Joshua Osolo

Post gibt bei Kündigung des DHL-Zustellers Jambo klein bei

BAD HONNEF.  Seit Monaten warten viele Bad Honnefer auf Nachricht, wie es mit "ihrem" DHL-Zusteller Joshua Osolo weitergeht. Am Donnerstag nun trafen sich die Parteien vor dem Arbeitsgericht in Siegburg.
Joshua Osolo ist froh über den Vergleich vor dem Gericht Foto: Claudia Sülzen

Ergebnis: Alle Vorwürfe gegen Jambo, wie Osolo wegen seines stets freundlichen Grußes genannt wird, sind vom Tisch. Dass Osolos Anwalt Ulrich Gaidetzka den Vergleich als "halben Sieg" bezeichnete, liegt im "Direktionsrecht" des Arbeitgebers Deutsche Post DHL begründet: Zwar ist die im Juli angekündigte Zwangsversetzung mit dem Vergleich ebenfalls ad acta gelegt. Grundsätzlich aber hat die DHL das Recht zur Versetzung; ein Anspruch auf einen festen Einsatzbereich ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag nicht.

Entsprechend nahm auch Osolo, dem die enorme Belastung der vergangenen Monate - Osolo ist nach wie vor krank geschrieben - anzusehen war, den Vergleich mit teils gemischten Gefühlen auf. Erleichterung und Dankbarkeit einerseits, die Unsicherheit, wie es weiter geht, andererseits. "Gesund werden ist erst mal das Wichtigste", so der gebürtige Kenianer, der seit elf Jahren Mitarbeiter der DHL und als solcher seit sieben Jahren Zusteller in Bad Honnef ist.

Wie berichtet, war es zu dem Zerwürfnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gekommen, nachdem Osolo ein Postfahrzeug vorübergehend in Rheinbreitbach stehen gelassen hatte, um Ersatz für den defekten Wagenschlüssel zu besorgen. Danach musste er sich des Vorwurfs erwehren, er habe eine unzulässige Pause eingelegt.

Als er aus familiären Gründen um Vertagung des von der DHL geforderten Personalgespräches bat, sprach die DHL die Abmahnung und Zwangsversetzung nach Siegburg aus, wo Osolo "unter Beobachtung" fahren sollte, so sein Anwalt. Das Thema rüttelte die Bad Honnefer auf. Mehr als 2 000 Bürger bekundeten mit ihrer Unterschrift Solidarität mit und Vertrauen zu ihrem Jambo. Viele schrieben gar bis in allerhöchste Etagen der Post, ohne Antwort zu bekommen.

Weder auf das große öffentliche Interesse, noch auf die Vorwürfe gegen Osolo ging die Prozessbevollmächtigte der DHL gestern auch nur mit einem Wort ein. Einzig zu der für die Gegenseite überraschenden Angabe, die Versetzung sei ja ohnehin "nur für drei Monate" geplant gewesen, rang sie sich durch; das sei mit dem Betriebsrat so abgestimmt gewesen. "Das ist meinem Mandanten zu keinem Zeitpunkt mitgeteilt worden", so Gaidetzka.

Die Anwältin der DHL signalisierte sogleich Bereitschaft, als es um die Inhalte des Vergleiches ging, der von der DHL unwidersprochen akzeptiert wurde: Die Abmahnung wird aus Osolos Personalakte gestrichen; die DHL stellt ein "qualifiziertes und wohlwollendes" Zwischenzeugnis aus; das Beschäftigungsverhältnis wird unter bisherigen arbeitsrechtlichen Bedingungen fortgeführt. Und die Zwangsversetzung hat sich - schon durch "Zeitablauf", betonte Gaidetzka, da die angeblich anberaumten drei Monate verstrichen sind - erledigt.

"Wir sind zufrieden, alle drei Punkte sind in unserem Sinne entschieden", so Gaidetzka. Einziger "Wermutstropfen": Eine Versetzung bleibe möglich, dürfe aber keine "Maßregelung" sein. Sollte es doch dazu kommen, werde man die Sache "neu aufrollen müssen". Osolo sagte, er sei froh, dass das in ihn gesetzte Vertrauen der Bad Honnefer in dem Vergleich seine Entsprechung finde. "Ich danke allen, die mich unterstützt haben. Danke Bad Honnef", sagte er.

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