Willy-Brandt-Forum Unkel

Veranstaltungsprogramm 2015 verspricht viel Abwechslung

Erinnerungen an eine Persönlichkeit: Die Skulptur von Rainer Fetting im Willy-Brandt-Forum.

Erinnerungen an eine Persönlichkeit: Die Skulptur von Rainer Fetting im Willy-Brandt-Forum.

UNKEL. SPD-Chef Sigmar Gabriel nennt Willy Brandt eine "politische Ikone des 20. Jahrhunderts", Heinrich Böll befand: "In seinem Lebenslauf liegt der Stoff für eine Legende." Wie könnte sich das nach dem Alt-Bundeskanzler benannte Willy-Brandt-Forum in Unkel also dem diesjährigen Motto des rheinland-pfälzischen Kultursommers entziehen, das da lautet: "Helden und Legenden"?

Aber was macht so einen Helden eigentlich aus? Dieser Frage wollen die Macher des Forums in diesem Jahr nachgehen. Eine Verherrlichung des 1992 gestorbenen Altkanzlers, SPD-Vorsitzenden, Familienvaters, Ehemanns, Geliebten, Journalisten, Widerstandskämpfers, Helden wider Willen sei aber nicht zu befürchten, sondern, wie der Vorsitzende des Forums, Christoph Charlier, versichert, "eine kritische Auseinandersetzung".

Mit dem Jahresprogramm wolle man dem Spannungsfeld gerecht werden, in dem sich Brandt bewegte. Das Projekt "Willy Brandt - Träumer und Realist" soll Schlagworte wie Freiheit, Unterdrückung, Revolution, Widerstand, Mythos und Lüge näher beleuchten. Man will sich diesem politischen Geist, der seinen Vater niemals kennenlernte und der als junger Mann aus Deutschland flüchtete, auf den Ebenen Malerei, Theater und Literatur nähern.

  • Eine Lesung mit der langjährigen Brandt-Geliebten Heli Ihlefeld ist für Dienstag, 3. Februar, geplant. Die 79-jährige Stern-Journalistin trägt aus ihrem anekdotenreichen Buch "Auch darüber wird Gras wachsen" vor. Brandt sprach diese Worte nach einem Gartenfest im Kanzleramt, bei dem er das Verbot, den Rasen zu betreten, aufgehoben hatte.
  • Das "Bruchhausener Lesetheater" macht am Freitag, 27. März, Station im Unkeler Forum. Gäste können selbst mitlesen, im Mittelpunkt steht das Buch "Zeit der Schuldlosen" des im vergangenen Jahr gestorbenen Siegfried Lenz.
  • Der Plauener Maler Klaus Hopf plant im Multifunktionsraum eine Kunstaktion, die sich auch auf die Wände ausweiten soll. Das macht dem Vorstand des Forums noch ein bisschen Sorgen. "Er hat aber versprochen, nachher alles wieder weiß zu streichen", teilte Charlier zuversichtlich mit. Der Künstler selbst hofft auf Hilfe von Schülern, die er im Rahmen des Projektes "Anatomie des aufrechten Ganges" zu eigenen Gedanken animieren möchte. Hopf war in den 80er Jahren Teil der Widerstandsbewegung in der DDR, sieht Parallelen zu Brandts Leben.
  • Die Witwe Brandts, Brigitte Seebacher, spricht am Freitag, 12. Juni, darüber, wie ihr Ehemann die deutsche Einheit erlebte. Der Titel "Nichts wird, wie es war" deutet die These Seebachers an, was eine Jahrhundertgestalt ausmacht: Sie müsse einen "Bogen vom Gestern ins Morgen schlagen".
  • Die Kunstaktion "Stationen der Demokratie" des Künstlers Uwe Langnickel hat auch Unkel einbezogen, denn der Dierdorfer fotografierte dort etwa das Freiligrathhaus, den Henkel-Park und die Rheinpromenade. Ab dem 25. September sind die Architekturansichten im Forum zu sehen.
  • Die Journalistin Julia Encke widmet sich bei ihrer Lesung "Charisma und Politik" der Bedeutung von Charismatikern in der Demokratie und versucht zu beantworten, ob sie mit reinen Technokraten überhaupt funktionieren kann.
  • Angefragt hat das Forum das Berliner Theater "Willy 100 - Im Zweifel für die Freiheit". Termin und Spielstätte stehen noch nicht fest. Das Stück dreht sich um Brandt, der darin als Gunnar Gaasland mit falschem Pass nach Berlin reist, um den Widerstand gegen Hitler zu organisieren. Ein bei vielen in Vergessenheit geratenes Intermezzo des "Helden".

 

Konstante Besucherzahlen

Das Willy-Brandt-Forum der Bürgerstiftung Unkel existiert seit März 2011. Laut Geschäftsführer Rudolf Rupperath hat es etwa 5000 bis 6000 Besucher pro Jahr, und das konstant, obwohl Rupperath nach dem Festjahr 2013, in dem Brandt 100 Jahre alt geworden wäre, eigentlich mit einem Einbruch gerechnet hatte. Durch Eintrittsgelder, Bürgerstiftung und Förderung durch die Lottostiftung, die allerdings Jahr für Jahr beantragt werden muss, habe man 2014 einen soliden Haushalt aufstellen können. Die Eintrittspreise werden nicht angehoben.

Der Vorsitzende Christoph Charlier plant, in den kommenden Jahren Rücklagen zu bilden, um den Bau, in dem das Forum untergebracht ist, modern halten zu können. Angedacht sei, einen Freundeskreis zur weiteren Unterstützung zu gründen. Nach vier Jahren hat das Forum, das nur durch 25 Ehrenamtliche aufrecht erhalten wird, seinen Internetauftritt überarbeitet: www.willy-brandt-forum.com