Rota Blanck-Ausstellung

Töchter zeigen Werke ihrer verstorbenen Mutter

Linna Treuheit zeigt die Werke ihrer Mutter in deren Haus und sagt: "Das Schönste wäre, wenn in das Haus ein Künstler einziehen würde."

ASBACH. Es ist eine Verneigung vor der Künstlerin, eine Ehrerbietung an die Mutter. 26 Jahre lang hatte Rota Blanck in dem Fachwerkgebäude in Rauenhahn gelebt und gearbeitet. Zehn Monate nach ihrem Tod findet in dem Künstlerhaus nun eine Ausstellung mit einer Auswahl ihrer Werke statt.

Ihre Töchter Linna Treuheit und Johanne Mückschel haben den umfangreichen Nachlass gesichtet. Bis zum 21. Oktober stellen sie Bilder, Skulpturen und Keramiken in den Wohn- und Werkräumen aus und bieten sie zum Kauf.

Rota Blanck war eine sehr vielseitige Künstlerin. Und wer die Straße vom Eudenbacher Flughafen Richtung Asbach fuhr, konnte linker Hand in dem kleinen Ortsteil Rauenhahn hinter großen Scheiben Keramikarbeiten entdecken. Das war jedoch nur eine Facette der Rota, eigentlich Roswitha, Blanck.

In Wolfenbüttel war sie geboren, am Niederrhein aufgewachsen. In Krefeld absolvierte sie eine Ausbildung an der Textilingenieurschule, wurde Musterzeichnerin und bekam ein Stipendium für einen Paris-Aufenthalt. Sie wurde Bildhauerin, besuchte die Hochschule für Künste in Berlin, ehe sie 1967 ins Rheinland zog.

Das Künstlerhaus in Rauenhahn trägt ihre "Fingerabdrücke". Linna Treuheit erinnert sich: "Sie hat alles selbst gemacht in dem Haus." Die vielen kleinen Regale genauso wie Treppen oder den Umbau des oberen Stocks. Das Gebäude war vorher eine Schreinerwerkstatt und ziemlich heruntergekommen.

Rota Blanck scheute sich nicht anzupacken. Ihre Tochter: "Sie setzte sich dann erst hin, überlegte, wie sie am besten vorgeht. Als Bildhauerin und Steinmetzin wusste sie, es ist alles Physik." Nur so bewältigte sie es wohl, zum Beispiel den schweren Sessel aus Wurzelholz her- und in ihrem Wohnzimmer aufzustellen.

Hier in ihrem letzten Domizil widmete sich Rota Blanck eine Zeit lang vermehrt der Keramik. "Sie lebte inmitten der Kunstwerke. Bei Besuchen haben wir das gar nicht so richtig beachtet", sagt Linna Treuheit. Erst als die Mutter im Dezember 2011 plötzlich starb, wurde den Töchtern bewusst, wie umfangreich dieses Schaffen ist. Immer neue Mappen mit Bildern tauchten auf. Die Künstlerin selbst hatte sehr selten die Öffentlichkeit gesucht.

"Sie hat kaum Ausstellungen bestritten. Ihre einzige Werbung waren Schilder im Fenster", erzählt Linna Treuheit. 200 Bilder, Skulpturen, Stelen, Vasen, Schalen, Lampen aus Keramik sind in den Räumen zu finden. Nur wenige Bilder tragen Titel. Fragen nach der Bedeutung eines Werkes beantwortete Rota Blanck immer so: "Das ist das, was du siehst!"

Es sind Bilder zum Träumen. Andere Kunstwerke sind eindeutig: Etwa "Kopf und Kragen" aus Holz oder das Herz aus Wurzeln und das Hochzeitspaar, das an der Rückwand des Hauses zu dem idyllischen Gärtchen mit Weinranken und Rosen hängt. Ein Zimmer beherbergt Werke von Otto Louis, dem ebenfalls bereits verstorbenen Lebensgefährten der Künstlerin.

Von einigen alten Arbeiten werden sich die Töchter nicht trennen. "Aber das Haus müssen wir verkaufen. Es ist nicht barrierefrei", bedauert Linna Treuheit. Sie sitzt im Rollstuhl, erkrankte mit 18 an Multipler Sklerose, ist engagiert in "lebensnerv" - eine Stiftung zur Förderung psychosomatischer MS-Forschung, und Empowerment-Trainerin für Schicksalsgefährten. Sie hat an einem Film mitgearbeitet: "Schluss mit lustig? Unterwegs mit MS". Linna Treuheit sagt: "Das Schönste wäre, wenn in das Haus ein Künstler einziehen würde."

Die Vernissage findet heute, Samstag, von 15 bis 19 Uhr in Asbach, Rauenhahn Nummer 6, statt. Die Ausstellung ist vom 7. bis 21. Oktober, jeweils dienstags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. www.rotablanck.de