Feuerwehr von Ruppichteroth: 30 Männer quittieren den Dienst | GA-Bonn

Feuerwehr von Ruppichteroth

30 Männer quittieren den Dienst

Ruppichteroth.  Das Rathaus von Ruppichteroth in Schönenberg war am Freitag Schauplatz eines in der Geschichte der Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis denkwürdigen Ereignisses: 22 Mitglieder des Löschzuges Ruppichteroth überbrachten gegen 14 Uhr Bürgermeister Mario Loskill ihre Austrittserklärung.

Und acht weitere Erklärungen von Kameraden des Löschzuges. Wie ernst sie es meinten, zeigten die Wehrleute um die Brüder Rolf und Arndt Helbing anschließend: Alle 22 gaben ihre Dienstkleidung ab. Für die Ausgetretenen ist das die Konsequenz aus einem lange währenden Konflikt mit Wehrleiter Claus Müller. Bürgermeister Loskill zeigte sich "bewegt und geschockt" von der Austrittswelle.

Die Erbosten hatten noch einen Versuch gestartet, den Konflikt ohne die ganz große Eskalation zu bereinigen: Mit einem Ultimatum an den Bürgermeister. Bis 13 Uhr sollte Loskill sich von Wehrführer Müller trennen, was dieser aber nicht tat. Dafür führte Loskill Gründe an: "Rein rechtlich kann ich Claus Müller gar nicht entlassen."

Dafür hätte der Wehrführer sich fachlich etwas zu Schulden kommen lassen müssen: "Das war nicht der Fall", so der Bürgermeister: "Vielmehr hat Müller einen guten Job gemacht." Bestärkt in seiner Entscheidung habe ihn auch Kreisbrandmeister Walter Jonas. Jonas war am Freitag nicht zu erreichen. Sein Stellvertreter Dietmar Klein bewertet die Ereignisse in Ruppichteroth "in der Form als schon außergewöhnlich".

In einem ganz anderen Licht sehen Rolf und Arndt Helbing ihren Wehrführer: "Wir bestreiten seine fachliche und soziale Kompetenz." Detaillierter wollten die Beschwerdeführer nicht Stellung nehmen. Bereits seit zwei Jahren gebe es tiefgreifende Differenzen, die man im Februar 2012 in einem Schlichtungsgespräch versucht habe beizulegen.

"Es war eine zweite Chance für Claus Müller", sagt Rolf Helbing. Kern der Vereinbarung sei vor allem mehr Kommunikation und eine bessere Transparenz gewesen, was Müller aber nicht eingehalten habe.

Bürgermeister Loskill hatte anfangs das Zerwürfnis auf "persönliche Befindlichkeiten" von acht Führungskräften beschränkt gesehen. Dementsprechend betroffen war er am Freitag, als gleich so viele Aktive ihre Austrittserklärungen in Händen hielten.

Trotzdem sieht Mario Loskill keinen Grund für einen freiwilligen Rücktritt von Müller. Schließlich stehe "die Mehrheit der über 100 Wehrleute von Ruppichteroth hinter ihrem Wehrführer". Wie er selbst "zu hundert Prozent auch".

Vorwürfe, die am Rande zu hören waren, Müller habe sein Kommandofahrzeug zweckentfremdet, wies der Bürgermeister zurück: "Müller zahlt jeden Monat 200 Euro Nutzungsgebühr an die Gemeinde und erstattet alle privat gefahrenen Kilometer." Gleichwohl sagte er: "Ich muss das erst verarbeiten. Vielleicht denke ich morgen anders drüber."

Ganz und gar nicht nachvollziehen kann Wehrführer Claus Müller den Unmut über seine Person. Vor allem wundert ihn, dass seine fachliche Kompetenz angezweifelt wird: "Als ich vor zwei Jahren Wehrführer wurde, haben sich alle Aktiven in der Feuerwehr einstimmig für mich ausgesprochen."

Auch jene Führungskräfte aus der Löschgruppe Ruppichteroth, mit denen er jahrelang sehr gut zusammengearbeitet habe, und die nun gegen ihn mobil machen würden.

Dass er derzeit nur kommissarischer Wehrführer sei, sei ein normaler Vorgang, weil man die dafür notwendigen, sehr schwer zu bekommenden Lehrgänge erst in der Funktion des Wehrführers absolvieren könne. Seinen letzten, noch fehlenden Lehrgang werde er im April ablegen.

Warum die Stimmung jetzt umgeschlagen ist, macht Müller an der Debatte um sein Kommandofahrzeug fest. "Ab da ging es los." Inzwischen grenze das Ganze schon an eine "Kampagne" und "Stimmungsmache". "Gleichwohl werde ich nicht zurücktreten", so Müller, "weil ich mich in der Verantwortung für die Gemeinde sehe".

Dazu gehöre auch, dass er sich bereits um die Gewährleistung der Einsatzbereitschaft seiner Feuerwehr gekümmert habe. So werde die Löschgruppe Ruppichteroth im Notfall von der in Winterscheid unterstützt, wie von den Nachbarkommunen. Den Frieden in den eigenen Reihen wieder herstellen will Claus Müller jetzt mit Einzelgesprächen, weil er bekennt: "Mir tut das alles sehr weh."

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