei Jahren schwelenden Konflikt war die Kontroverse um das Kommandofahrzeug, den Müller auch privat nutzt. Bröhl wirft ihm nicht "Zweckentfremdung" vor, da Müller der Gemeinde die übliche Nutzungsentschädigung zahlt. Aber: "Das Fahrzeug fehlt uns bei Einsätzen als taktisches Mittel." Besonders wenn Führungskräfte schnell am Brandort sein müssten, um die Gefahren abzuschätzen und den Einsatz zu koordinieren.

"Dass ein solches Kommandofahrzeug an den Wehrführer gekoppelt ist, ist üblich und notwendig", sagte dazu Rita Lorenz, Sprecherin des Rhein-Sieg-Kreises. Auch gibt es laut Bröhl Kritik an der fachlichen Eignung des Wehrführers. Der sei oft "wenig entscheidungsfreudig bei Einsätzen", was im Missverhältnis "zu seinem patriarchalischen Verhalten im Dienstalltag steht".

Bröhl führt das Beispiel eines Wohnungsbrands an: Da habe der stellvertretende Kreisbrandmeister Dietmar Klein Müller die Einsatzleitung abgenommen. Der Fall ist aktenkundig beim Kreis. "Der Brand war sehr groß, und da auch Wehren aus anderen Orten im Einsatz waren, gab es viel zu koordinieren", so Lorenz. Müller: "Da mit Herrn Klein eine übergeordnete Führungsebene vor Ort war, ist das ganz normal, dass diese auch zeitweise das Geschehen übernommen hat."

Als untragbar wertet Bröhl aber das Geschehen in der Silvesternacht 2011/2012: Bei der privaten Einkehr in ein Lokal in Ruppichteroth habe man zufällig Müller getroffen. Im Laufe des Abends habe es Alarm gegeben. Während alle anderen abgerückt seien, "blieb der Wehrleiter in der Gaststätte". "Das stimmt", sagt Müller, er habe sich für diesen Abend abgemeldet, um mit seiner Frau zu feiern.

Rechtlich bedenklich findet Bröhl, dass die Gemeinde Müllers Amtszeit als kommissarischer Wehrleiter Ende 2012 um ein Jahr verlängert hat. Ihm habe eine Qualifikation dafür gefehlt, so hätte es zwei Jahre nach seinem Dienstantritt eine neue Anhörung der gesamten Feuerwehr geben müssen. Stattdessen sei in einem "intransparenten Verfahren" die Amtszeit verlängert worden, "im nichtöffentlichen Teil einer Ratssitzung", so der Vorwurf Richtung Bürgermeister Mario Loskill.

Bröhl ärgert dies umso mehr, als hier mit zweierlei Maß gemessen werde: Müller habe unlängst Gerätewarten die Aufwandsentschädigung gestrichen, "die über keinen entsprechenden Lehrgang und Nachweis verfügen". Diese Auslegung sei überaus penibel.

Loskill: "Eine erneute Anhörung durch Kreisbrandmeister Walter Jonas ist im Gesetz nicht vorgesehen." Die kommissarische Amtszeit von Müller sei im August 2012 abgelaufen, darum habe Jonas eine Verlängerung um ein weiteres Jahr bis August 2013 vorgeschlagen. "Der Rat hat das zustimmend zur Kenntnis genommen."

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