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Abend über Engel in der Alanus Hochschule
Die wahre Leidenschaft der Boten
Von Ulrike Strauch
Sie sind die Boten des Herrn: überirdisch und alterslos, gütig (meist) und wunderschön. Sie kennen weder Hunger noch Durst, weder Leid noch Schmerz ... und auch die Liebe nicht. Was aber, wenn es anders wäre? Wenn Engel fühlen würden wie wir?
Sehnsucht und Leidenschaft, Hoffnung und Verzweiflung - weil Gott für sie ebenso wenig erkennbar ist wie für die Menschen dort unten? Dieser Frage sind jetzt acht Schauspielstudenten der Alanus Hochschule (Jarah Maria Anders, Ravi Marcel Büttke, Ouadirh Ait Hamou, Julia Celina Hoffstaedter, Simon Trutz Kannengießer, Selin Kavak, Stefanie Linnenberg und Sarah Schenke) gemeinsam mit Michael Barfuß, dem musikalischen Leiter des Bonner Theaters, nachgegangen. Haben ausgesucht, verworfen, diskutiert . . . bis die Setlist stand und ihre Bilder von der "Dunklen Seite der Engel", die im Judentum und im Islam ebenso existieren wie im Christentum, Gestalt annahmen.
Das Ergebnis ist ein faszinierender Abend; surreal, verdreht, enthusiastisch, schelmisch, unendlich traurig. Ein Engel verliebt sich in einen Sterblichen, ein anderer verwünscht seine Bestimmung, den Tod zu bringen, und den nächsten plagen Zweifel, wessen Diener er eigentlich noch sein soll. Dies alles zur Musik von Rammstein (Engel) und Howard Shore (Gollums Song), Guns N' Roses (Cats In The Cradle), Johnny Cash (Personal Jesus) und Adele (Someone Like You), Amy Winehouse (You're Wondering Now) und Marilyn Monroe (I'm Through With Love) sowie einer Sure aus dem Koran - begleitet von Jane Berthe (Harfe) und Jan Felix Rohde (Gitarre, Keyboards, Sampler).
Die Fasziation liegt nicht zuletzt bei den Protagonisten selbst; jeder für sich ein Charakterkopf. Nicht zu vergessen die Kostüme von Mathilde Grebot. Das Bühnenbild vor einer Leinwand mit dem Sternenhimmel ist bewusst schlicht gehalten. Die Engel haben ihr Publikum in ihre Sphäre eingeladen: irgendwo zwischen Himmel und Erde und tief in uns drin.
Artikel vom 18.12.2012
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