GA-Interview: Elisabeth Stenmans hat 32 Kinder adoptiert | GA-Bonn

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Elisabeth Stenmans hat 32 Kinder adoptiert

Wenn Elisabeth Stenmans Weihnachtsgeschenke einpackt, dann nicht nur für ein oder zwei Kinder: Die 62-Jährige ist Mutter von 34 Kindern im Alter von zehn bis 41 Jahren. 32 von ihnen sind adoptiert. Die Familie lebt zwar in Belgien und im Raum Köln, hat unlängst aber auch eine Heimat in der evangelischen Kirchengemeinde Stieldorf gefunden. Die Stenmans sind im September mit 17 Familienmitgliedern dort beigetreten.
Sie haben in Stieldorf ein Stück Heimat gefunden: Elisabeth Stenmans und ihre Kinder. Foto: Frank Homann

Wie kommt man dazu, 32 Kinder zu adoptieren?
Elisabeth Stenmans: Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich mit meinen Eltern eine Kreuzfahrt vor der Küste Afrikas gemacht und bin in meinen behüteten und wohlhabenden Verhältnissen erstmals mit Hunger und Krankheit konfrontiert worden. Seit jenem Zeitpunkt fühle ich mich von Gott dazu berufen, mein Leben Kindern in Not zu widmen.

Wo kommen die Kinder her?
Stenmans: Ich bin ihnen in Asien, Südamerika, Rumänien und Afrika im Rahmen meiner Projekt- und Vortragsarbeit als Psychotherapeutin begegnet, wo ich 200 Kindern helfen konnte, in ihren Ursprungsländern bei Verwandten zu bleiben. Nur wenn Kinder sterbenskrank, behindert oder traumatisiert waren, oder durch ständige Gewalt keine Chancen hatten und die Hilfe vor Ort gescheitert war, bin ich den Bitten der Verwandten gefolgt und habe die Kinder angenommen.

Auf welche Reaktionen stößt man als Mutter von 34 Kindern?
Stenmans: Da meine Kinder sich gut zu bewegen wissen, höflich, hilfsbereit und offen sind, stoßen wir auf positive Reaktionen.

Und wie haben die beiden leiblichen Kinder reagiert?
Stenmans: Der älteste Sohn wusste von Anbeginn, dass er viele Geschwister bekommen würde, und der zweite Sohn wuchs in diese Situation hinein. Es war für alle selbstverständlich, so wie es war.

Wieso mussten Sie vor eineinhalb Jahren ihr Familienanwesen in Euskirchen verlassen?
Stenmans: Durch meine starke Medienpräsenz wurden Radikale auf uns aufmerksam und attackierten unser Anwesen, so dass ich die elf minderjährigen Kinder zu ihrer Sicherheit in ausländischen Privatschulen unterbrachte. Wir bewohnen ein Haus in Belgien und ich pendle hin und her. Drei erwachsene Töchter - ausgebildete Pädagogen - kümmern sich mit mir um die Kinder.

Ist es nicht ein Kraftakt, so einen großen Haushalt zu managen?
Stenmans: Natürlich kontrolliere ich die Kleidung und beteilige mich am Kochen, aber es gibt inner- und außerfamiliäre Helfer. Als ehemalige Lehrerin kümmere ihr mich besonders um die Schulangelegenheiten. Außerdem besuche ich mit den Kindern Museen, mache Kurzreisen, male, bete, singe und schmuse mit ihnen, wie jede andere Mutter auch.

Wie feiern Sie Weihnachten?
Stenmans: Unser zentrales Weihnachtserlebnis ist die Christmette am Heiligen Abend mit 20 Kindern. Seit der Zerstörung unseres Anwesens feiern wir Heiligabend nicht mehr alle zusammen, aber wir gehen am zweiten Weihnachtstag ins Restaurant, und dann kommen auch diejenigen, die weiter entfernt wohnen.

Wieso sind Sie der evangelischen Gemeinde Stieldorf beigetreten?
Stenmans: Ich hatte 30 Jahre lang eine wunderbare katholische Gemeinde. Nach den Bedrohungen durch Neonazis und unserem Weggang fühlten wir uns zutiefst entwurzelt und versuchten vergeblich, im Kölner Raum oder in Belgien erneut in einer lebendigen Gemeinde Fuß zu fassen. In Stieldorf habe ich wieder gelebte Nächstenliebe gefunden und die Spiritualität, die ich zum Leben brauche.

Sind Sie mittlerweile auch hier zu Hause?
Stenmans: Ich pendle zwischen Belgien und dem Kölner Raum, in dem die meisten meiner erwachsenen Kinder leben, sowie Stieldorf und Rauschendorf. Freitags bin ich zumeist in Belgien. Samstags wird etwas unternommen und sonntags hole ich die Kinder nach Stieldorf, damit wir gemeinsam mit meinem Lebensgefährten den Gottesdienst besuchen können. Das ist für mich der Höhepunkt der Woche. Wir sind alle dankbar dafür, von der Gemeinde mit offenen Armen und herzlicher Anteilnahme aufgenommen worden zu sein.

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