Personensuche in Königswinter: Wohin verschwand die 44-jährige Sigrid Paulus? | GA-Bonn

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Wohin verschwand die 44-jährige Sigrid Paulus?

KÖNIGSWINTER.  Warum? Es ist die Frage nach dem Warum, die Christina Junghans umtreibt. Die sie nicht loslässt. Und die sie nun mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gehen lässt. Warum verschwand ihre Mutter vor fünf Jahren am Valentinstag spurlos aus dem gemeinsamen Haus der Eltern in Ittenbach?
Sigrid Paulus mit ihrem Mann Gerd: Die Frau verschwand vor fünf Jahren.
								Foto: Privat
Sigrid Paulus mit ihrem Mann Gerd: Die Frau verschwand vor fünf Jahren. Foto: Privat

Warum hat sie sich seitdem nie bei ihrer Tochter gemeldet? Christina Junghans sucht nach Antworten. Deshalb wandte sich die heute 20-Jährige schließlich erneut an die Polizei und zudem an den Fernsehsender RTL. Nun wird nach Sigrid Paulus offiziell gesucht.

Christina Junghans sitzt auf dem Sofa und erzählt ihre Geschichte. Sie hat sie in letzter Zeit häufiger erzählt, das merkt man. Als sie an jenem Valentinstag vor fünf Jahren nach Hause kam, war ihre Mutter weg. "Meine Eltern hatten sich gestritten", berichtet sie. Seitdem hat die damals 15-Jährige ihre Mutter nicht mehr gesehen. Ihr Vater, Gerd Paulus, hat seine Frau danach noch zwei Mal kurz gesehen, erzählt er.

"Zwei Tage später kam sie, und hat ein paar Sachen in eine Sporttasche gepackt." Einige Tage seien vergangen. "Dann kam sie mit zwei jungen Männern in einem weißen Lieferwagen mit Kölner Kennzeichen. Sie hat ihre Sachen gepackt und ist gegangen." Dass sie weder Geschirr noch Besteck mitgenommen habe, lässt bei ihm nur den Schluss zu, "dass sie irgendwo hingezogen ist, wo es schon einen Hausstand gab".

Tage vergingen, keine Nachricht von Sigrid Paulus. "Es war sehr schwer", sagt Christina Junghans. Immer wenn das Telefon klingelte, schöpfte sie neue Hoffnung. Doch als sie nichts hören, wollen ihr Vater und sie Vermisstenanzeige erstatten. Doch die Polizei winkt ab. Sigrid Paulus ist aus Sicht der Polizei nicht vermisst, sie ist volljährig und kann gehen, wohin sie will. Paulus nimmt Kontakt zum Einwohnermeldeamt, zur Krankenkasse seiner Frau, zum Jugendamt auf - vergeblich.

Die Jahre vergehen, Christina Junghans macht ihren Realschulabschluss, gerade so, sie ist durcheinander. Sie macht sich Vorwürfe. "Ich habe mich immer wieder gefragt, ob es meine Schuld ist, dass sie gegangen ist, dass sie sich nicht meldet." Schließlich geht die Familie, diesmal in Begleitung einer Schwester von Sigrid Paulus, nach eineinhalb Jahren erneut zur Polizei. Dort teilt man der Familie mit, die heute 45-Jährige sei im September 2009 bei einer Verkehrskontrolle in Düsseldorf aufgefallen. Mehr Hinweise oder Antworten gibt es nicht.

Warum ging Sigrid Paulus? Während ihr Ehemann nachvollziehen kann, warum seine Frau damals ging, "es waren - auch finanziell - schwierige Zeiten", kann er nicht verstehen, warum seine Frau keinen Kontakt zu ihrer Tochter aufgenommen hat. Paulus hat sein Leben mittlerweile neu geregelt, er hat eine Lebensgefährtin gefunden, aber als seine Tochter einen neuen Versuch machen wollte, stand er voll hinter hier, auch hinter der Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Was sie damit lostreten, haben sie nicht geahnt. Plötzlich sieht sich Gerd Paulus, dem der Fall Trudel Ulmen zunächst gar nichts sagte, einem Generalverdacht ausgesetzt. Die Polizei besucht Christina Junghans auf der Arbeit, nimmt ihr Laptop mit. Nachbarn werden befragt, und nun die Suche nach der Vermissten. "Ich bin kein Mittelpunktmensch", sagt die 20-Jährige. Aber nun steht sie im Rampenlicht. So wie ihr Mann Daniel und ihr Vater. Christina Junghans möchte Antworten.

"Es wäre gut zu wissen, dass es ihr gut geht", sagt sie über ihre Mutter. Das wäre schon etwas. Die Ungewissheit mache einen kaputt. Auch wenn sie heute weiß, dass es nicht ihre Schuld ist, die Fragen bleiben. Aber: "Wenn jetzt nichts kommt, dann ist es vorbei." Dann wird sie aufgeben, nicht weiter suchen. Die Frage nach dem Warum aber wird bleiben.

Die Polizei sucht nach Sigrid Paulus

Die Bonner Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach Sigrid Paulus. Die heute 44-Jährige soll im Februar 2008 an ihrer Wohnanschrift in Ittenbach letztmalig gesehen worden sein, als sie in Begleitung von zwei bislang unbekannten Männern ihre Bekleidung und persönliche Gegenstände aus der Wohnung geholt und anschließend ihre Familie aus freien Stücken verlassen haben soll.

Seit diesem Tag gab es keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie, Freunden und Bekannten. Aus dem Jahr 2010 datiert ein Hinweis, dass die Frau ein Jahr zuvor wegen eines Verkehrsdeliktes in Düsseldorf aufgefallen sein soll. Die Ermittlungen zu diesem Anhaltspunkt und die weiteren kriminalpolizeilichen Nachforschungen haben bislang keinen Hinweis auf den aktuellen Aufenthaltsort der Vermissten erbracht.

In Abstimmung mit dem Amtsgericht Bonn und den Angehörigen veröffentlicht die Polizei Bonn nun ein Foto der Vermissten. Die Ermittler bitten um Hinweise aus der Bevölkerung und fragen: Wer weiß, wo Sigrid Paulus heute lebt? Wer hatte seit Februar 2008 Kontakt zu Sigrid Paulus?

Hinweise zu dem Aufenthaltsort der Vermissten könnten auch die beiden Männer geben, die Frau Paulus bei ihrem Auszug im Februar 2008 behilflich gewesen sein sollen. Sie sollen damals mit einem weißen Kleinbus mit Kölner Autokennzeichen unterwegs gewesen sein. Die Männer werden gebeten, sich mit der Polizei Bonn in Verbindung zu setzen. Anrufe nehmen die Ermittler des Kriminalkommissariats 12 der Polizei unter der Rufnummer 0228/150 entgegen.

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