Lebensmittelversorgung für Bedürftige: "Nur die Spitze des Eisbergs" | GA-Bonn

Lebensmittelversorgung für Bedürftige

"Nur die Spitze des Eisbergs"

Bornheim.  Immer mehr bedürftige Bürger nutzen die Lebensmittelausgabe der Kirchen. Auch Berufstätige kommen.

"Wollen Sie Schinken? Und den Frischkäse hier? Dann dürfen Sie sich jetzt dort noch zwei Sachen aussuchen." Ute Kleinekathöfer zeigt auf einen Stapel mit verschiedenen Käse-Produkten. Dann wühlt sie in der Kiste hinter sich, in der die Geschenke liegen, die noch von der Wunschbaum-Aktion übrig geblieben sind, bei der Spender bedürftige beschenken. "Lesen Sie Ihren Kindern mal was vor?" Dann käme das Winnie-Puuh-Buch in Frage. Der Mann zögert, ist unentschlossen, doch eine Auswahl gibt es nicht.

Teamleiterin Ute Kleinekathöfer wendet sich schon an den nächsten Kunden, denn es sind insgesamt 100 Haushalte, die jede Woche und so auch an diesem Mittwochmorgen von der Lebensmittelausgabe der Evangelischen und Katholischen Kirchen (Lebeka) im Geschwister-Imhof-Haus versorgt werden. Damit es kein Chaos gibt, erhält jeder bei der Anmeldung eine Nummer, so dass er weiß, wann er dran ist. "Als wir das noch nicht hatten, standen die Kunden teilweise schon Stunden vorher hier rum", erzählt Alfons Fischer-Reuter, der seit sieben Jahren bei der Lebeka die Lebensmittelausgabe koordiniert.

Nur Bedürftige unterstützt die Lebeka, daher muss sich jeder mit Einkommensnachweis oder Asylantrag und weiteren Papieren zunächst dort anmelden, um einen Ausweis zu erhalten. Darauf ist vermerkt, wie viele Menschen im Haushalt versorgt werden müssen - entsprechend viel Ware kann eingepackt werden. Ehrenamtliche Helfer wie Waltraud Soick (74), haben das Gebäck, Gemüse, Fleisch und Käsewaren schon früh morgens in den Geschäften abgeholt und ordentlich auf den Tischen drapiert, so dass es im Gemeindesaal aussieht wie in einer Markthalle. Insgesamt 64 Helfer engagieren sich in Bornheim und Alfter. "Ich mache das gern, denn wir verstehen uns alle sehr gut hier", versichert Soick.

Über die Jahre sind es immer mehr Menschen geworden, die sich Lebensmittel abholen. "Bei der Gründung 2004 waren es 35 Haushalte, jetzt sind es in den Ausgaben Bornheim, Hersel, Kardorf und Alfter insgesamt 250 Haushalte." Durch die höhere Zahl von Asylbewerbern wächst die Zahl der Kunden seit einiger Zeit noch weiter an: "Etwa zwei bis drei Haushalte kommen pro Woche dazu", weiß Fischer-Reuter, noch sei das zu stemmen, auch wenn sich das kirchliche Angebot nur durch Spenden trägt.

 "Zum Glück machen fast alle Geschäfte in Bornheim mit, vor allem Hofläden bis hin zu Spediteuren." Es sind viele Migranten, Asylbewerber und arme Rentner, die auf die Lebeka angewiesen sind. Vor allem Deutsche und Russen kommen, aber auch aus vielen anderen Ländern seien Kunden dabei, erzählt Fischer-Reuter. "Wir haben mittlerweile auch berufstätige Leute hier, viele von Zeitarbeitsfirmen, die so wenig verdienen, dass sie unter dem Sozialsatz liegen. Das ist wirklich erschreckend." Denn das sei schließlich nur die Spitze des Eisbergs: "Viele schämen sich auch und kommen gar nicht erst."

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