Brücke von Remagen verfällt

Wer kauft die Erpeler Brückentürme?

Geschichtsträchtig: Die Erpeler Türme der Ludendorffbrücke, die einst den Rhein überspannte.

Geschichtsträchtig: Die Erpeler Türme der Ludendorffbrücke, die einst den Rhein überspannte.

Erpel. Die Aufsichtsbehörde Bundeseisenbahnvermögen will das Bauwerk an den Meistbietenden verkaufen. Der Verein „ad Erpelle“ sieht Land und Bund in der Pflicht, sich für den Erhalt der geschichtsträchtigen Stätte zu engagieren.

Sie sind weltweit bekannt, haben Symbolcharakter, nicht nur aus deutscher, sondern aus europäischer Sicht: die Türme der ehemaligen Ludendorffbrücke, auch Brücke von Remagen genannt. Doch die Zukunft der Brückentürme bei Erpel, die sich im Eigentum der Bonner Aufsichtsbehörde Bundeseisenbahnvermögen (BEV) befinden, ist offen.

Fest steht zurzeit offenbar: Der Kunst- und Kulturkreis „ad Erpelle“ wird sie nicht übernehmen. Das teilte der Vereinsvorsitzende Edgar Neustein am Dienstag mit. Und er kritisierte zugleich, es mangele an Unterstützung der öffentlichen Hand.

Er fordert ein gemeinsames Engagement von Bund, Land und Kommunen, um dieses historisch wichtige „Symbol für das Ende der Naziherrschaft und des Zweiten Weltkrieges“, so Neustein, zu erhalten. „In anderen Ländern würde man kein Denkmal von nationaler, ja europäischer Bedeutung in einem solchen Zustand finden.“

Nach Gesprächen mit der BEV als Eigentümerin der Brückentürme und intensiven Beratungen des Vereinsvorstands mit einem privaten Förderer sei der Verein zu dem Ergebnis gekommen, dass er die Türme nicht übernehmen kann.

Wie berichtet, stehen diese seit Mai 2018 zum Verkauf durch das BEV; nicht betroffen ist der Eisenbahntunnel von Erpel, der, wie das umliegende Gelände, dem Verein „ad Erpelle“ gehören. Einen Preis nennt die BEV nicht; der Meistbietende soll den Zuschlag erhalten.

Türme sind sehr sanierungsbedürftig

Problem: Die Brückenköpfe sind extrem sanierungsbedürftig, Kosten in Millionenhöhe sind zu erwarten. Wegen der Verkehrssicherungspflicht ist der Gehweg längst gesperrt. Daher kam die Rückübertragung der Türme an die BEV 2015 der Ortsgemeinde Erpel gelegen, die die Bauten 1988 der damaligen Bundesbahn für eine symbolische Mark abgekauft hatte.

Für den Verein „ad Erpelle“, der ohnehin zurzeit wegen Brandschutzauflagen und der Fluchtwegsituation im Tunnel vor Herausforderungen steht, kommt die Übernahme der Brückentürme erst recht nicht infrage.

Neustein: „Insbesondere das private Engagement des Kasbacher Bahnspezialisten Jörg Seyffert, der als Betreiber unter anderem der Kasbachtalbahn seine Erfahrungen zu Sanierung und Finanzierung mit ins Spiel bringen konnte, hatte noch einmal Hoffnung aufkeimen lassen.“

Die Überführung der Erpeler und Remagener Türme samt Tunnel in eine öffentliche Stiftung war das Ziel. „Aber es fehlte an ernsthafter politischer Unterstützung.“ Und: „Dass gerade jetzt auch das in den Remagener Brückentürmen eingerichtete Friedensmuseum wegen des mangelhaften Brandschutzes schließen musste, hat uns in unserer Entscheidung bestärkt.“

Kritik an mangelnder Unterstützung

Es zeige sich, dass Brückentürme und Tunnel in Erpel nicht von ehrenamtlich geführten Vereinen unterhalten werden können. Orts- und Verbandsgemeinde wirft Neustein im Namen des Vereins in dem Zusammenhang mangelnde Unterstützung vor. „Das historisch so bedeutende Bauwerk (...) kann nicht nur unter finanziellen Aspekten gesehen werden, wie es die Ortsgemeinde tut.“

Er sieht zudem Land und Bund gefordert. Ein Sanierungskonzept habe bereits vorgelegen, 800 000 Euro Zuschüsse seien dem Verein bereits zugesagt worden. „Bei entsprechendem Engagement hätte der Eigenanteil der Ortsgemeinde sicher auf ein vertretbares Maß reduziert werden können.“

Bei der Überlegung, das Gesamtbauwerk der Brückentürme auf beiden Rheinseiten und des Erpeler Tunnels in eine Stiftung „Friedensbrücke Remagen-Erpel“ einzubringen, sei in erster Linie das Land Rheinland-Pfalz gefordert. Man wolle in diese Richtung weiter initiativ sein, so Neustein.

Seyffert habe weitere Unterstützung zugesagt. Er hatte sich bereiterklärt, die Türme bis zum Abschluss einer Stiftungsgründung zu pachten und dann in die Stiftung zu überführen. Hierfür habe er sogar eine „Mitgift“ des BEV ausgehandelt.

Diese hätte mit einem ersten fünfstelligen Betrag die Kosten der Verkehrssicherung zum Teil übernommen, sodass der Bürgersteig hätte freigegeben werden können. Neustein zitiert Seyffert: „Die Verträge waren unterschriftsreif, umso mehr fehlt mir die Einsicht, warum die Verbandsgemeinde sich aus anfänglichem Engagement zurückgezogen hat.“

Die BEV wolle die Brückentürme unbedingt kurzfristig verkaufen. Nicht auszudenken, wenn sie in „falsche Hände“ gerieten, so Neustein.

Das will auch Verbandsgemeindebürgermeister Karsten Fehr verhindern, wie er auf GA-Anfrage sagte. Er sei immer wieder bei Abgeordneten auf Bundes- und Landesebene sowie Institutionen vorstellig geworden. Eine finanzielle Beteiligung der Verbandsgemeinde sei aber nicht möglich. Für die Idee einer rheinübergreifenden Kulturaktion wolle er sich aber vehement einsetzen.