Private Ausstellung

Vorläufiges Aus für "Little Britain" in Linz

Ein Stein des Anstoßes: Für den 52-Tonnen-Panzer in seinem Vorgarten hat Gary Blackburn keine Baugenehmigung.

Ein Stein des Anstoßes: Für den 52-Tonnen-Panzer in seinem Vorgarten hat Gary Blackburn keine Baugenehmigung.

28.08.2018 Linz. Gary Blackburn hat auf seinem Grundstück in Linz-Kretzhaus einen Märchenwald samt Panzer geschaffen. Der private Freizeitpark „Little Britain“ im Kreis Neuwied ist aber nun verschwunden. Was ist passiert?

Seinen typisch britischen Humor hat Gary Blackburn offenkundig nicht verloren. „The Queen is not amused“, kommentierte der Engländer gegenüber dem General-Anzeiger die jüngsten Entwicklungen um sein „Little Britain“. Um das steht es gerade nicht zum Besten. In einem von Landrat Achim Hallerbach initiierten Gespräch aller Beteiligten hat die Kreisverwaltung Neuwied eigenen Angaben zufolge unmissverständlich klar gemacht: „Little Britain“ in heutiger Form „ist illegal“. Entsprechend wurde mit sofortiger Wirkung nicht nur die Nutzung von Aufbauten wie Hütten und Fahrzeugen, sondern auch jene als Ausstellungsgelände insgesamt untersagt. Das teilte die Kreisverwaltung mit.

In der Konsequenz hat Blackburn Teile der Ausstellung bereits abgebaut – schon, um die weiteren Gespräche nicht zu belasten, wie er dem GA sagte. Sein Architekt werde Bauanträge vorbereiten. Blackburn hofft, dass „Little Britain“ damit – dann fußend auf geltendem Recht – mittelfristig eine neue Chance bekommt. „Ich will da jetzt alles richtig machen“, sagt er dem GA. Aber das Antragsverfahren werde sicher eineinhalb bis zwei Jahre dauern, so Blackburn.

Wie berichtet, war um die private, kostenlose Ausstellung „Little Britain“ ein Sommertheater entstanden. Doppeldeckerbus, rote Telefonzellen, Mr.-Bean-Mini und eine Hütte, in der die Queen samt Corgis Hof hält: Blackburns Sammelleidenschaft kennt keine Grenzen. Ein Teil der Ausstellung befindet sich auf Privatgrund. Für einen weiteren Teil nutzte Blackburn Flächen, die der Gründer des Baumdienstes Siebengebirge von der Gemeinde Erpel hinzugepachtet hat. Das Areal liegt in Linz-Kretzhaus, gehört aber zur Gemarkung Erpel. Teils liegt es im Naturpark.

Nicht allen gefiel, was Passanten des Kasbach-Wanderwegs seither besichtigen konnten. Der Panzer, Blackburns Neuerwerbung aus 2016, die seinen Angaben zufolge mittlerweile dank eines Elektromotors auch ein wenig versetzt werden kann, schaffte es sogar in den Landtag. Die Abgeordnete Ellen Demuth stellte dort eine Anfrage, nachdem sie von einer Bewohnerin darauf aufmerksam gemacht worden war.

Auf Demuths Anfrage teilte das Landesinnenministerium mit: Der Panzer sei weder fahr- noch einsatzfähig und falle damit nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Diskussion brachte ein grundsätzlicheres Problem zutage: Für seine Aufbauten hätte Blackburn Baugenehmigungen gebraucht, die er nicht hat. Im Juli verfügte die Kreisverwaltung, dass die Ausstellung mangels Baugenehmigung „sofort zu entfernen“ und das frei zugängliche Gelände abzusperren sei. Andernfalls sehe man sich gezwungen, die Beseitigung der Anlagen anzuordnen.

Landrat schaltete sich ein

Blackburn legte Widerspruch ein. Sein Ansinnen, die Ausstellung durch den Gemeinderat nachträglich legalisieren zu lassen, scheiterte. Ende Juli schaltete sich Landrat Hallerbach ein. An einem von ihm initiierten Treffen nahmen am Freitag neben Erpels Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer und Blackburn auch Vertreter der Bauverwaltungen von Kreis und Verbandsgemeinde Unkel teil.

Ergebnis, so ließ der Kreis wissen: Alle Teilnehmer hätten „unzweifelhaft festgestellt, dass die baulichen Anlagen von 'Little Britain' auf dem Grundstück der Familie Blackburn insgesamt illegal errichtet wurden“. „Little Britain“ widerspreche aktuell den gesetzlichen Grundlagen. Hallerbach und Erster Kreisbeigeordneter und Kreisbaudezernent Michael Mahlert: „Die Kreisverwaltung hat nicht darüber zu entscheiden, ob 'Little Britain' als Kleinod oder Schandfleck, abstoßend oder bezaubernd, geschmacklos oder wertvoll einzustufen ist. Wir haben dafür zu sorgen, dass das Gesetz eingehalten wird. Der ganze Konflikt ist grotesk und hätte bei Einhaltung gewisser Grundregeln viel sachlicher verlaufen können. Wer auch nur eine Terrassenüberdachung am Haus anbringen will und sich unsicher ist, ob dafür eine Genehmigung notwendig ist, fragt logischerweise beim Bürgermeister oder beim Bauamt nach. Das gehört zu deren Alltag und wird von den Bürgern reichlich genutzt.“

Damit liege der Schwarze Peter bei Blackburn. Dieser habe bei dem Gespräch auch eingelenkt und zugesagt, die illegalen Bauten zu beseitigen und ein Konzept für eine Legalisierung seines Projekts vorlegen zu wollen. Blackburn habe mittlerweile mitgeteilt, dass er alle nicht rechtmäßig aufgestellten Figuren und Pflanzen beseitigt habe, hieß es am Montag. Auch die Busse habe er wie gefordert von den Flächen der Gemeinde entfernt.

„Ich habe nicht geahnt, wie kompliziert die deutschen Gesetze sind"

Der Kreis habe nicht anders handeln können, als „die Nutzung aller baurechtswidrig errichteten baulichen Anlagen, wie etwa Panzer, Hütten, Telefonzelle, diverse Fahrzeuge, mit sofortiger Wirkung zu untersagen“, teilte die Verwaltung mit. Dazu gehöre, dass Besuchern zum Zweck der Besichtigung kein Zutritt mehr gewährt werden dürfe. Außerdem dürfe die Ausstellung nicht beworben werden.

Aus gegebenem Anlass weist der Kreis darauf hin, sich rechtzeitig vor Beginn einer Baumaßnahme Klarheit darüber zu verschaffen, was erlaubt ist und was nicht. Geregelt werde das im Bebauungsplan der Gemeinde, der dem Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde oder Stadt und überörtlichen Bestimmungen entsprechen müsse. Auch gelte es, viele Vorgaben zu beachten. „Diese ganzen Verfahren sind kompliziert, aber zu einem Rechtsstaat gehört auch, dass sich an Recht gehalten und dies auch durchgesetzt wird, dass Interessen gegeneinander abgewogen werden und bei Entscheidungen der Blick auf das Ganze und nicht nur auf die Einzelinteressen gerichtet wird.“ Blackburn sei am Zuge, „die Bedingungen für einen genehmigungsfähigen Antrag zu schaffen“. Erst danach könne über die Zukunft von „Little Britain“ gesprochen werden. Blackburn: „Ich habe nicht geahnt, wie kompliziert die deutschen Gesetze sind. Aber ich hoffe weiter für 'Little Britain'. Und der Union Jack bleibt.“ ()