Schau in Unkel bis 6. November

Willy-Brandt-Forum zeigt Werke von Uwe Langnickel

"Ein Glücksfall der deutschen Geschichte": Uwe Langnickel (v.l.), Jochen Seidel, Ursula Burgard und Christoph Charlier vor dem Ölbild "Fall der Mauer" im Willy-Brandt-Forum. FOTO: HORST-DIETER KÜSTERS

"Ein Glücksfall der deutschen Geschichte": Uwe Langnickel (v.l.), Jochen Seidel, Ursula Burgard und Christoph Charlier vor dem Ölbild "Fall der Mauer" im Willy-Brandt-Forum.

UNKEL. "Stationen der Freiheit" lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Willy-Brandt-Forum. Gezeigt werden im Wesentlichen Werke von Uwe Langnickel, der bei der Vernissage am Freitagabend allerdings auch als Motiv "präsent" war.

"Die lebensgroße Plastik hier mitten im Raum von Karl Bobeck, der mein Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie war, zeigt mich natürlich als erheblich jüngeren Mann", so der Künstler.

Langnickel, der mit seiner Frau Ursula Burgard nach Unkel gekommen war, zeigt im Forum sieben Aquarelle nach den großen Fries-Wandbildern, die er selbst 1995 und 1996 für das Solitair-Hotel in Berlin-Pankow gemalt hatte. Ergänzt werden diese Aquarelle vom Werk "Fall der Mauer", einem großen Ölbild, das von Fotos jenes denkwürdigen Tages in Berlin flankiert wird.

Initiiert wurde die Ausstellung von Eleonore und Jochen Seidel. "Am 3. Oktober feiern wir 25 Jahre Deutsche Einheit. Dieses Jubiläum war für das Willy-Brandt-Forum der Anlass für eine ganz besondere Veranstaltungsreihe", so der Vorsitzende des Forums, Christoph Charlier: "Helden und Legenden" lautete das Jahres-Motto im Forum.

Ein Blick auf die Arbeiten Langnickels belege, dass der Künstler "das Volk mit seinen mündigen, solidarischen Individuen" als Held sehe. Angefangen von der "Mainzer Republik" 1792/93, würden markante Stationen der Demokratie aufgezeigt, auch wenn diese nicht immer glücklich verlaufen seien wie etwa die "Barrikadenkämpfe in Berlin" 1848 oder der "Volksaufstand in Ostberlin" am 17. Juni 1953.

"Natürlich darf bei einer solchen Ausstellung auch der Glücksfall der deutschen Geschichte, die Öffnung der Mauer am 9. November 1989, nicht fehlen", so Charlier. Der 9. November sei jedoch angesichts des Reichspogroms am gleichen Tag 1938 zugleich ein ausgesprochen düsteres Datum: Hier zeige sich die Janusköpfigkeit der Geschichte.

"Auch wenn der Gang der Demokratie von Unterdrückung und Widerstand geprägt war, so strahlen ihre Bilder doch Optimismus aus, wenn auch keinen blauäugigen", so Charlier an die Adresse des Künstlers.

Ein besonderer Kunstgriff Langnickels: Über seine Darstellungen legte er Noten und Textzeilen von Liedern aus dem Repertoire berühmter Liedermacher wir Hein und Oss Kröher, Hannes Wader, Franz-Josef Degenhardt und Wolf Biermann.

Kritische Auseinandersetzungen

Langnickel schafft so eine weitere Dimension, eine Ebene der kritischen Auseinandersetzung mit Ereignissen wie dem "Hambacher Fest" 1832 oder der "Aufrufung der deutschen Republik durch Philipp Scheidemann" am 28. Oktober 1918.

Sein väterlicher Freund Oss Kröher habe ihm den Auftrag in dem Hotelneubau 1995 in Pankow-Niederschönhausen vermittelt. "Bei eisiger Kälte, gegen die ein Gasbrenner in dem noch fensterlosen Bau nicht ankam, habe ich nach Vor-Skizzen, für die mir alte Stiche etwa von der Wartburg als Vorlagen gedient hatten, die Bilder direkt auf den Putz gemalt", so Langnickel.

Jedes der Themen belege für sich, dass es keinen Freifahrschein zu Wohlstand, Demokratie und Frieden gebe. "All' dies muss errungen werden, wie die Arbeiten aufzeigen", so Charlier.

Info

Die Ausstellung "Stationen der Demokratie" mit Werken von von Uwe Langnickel ist noch bis inklusive Freitag, 6. November, im Willy-Brandt-Forum, Willy-Brandt-Platz 5, in Unkel zu sehen, Geöffnet ist das Forum bis Ende Oktober dienstags bis samstags von 10 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr. Im November schließt die Ausstellung dann jeweils eine Stunde früher um 17 Uhr.