"Eine Stunde mit...": Mary Glynn und Manuela Kirstges vom Hennefer Ordnungsamt kennen alle Ausreden | GA-Bonn

"Eine Stunde mit..."

Mary Glynn und Manuela Kirstges vom Hennefer Ordnungsamt kennen alle Ausreden

HENNEF.  "Könnten Sie mir Geld für den Parkscheinautomaten wechseln?" fragt ein Autofahrer Mary Glynn. Die gebürtige Britin, seit zehn Jahren bei der Stadt Hennef beschäftigt und an diesem Freitag als Mitarbeiterin des Ordnungsamtes unterwegs, zückt ihr Portemonnaie und hat das passende Kleingeld parat.
Falschparkern auf der Spur: Manuela Kirstges und Mary Glynn im Außendienst.
							Foto: Ingo Eisner
Falschparkern auf der Spur: Manuela Kirstges und Mary Glynn im Außendienst. Foto: Ingo Eisner

So entgeht der Mann auf galante Art einem Knöllchen, denn er weiß, dass Mary Glynn und ihre Kollegin Manuela Kirstges zwar nette Menschen sind - wer sich aber partout nicht an die Regeln hält, muss mit einem Strafzettel rechnen. "Wir haben einen Ermessensspielraum und drücken auch mal ein Auge zu. Bei rücksichtslosem Verhalten schreiten wir aber ein", sagt Glynn.

Es ist Mittag, Punkt 12 Uhr. Glynn und Kirstges machen sich auf den Weg zu ihrem Rundgang durch die Innenstadt. "In der Regel sind wir gut drei Stunden unterwegs", sagt Kirstges. Zunächst geht es über die Frankfurter Straße Richtung Westen. Dort stehe laut Polizei seit einigen Tagen ein Lieferwagen mit auswärtigem Kennzeichen, die Nachbarn hätten sich bereits beschwert. "Die Polizei hat uns angerufen und gebeten, da mal nach dem Rechten zu schauen", sagt Glynn. An Ort und Stelle bemerken die beiden, dass der Wagen angemeldet und die TÜV-Plakette noch nicht abgelaufen ist und er auch den Regeln entsprechend parkt.

"Wir machen jetzt Fotos von den Ventilständen der Reifen. In 14 Tagen können wir dann sehen, ob das Fahrzeug bewegt wurde. Sollte der Wagen in zwei Wochen immer noch unbewegt hier stehen, gibt es ein Knöllchen", sagt Kirstges. Vor 19 Jahren wollte sie nur mal in den Job "hineinschnuppern". "Dann hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin", sagt Kirstges. "Ich bin an der frischen Luft und habe mit Menschen Kontakt", begründet sie ihre Berufswahl. "Man muss halt gut zu Fuß sein in diesem Job. Wenigstens haben wir gutes Wetter", sagt Mary Glynn, während die beiden Frauen über die gesamte Frankfurter Straße spazieren.

Die Britin hat Durchsetzungsvermögen, aber auch ein großes Herz. "Allerdings ärgere ich mich massiv über die Rücksichtslosigkeit mancher Menschen", sagt sie, während sie Knöllchen verteilt. Die Frauen unter den Parksündern seien meistens besonders beratungsresistent. Glynn bringt es auf einen einfachen Nenner: "Je teurer die Schuhe mancher Frauen, desto mehr Ärger gibt es mit ihnen." Am Freitag geht aber alles glatt. Natürlich müssen etliche für das Überschreiten der Parkzeiten Verwarnungsgelder bezahlen.

Aber kein Fahrzeug wurde ordnungswidrig auf einem Behindertenparkplatz oder in einer Feuerwehrzufahrt entdeckt. Während der Tour fallen den beiden natürliche einige Anekdoten ein. Schließlich sind die Menschen gerade beim Thema "Falschparken" um keine Ausrede verlegen. "Bei mir hatte mal jemand gerade in dem Moment einen Herzinfarkt, als ich ihm ein Knöllchen verpasste. Als ich dann einen Notarzt holen wollte, war plötzlich alles wieder in Ordnung", erinnert sich Kirstges.

Ausreden gibt es viele. "Der Parkscheinautomat ist defekt" oder "Ich war nur mal eben in der Apotheke" sind typische Begründungen, warum manche Autofahrer partout kein Ticket ziehen wollen. Dass der Wagen bereits seit einer Stunde vor der Apotheke steht oder die Parkscheinautomaten regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden, scheint da nicht zu interessieren. Aber die Ordnungshüter sind auch kulant.

"Einmal fiel ein 19-Jähriger vor mir mit den Worten auf die Knie: "Bitte kein Knöllchen. Ich könnte doch ihr Sohn sein", erinnert sich Kirstges, die dem reuigen Parksünder die Strafe erließ. "Ein Mann hatte mal vollkommen kurios geparkt und alle Türen offen gelassen. Als ich mich dem Fahrzeug näherte, kam er auf mich zu und sagte, er wäre so durcheinander, weil er gerade Vater geworden wäre. Wie sich herausstellte, stimmte das auch. Da muss man einfach ein Auge zudrücken", sagt Glynn.

Als Ordnungshüter helfen Glynn und Kirstges, wo sie können. Wenn Eltern beim Stadtfest ihr Kind vermissen, machen sich die beiden sofort auf die Suche. Und natürlich werden sie ständig um Auskünfte gebeten. "Wir sind die mobile Rathausinformation", sagt Glynn.

Kurioses haben die beiden auch schon erlebt. Von Frauen, die partout nicht einsehen wollen, dass der Allner See kein Nacktbadestrand ist bis hin zu der Besitzerin eines Wohnmobils, die ihr Fahrzeug in Uckerath nicht ganz den Vorschriften entsprechend geparkt hatte. "Das Fahrzeug bewegte sich, und ich hatte den Eindruck, dass die Dame dort drin ihrem Gewerbe nach ging", sagte Kirstges. "Ich dachte, sie kümmern sich nur um den ruhende Verkehr", habe die Frau gesagt und Kirstges versprochen, gleich wegzufahren. "Auch solche Erlebnisse gehören zur Arbeit der Ordnungshüterinnen", sagt Kirstges.

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