Musikabend an der Alanus Hochschule: Die Engel begehren auf | GA-Bonn

Musikabend an der Alanus Hochschule

Die Engel begehren auf

ALFTER.  Zwei hohe Stahlleitern, eine Strickleiter und eine Schaukel, im Hintergrund eine Projektion von Sternenstaub - das Bühnenbild der Inszenierung "Die Dunkle Seite der Engel", die am Freitag an der Alanus Hochschule Premiere hatte, ist schlicht.
Die Engel rebellieren, zumindest im Johannishof.
Die Engel rebellieren, zumindest im Johannishof.

Es gibt den acht Schauspielstudenten Freiraum für ihre grandiose Darstellung der Gefühlswelt der Engel. "Wir haben Angst und sind allein, Gott weiß, ich will kein Engel sein"- singen sie den Song der deutschen Rockband Rammstein und klettern, begleitet von Harfenklängen, die Leitern hinauf gen Himmel.

Es folgt ein turbulenter Wechsel von anrührenden Soli und schrägen Ensemblestücken, in denen die Engel ihren Gefühlen Ausdruck verleihen. Michael Barfuß, der musikalische Leiter des Bonner Theaters, hat die Engel in seiner Inszenierung mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet. Sie singen von Sehnsucht, Liebeskummer, Eifersucht, Verzweiflung und Wut - und das in einer skurrilen Mischung aus bekannten Balladen, Rocksongs und türkischem Pop, zu dem sie hüftschwingend über die Bühne tanzen.

Spätestens wenn Stefanie Linnenberg mit großartiger Stimme gefühlsstark von Enttäuschung und Eifersucht singt und, den Blick nach oben gerichtet, endet mit "Hey Kapitän, Kommando Untergang", wird klar: auch die Engel hadern mit Gott. Im Anschluss hüpfen und stampfen sie zu "Anger" von den Tiger Lillies über die Bühne und lassen ihre Wut raus. Und wenn sie dann gegen Ende alle "God is great" intonieren, ist der ironische Unterton nicht zu überhören.

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